Tennis

Lieber Roger Federer, geben Sie sich einen Ruck und kommen Sie für Wawrinka nach Basel

Anderthalb Stunden trennen Roger Federer von einem besonderen Moment in Basel. Noch hat er Zeit, seine Pläne zu ändern und einem langjährigen Weggefährten die Ehre zu erweisen. Ein Appell.

Wie dieser Tage zu lesen war, sind Sie mit Ihrer Familie endlich in ihrem neuen Zuhause an der Kempratner Bucht in Rapperswil-Jona eingezogen. Von dort sind es mit dem Auto rund anderthalb Stunden bis nach Basel, wo Stan Wawrinka Ende Oktober letztmals auf Schweizer Boden ein Turnier bestreitet. Trotzdem werden Sie offenbar nicht dabei sein können.

Mit Wawrinka haben Sie Dinge erlebt, die Sie für immer verbinden: der Olympia-Sieg im Doppel in Peking 2008, der Davis-Cup-Sieg 2014 in Lille (nach turbulenten Tagen im Vorfeld mit «Cry Baby»-Affäre und Ihrer Rückenverletzung). 26 Mal spielten Sie gegeneinander, wobei meistens Sie gewannen (23:3). Nicht irgendwo, sondern auf den grössten Bühnen: in Melbourne, Paris, Wimbledon und New York. Gemeinsam haben Sie eine goldene Ära des Schweizer Männertennis geprägt, die nun zu Ende geht.

Einfach nur da sein reicht

Nun endet auch Wawrinkas Karriere. Fünf Jahre nach Ihrer. Ende Oktober spielt er in Basel zum letzten Mal ein richtiges Tennismatch auf Schweizer Boden. Ausgerechnet dort, wo Ihre Geschichte begann. Wo Sie Balljunge waren, zehnmal triumphierten und bis heute Rekordsieger sind.

Natürlich gibt es Gründe, fernzubleiben. Seit Ihrem letzten Titel 2019 waren Sie nicht mehr bei den Swiss Indoors. Und natürlich würde Ihre Rückkehr Aufmerksamkeit erzeugen. Vielleicht sogar so viel, dass an einem Abend, der Wawrinka gehören soll, plötzlich alle auf Sie schauen.

Aber vielleicht unterschätzt dieses Argument auch das Publikum. Sie müssten keine Rede halten, keine Ehrenrunde drehen, keinen Pokal überreichen. Sie könnten einfach im Publikum sitzen. Als Weggefährte, der einem anderen beim letzten Auftritt in der Schweiz zuschaut, wie Sie das 2017 getan haben, als Marco Chiudinelli seine Karriere beendete.

Genf ist «nur» eine Inszenierung

Ja, im Dezember werden Sie bei Wawrinkas Abschied in Genf dabei sein. Doch das ist ein Schaukampf, eine Inszenierung, ein Fest der Nostalgie. Basel ist etwas anderes. Dort geht es noch einmal um Punkte, Sieg und Niederlage. Um das, wofür Sie beide so lange gelebt haben.

Geben Sie sich einen Ruck, Roger Federer. Kommen Sie nach Basel. Nicht für die Swiss Indoors. Nicht für Basel. Sondern für Stan Wawrinka.

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