Alles was knallt, raucht und brennt ist in Schweizer Fussballstadien verboten. Warum, hat zum Beispiel das Cupspiel vor einem Jahr zwischen dem FC Aarau und YB eindrücklich demonstriert: Während des Feuerwerks im Gästesektor erlitten mehrere Berner wegen Fehlzündungen und Querschlägern teils erhebliche Brandverletzungen und mussten im Spital behandelt werden.
Trotzdem sehen wir wöchentlich irgendwo Pyros leuchten und Böller explodieren. Verboten, aber trotzdem Usus. Irritierend wird es dann, wenn die Klubs ihre Fankurven für deren Feuerwerk-Shows abfeiern. Für eine potenziell lebensbedrohliche Straftat. Und vor dem Hintergrund, dass sämtliche Schweizer Profiklubs die Devise der Swiss Football League und der Behörden offiziell unterstützen und vor jedem Spiel entsprechende Stadion-Durchsagen machen: Null-Toleranz in der Pyro-Frage!
FCZ löscht Pyro-Bildergalerie mit dieser Begründung
Zürcher Derby im Stadion Letzigrund am vergangenen Samstag: Kurz vor dem Anpfiff kracht, blitzt und regnet es Funken über der Südkurve, Heimat der FCZ‑Hardcorefans. Einige Feuerwerkskörper prallen vom Stadiondach zurück Richtung Spielfeld und Zuschauerränge. Verletzt wird gemäss aktuellem Kenntnisstand glücklicherweise niemand.

Und was macht der FCZ? Lädt kurz nach der fragwürdigen Show Bildergalerien und Videos auf seine Social-Media-Profile und schreibt dazu: «Eine beeindruckende Choreo». Die Kommentare reichen von Lob über Galgenhumor bis zu Unverständnis. Einer schreibt, der FCZ sei vom Stockholm-Syndrom befallen, sympathisiere also als Opfer mit den Tätern.
Kurz vor Montagmittag löscht der FCZ die entsprechenden Bilder und Beiträge auf seinen Social-Media-Profilen. Wurde dem Klub die Angelegenheit zu heiss? Gab es einen Shitstorm? Das Eingeständnis eines Fehlers?

Offiziell Stellung nehmen will niemand. Aber aus Klubkreisen bekommt «Schweiz heute» die Begründung geliefert: Die Löschung der Beiträge diene der Verhinderung eines Missverständnisses. Man wollte nicht das Feuerwerk, sondern das riesige Banner mit der Aufschrift «Zürcher Südkurve» würdigen. Dass durch die ins Internet gestellten Bilder ein falscher Eindruck entstehen könne, sehe man beim FCZ jedoch ein. Darum der Entscheid, die Beiträge mit den Bildern vom Netz zu nehmen.
Ob Wahrheit oder Ausrede, das weiss nur der FCZ. Eines kann man dem Klub jedoch nicht vorwerfen: zu lasche Eingangskontrollen beim Zürich-Derby, wodurch die Unmengen Feuerwerk ins Stadioninnere gelangen konnten. Heimklub am ersten Derby der Saison waren nämlich die Grasshoppers – und somit verantwortlich für die Sicherheit im Letzigrund. Zudem wurde nicht nur in der FCZ-Kurve, sondern auch im GC-Block Pyromaterial gezündet. Im Gegensatz zum FCZ aber verzichtete der Rekordmeister darauf, auf Social Media Pyro-Bilder zu veröffentlichen.

Klubs sollen sensibilisiert werden
Der Fall liegt, wie immer wenn es gebrannt hat in einem Stadion, bei der Swiss Football League. Genau gesagt bei deren Disziplinar-Kommission. Auszugehen ist von Geldstrafen im mittleren fünfstelligen Bereich, für den FCZ und für GC. Ob auch die staatlichen Sicherheitsbehörden eingreifen und gemäss dem Kaskadenmodell Sanktionen verhängen, etwa eine Sektorensperrung, ist offen.
So weit das Standard-Prozedere nach Pyro-Vorfällen. Eine andere Frage ist der Umgang der Liga mit Klubs, die Pyro-Shows in ihren Fankurven abfeiern. Einerseits wollen die Klubs die Choreografien würdigen, andererseits kommen dabei meistens Pyros zum Einsatz. Ein Balanceakt für die Klubs. Aber bei der Liga ist man der Meinung, dass man einen Schritt weitergehen muss. Vielleicht sogar über die Sensibilisierung hinaus. Denn bisland sieht das Reglement keine Bussen für Klubs vor, die Pyro-Shows medial abfeiern.

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