Marco Odermatt will sich in diesem Winter zum fünften Mal in Serie die Kristallkugel für den besten Riesenslalomfahrer der Saison sichern. In Kranjska Gora hatte er die Chance, den Sack bereits im vorletzten Rennen in dieser Disziplin zuzumachen. Dafür hätte er sich vor Olympiasieger Lucas Pinheiro Braathen und Loïc Meillard klassieren müssen. Doch es gelingt ihm auf dem frühlingshaften Schnee nicht.

Der Nidwaldner klassiert sich am Ende auf Rang 5. Während Lucas Pinheiro Braathen mit deutlichem Vorsprung (0,54 Sekunden) gewinnt, fährt Loïc Meillard auf den zweiten Rang. Es ist das 35. Podest im Weltcup, das 16. in der Disziplin Riesenslalom.
Damit haben noch drei Fahrer die Chance, die Wertung im Riesenslalom für sich zu entscheiden. In der Pole Position befindet sich weiterhin Odermatt.
Unmittelbar nach dem Rennen zeigte sich der 28-jährige Odermatt im SRF-Interview unzufrieden mit der eigenen Leistung. «Ich habe leider einige Fehler gemacht und so reicht es dann bei Weitem nicht für ganz nach vorne.» Es habe ihn mehrmals von der Ideallinie weggespickt und er habe sehr hart auf den Ski stehen müssen und dadurch Tempo eingebüsst. «Sinnlos riskiert» habe er allerdings nicht, erklärt er weiter.
Anders präsentierte sich die Gefühlslage bei Loïc Meillard. Bei Halbzeit noch Dritter, gelang ihm ein 2. Lauf nach Mass und er setzte sich vorübergehend gar an die Spitze, liess noch den Österreicher Stefan Brennsteiner hinter sich, der am Ende Dritter wurde. Gegen Pinheiro Braathen war dann aber kein Kraut gewachsen.

Im Interview mit SRF sagte der Olympia-Dritte in dieser Disziplin: «Jeder Podestplatz gibt einem ein gutes Gefühl.» Es seien zwei völlig unterschiedliche Läufe gewesen und er sei glücklich darüber, wie er im zweiten Durchgang attackiert habe. «Es hatte ein paar kleine Fehler drin, aber das ist Teil der Attacke», konstatierte Meillard.
Drei Fahrer können die Riesenslalom-Kugel noch gewinnen – so ist die Ausgangslage
Nun ist der Kugelkampf also neu lanciert, zwei Schweizer sind mittendrin. Odermatt, der Kugel-Hamsterer, wird gejagt – und befindet sich plötzlich in einer neuen Situation, mit der er nicht gut vertraut ist: Er muss im letzten Rennen die Entscheidung herbeiführen.
Wenige Minuten nach dem Ende des Rennens sprach Odermatt vom «Worst-Case-Szenario», dass Pinheiro Braathen gewonnen hat und er sich weiter hinten eingereiht hat. So schlimm ist es dann doch nicht, denn sein Vorsprung beträgt immerhin 48 Punkte auf den Brasilianer und 89 auf Teamkollege Meillard. Ein 4. Platz beim Weltcup-Final in Hafjell würde ihm 50 Punkte und damit die Kugel einbringen.
Doch Pinheiro Braathen hat nicht nur den Olympia-Riesenslalom und das Rennen in Kranjska Gora deutlich gewonnen, auch zuvor hat er mit den beiden 2. Plätzen in Schladming und Adelboden seine grossartige Form unter Beweis gestellt.

Und auch Meillard dürfen wir an dieser Stelle keinesfalls ausser Acht lassen. Denn der stand – den Riesenslalom bei Olympia eingeschlossen – in den letzten drei Riesenslaloms immer auf dem Treppchen. In Schladming sogar ganz zuoberst.
Wie könnte der Slalom-Olympiasieger die Riesenslalom-Kugel noch gewinnen? Im letzten Rennen dürfte Odermatt gar keine Punkte holen (beim Weltcup-Final punktet nur die Top 15) und Pinheiro Braathen dürfte nicht auf das Podest fahren. Gleichzeitig muss Meillard gewinnen. Schwierig, ja. Aber nicht unvorstellbar.


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