Leichtathletik-EM

Briten als Partykiller: Feier für Simon Ehammer wird jäh abgebrochen

Die Schweizer Leichtathletik-Fans treffen sich nach gewonnenen Medaillen spätabends mit dem Athleten beim Gruyère-Chalet zur Feier. Bei Simon Ehammer dauert diese aber viel kürzer als gedacht.
Schweizer Fans treffen sich im Chalet von Verbandssponsor Gruyères zum Gut-Nacht-Bier.
Bild: Christoph Seiler

So ein Käse! Die Schweizer Leichtathletik-Fans in Birmingham werden am Dienstagabend kurz nach 23 Uhr Ortszeit von Dutzenden von Ordnern aus dem Chalet des Verbandssponsors Gruyère-AOP in Richtung Ausgang des EM-Stadions getrieben. Dabei ist Simon Ehammer, der Held des Abends, gerade erst von den vielen Supportern mit Kuhglocken und Jubel gebührend empfangen worden. Doch bevor der Silbermedaillen-Gewinner sein Bier austrinken kann, ist die Party auch schon wieder vorbei. Ein Ehammer-Supporter fragt angesichts der seltsam anmutenden Szenerie sarkastisch: «Ist das jetzt der typisch britische Humor».

Offensichtlich kennen die Briten bezüglich Polizeistunde kein Pardon. Schliesslich ist es nicht ihre Party. Freundlich, aber bestimmt türmen sich die mit gelben Westen gekennzeichneten Sicherheitskräfte vor dem Chalet auf. Wenig später heisst es für die Feiernden: Abmarsch! Das Stadionpersonal begleitet das gut gelaunte Schweizer Fangrüppchen inklusive Ehefrau, Eltern, Bruder, Trainer, Manager und Freunden von Simon Ehammer eingekreist bis zum Ausgang. Damit auch ja niemand unterwegs verloren geht oder falsch abzweigt. Mit Blick auf die farbenfroh gekleideten Supporter und die eine oder andere Kuhglocke im Gepäck, erinnert die Situation beinahe schon an einen Alpabzug.

Bereits zuvor brauchen die Fans des Zehnkämpfers Geduld. Während Simon Ehammer nach seiner neusten Heldentat von einem Ort zum andern hetzt – Siegerbild, TV-Interview, Dopingprobe und Medaillenübergabe innerhalb einer Stunde –, musste sich die Hundertschaft der Schweizer Fans gedulden, bis sie dem Appenzeller an der Medaillenzeremonie in einem Meer von Schweizer Fahnen zujubeln kann. Ein letztlich abgewiesener Protest des bulgarischen EM-Dritten, der nur drei Zentimeter weniger weit als Ehammer sprang, bei ihm sei falsch gemessen worden, verzögerte die Siegerehrung.

Danach trotten die Schweizer Fans gemütlich zum Gruyère-Chalet, während Simon Ehammer nochmals zurück in die Mixed-Zone zum Interview muss. Ehefrau Tatjana nutzt die Wartezeit, um fleissig erste Posts auf Social Media abzufeuern. Ein Familienunternehmen als Erfolgsmodell. Kurz danach ruft die gebürtige Österreicherin in die Runde: «In einer Minute kommt der Simon!» Ein Spalier wird gebildet, Ehammer bedankt sich sichtlich gerührt ob der Beifallsbekundung, lässt seine Anhänger hochleben und schnappt sich von seiner Anvertrauten eine halb leere Flasche Bier.

Kaum ist er wieder weg zur Dopingkontrolle, stehen auch schon die britischen Veranstaltungsordner vor der Türe. Der Beifall für ihr Kommen fällt vergleichsweise kühl aus.

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