Leichtathletik

Die EM ist vorbei ++ Mixed-Staffel sprintet auf Platz 4 ++ Hügli zahlt Lehrgeld im Speerwurf-Final

In Birmingham ist Mitte August der wichtigste Leichtathletik-Event des Jahres über die Bühne gegangen. 67 Schweizer Athletinnen und Athleten waren am Start. Die Traumbilanz von Rom haben sie zwar nicht getoppt, aber immerhin sieben Medaillen eingeheimst.

08:00 Uhr

Montag, 17. August

Die EM ist vorbei – unsere Analyse

Die Leichtathletik-EM in Birmingham ist Geschichte. Die grösste Schweizer Delegation aller Zeiten reist mit 7 Medaillen nach Hause. Damit beenden wir auch diesen Liveblog und bedanken uns herzlich für Ihr Interesse. Zum Schluss empfehlen wir Ihnen gerne noch unsere Analyse zu den Kontinentalmeisterschaften.

22:54 Uhr

Sonntag, 16. August

Kein Schweizer Exploit im letzten EM-Rennen

Das Schweizer Quartett Dany Brand, Lionel Spitz, Ricky Petrucciani und Haydn Brotschi blieb in der 4x-400-m-Staffel im Kampf um die Medaillen chancenlos. Es war der letzte Wettkampf an diesen Europameisterschaften. Zwar kam nach einer starken zweiten Ablösung von Spitz, wo man den Anschluss an die Spitzengruppe fand, kurz etwas Hoffnung auf, aber auf der Schlussrunde musste sich Haydn Brotschi auch noch vom deutschen Konkurrenten überholen lassen. So blieb nur der achte und letzte Platz. Und die Zeit von 3:02,78 lag mehr als anderthalb Sekunden hinter der Leistung im Vorlauf zurück.

21:46 Uhr

Sonntag, 16. August

Schweizer Mixed-Staffel im Sprint auf Platz 4

Bei der EM-Premiere darf man sogar bei einem vierten Platz strahlen: Fabienne Hoenke, William Reais, Geraldine Di Tizio-Frey und Daryl Bachmann (von links) in der Mixed-Staffel 4x100 m.
Bild: CYRIL ZINGARO

Nur knapp an den Medaillen vorbei schrammte die Schweizer Sprintstaffel bei der erstmals an einer EM ausgetragenen Mixed-Staffel. Das Quartett Daryl Bachmann, Géraldine Di Tizio-Frey, William Reais und Fabienne Hoenke beendete das von Grossbritannien gewonnene Rennen auf Platz 4.

Das Rennen war ein Blick in die Glaskugel. Mangels Erfahrung habe man überhaupt nicht gewusst, wo man im Vergleich stehe, erklärte Géraldine Di tizio-Frey. Durch die ungewohnten und wegen des unterschiedlichen Tempos herausfordernden Wechsel von Männer auf Frauen war auch klar, dass die Marge für Wechselfehler relativ klein war. Kam dazu, dass das Schweizer Quartett nie in dieser Konstellation miteinander trainierte. Nicht optimal war die letzte Stabübergabe von Reais zu Hönke, wobei der Rückstand zum Bronzeplatz der Spanier ohnehin zu gross erschien. Trotz knapp verpasster Medaille haderte entsprechend niemand der Schweizer Staffel mit dem Resultat.

21:31 Uhr

Sonntag, 16. August

Speerwerferin Leonie Hügli bleibt hinter ihren Möglichkeiten

In der Qualifikation am Freitag hatte keine Athletin den Speer weiter geworfen als Leonie Hügli. Der 21-jährigen Bernerin gelang mit 62,33 m ein neuer Schweizer Rekord.

Leonie Hügli ist nicht glücklich über ihren Auftritt im Speerwurf-Final.
Bild: CYRIL ZINGARO

Im Final der zwölf Besten hingegen zahlte die EM-Debütantin Lehrgeld und musste bereits nach drei Versuchen die Segel streichen. Der beste von drei insgesamt schwachen Würfen segelte lediglich auf 54,55 m. Damit blieb Hügli lediglich Platz 10. Doch ihr gehört zweifellos die Zukunft. Mit der Wiederholung ihrer Leistung in der Qualifikation hätte es im Final Silber gegeben. Sie selbst sagte nach dem Wettkampf gegenüber SRF, sie habe keine Erklärung. «Ich bin noch immer ein wenig geschockt, es müssen wohl die Nerven gewesen sein, obwohl ich eigentlich überhaupt nicht nervös war. Man soll das Positive mitnehmen, und das werde ich ab morgen sicher auch tun.»

11:47 Uhr

Sonntag, 16. August

Das sagen Fabienne Schlumpf und Matthias Kyburz zu ihren Rennen

Nach dem Marathon standen die beiden bestklassierten Schweizer SRF Red und Antwort. Fabienne Schlumpf sagte, dass sie sich deutlich mehr erhofft habe, weil sie gesund und in hervorragender Form angereist sei. «Aber irgendwie waren die Beine heute nicht da. Ich weiss nicht, woran es gelegen hat.»

Fabienne Schlumpf sichtlich leidend während des Marathons.
Bild: CYRIL ZINGARO

Das Rennen sei für sie früh härter geworden als gewohnt. «Ich hoffte, dass ich mich nochmals erhole. Aber meine Energie wurde immer kleiner, dazu kamen Magenprobleme und Schmerzen in der Hüfte. Ich bin stolz, dass ich mich trotzdem ins Ziel gekämpft habe.»

Matthias Kyburz verpflegt sich während des Rennens.
Bild: CYRIL ZINGARO

Matthias Kyburz zeichnete ein realistisches Bild der Stärkenverhältnisse. «Meine 2 Stunden 11 Minuten sind angesichts der Strecke immer noch keine schlechte Zeit. Vorn laufen sie zwei Minuten schneller. Das ist wohl meine und ihre Realität.» Er habe bei der Tempoverschärfung von Petros nicht die Beine gehabt, um mit den Schnellsten mitzugehen. «Ich bin nie richtig ins Fliegen gekommen.» Auf den letzten Kilometern habe er gehofft, dass er noch zu einer Aufholjagd ansetzen könne, «aber es ist niemand vor mir eingebrochen.»

11:10 Uhr

Sonntag, 16. August

Kein Schweizer Tag im Marathon

Die beiden Schweizer Teamleader im Marathon, Matthias Kyburz und Fabienne Schlumpf, blieben im EM-Rennen auf dem anspruchsvollen Stadtkurs unter Wert geschlagen. Beide verpassten das angestrebte Ziel einer Top-8-Rangierung deutlich.

Das Rennen der Frauen wurde geprägt von der Finnin Alisa Vainio. Die 28-jährige Vielstarterin übernahm vom ersten Meter an die Führung und setzte sich sofort ab. Nach einem 42-km-Sololauf gewann die WM-Fünfte von Tokio trotz der schwierigen Strecke mit total 700 Höhenmetern in neuer EM-Rekordzeit von 2:22,26 rund fünf Minuten vor der Konkurrenz. Fabienne Schlumpf setzte sich nach Kilometer 15 aktiv in Szene und übernahm in der Verfolgergruppe für einige Kilometer resolut die Spitze. Doch es war ein kurzes Feuerwerk, ab Kilometer 20 verlor die 35-Jährige kontinuierlich Zeit und Plätze. Ins Ziel lief Schlumpf auf Rang 19 in einer Zeit von 2:32,11 mit beinahe zehn Minuten Rückstand auf die finnische Siegerin.

Bei den Männern blieb Matthias bis Kilometer 25 in der 22-köpfigen Spitzengruppe. Dann sprengte der Deutsche Amanal Petros das Feld. Kyburz blieb im Hintergrund, verlor auf den folgenden fünf Kilometern eine Minute auf den Spitzenläufer und bis Kilometer 35 eine weitere Minute. Dass es durchaus noch möglich gewesen wäre, nochmals heranzulaufen, zeigte das Beispiel des Israeli Ayale Gashau. Dieser blieb zuerst in der Gruppe von Kyburz, lag bei Kilometer 30 ebenfalls eine Minute hinter der Spitze und kämpfte sich danach als Dritter noch bis auf das Podest nach vorn. Vergleichbares gelang dem 36-jährigen Schweizer nicht. Er beendete das Rennen in einer Zeit von 2:11,42 auf Position 17 mit zweieinhalb Minuten Rückstand auf Sieger Petros.

Für den Deutschen eritreischer Herkunft war es die erste Goldmedaille an einem Grossanlass. An der WM im vergangenen Jahr in Tokio verpasste der 31-Jährige diese auf dramatische Weise. Amanal Petros lag auf der Zielgeraden im Olympiastadion noch scheinbar sicher voraus, als er vom Tansanier Alphonce Simbu auf den letzten Metern noch abgefangen wurde. Am Schluss entschied der Zielfilm um drei Tausendstelsekunden (!) gegen Petros. In Birmingham sorgte der Rennfavorit mit einem frühen Antritt dafür, dass es diesmal nicht so eng wurde.

Dominic Lobalu feiert seine Silbermedaille auf den letzten Metern.
Bild: Petr David Josek

23:09 Uhr

Samstag, 15. August

Silber für die Sprintstaffel der Frauen

Es ist eines der am längsten laufenden Projekte in der Schweizer Leichtathletik: 2011 startete der Verband ein Staffel-Projekt. Früh stellten sich Erfolge ein, heute gewinnt die Schweiz regelmässig Medaillen auf Nachwuchsstufe. Nur mit etwas wollte es nicht klappen: Einer Medaille bei der Elite.

Nun ist der Fluch gebrochen. Salomé Kora zeigte als Schlussläuferin den Lauf ihres Lebens nach einem arg missglückten Stabwechsel. Quasi aus dem Stand beschleunigte die Ostschweizerin und überholte noch zwei Läuferinnen vor sich. Die Silbermedaille hinter den überlegenen Gastgebern ist ein verdienter Lohn für jahrelange Arbeit.

Silber für das Schweizer Team.
Bild: EPA

Géraldine Di Tizio-Frey, Fabienne Hoenke, Léonie Pointet und Salomé Kora liefen im Final. Ajla Del Ponte, die noch am Morgen im Vorlauf überzeugte, verzichtete freiwillig zugunsten von Fabienne Hoenke auf einen Einsatz.

22:10 Uhr

Samstag, 15. August

Silber für Dominic Lobalu

Medaille Nummer 6 für die Schweiz an der EM. Dominic Lobalu kann zwar seinen Titel von 2024 in Rom über 10'000 m gegen den vollkommen entfesselten Schweden Andreas Almgren nicht verteidigen. Aber der 27-Jährige mit Wurzeln im Südsudan ist quasi der Beste des Rests und wird in starken 27:42,67 Zweiter. Damit komplettiert er nach Gold und Bronze vor zwei Jahren seinen EM-Medaillensatz.

An der Spitze war Almgren unantastbar und gewann in neuem EM-Rekord von 27:23,44. Er setzte auf die Werro-Taktik und versuchte es mit einem Steigerungslauf von der Spitze aus. Mit dem kleinen Unterschied, dass er dies nicht zwei Runden lang, sondern während 25 Runden tun musste.

Lobalu versuchte lange, den Rücken von Almgren zu halten, musste aber nach rund sechs Kilometern auch abreissen lassen. Trotz verpasster Titelverteidigung freute sich der bei Markus Hagmann in St. Gallen trainierende Lobalu im Ziel wie ein Maikäfer. Ebenfalls Grund zur Freude hatte der zweite Schweizer im Feld, der Zürcher Jonas Raess. Er beendete das EM-Rennen unerwartet gut auf Rang 8. Eine Genugtuung für schwierige Monate, die er nach einer Verletzung hinter sich hat.

20:53 Uhr

Samstag, 15. August

Annik Kälin trotz offensivem Lauf ohne Medaille

Annik Kälin mit guter Miene zum bösen Spiel. Als Beste der Welt angetreten, ohne EM-Medaille abgereist.
Bild: CYRIL ZINGARO

Für die Schweizer Mehrkämpferin Annik Kälin enden die Europameisterschaften mit einer Enttäuschung. Zwar versucht die Bündnerin im 800-m-Lauf noch mit einem engagierten Rennen, die umgerechnet zweieinhalb Sekunden auf die drittplatzierte Niederländerin Sofie Dokter noch einzuholen. Doch Dokter hält bis zum Schluss den Rücken der Schweizerin, so dass für Annik Kälin der undankbare vierte Platz bleibt.

Gewonnen wurde der Siebenkampf von der Irin Kate O'Connor. Sie holte bereits vor zwei Wochen an den Commonwealth Games in Glasgow den Sieg. Genauso wie Kate O'Connor beendeten auch die zweitplatzierte Emma Oosterwegel und ihre Landsfrau Sofie Dokter den hochstehenden Wettkampf mit neuen persönlichen Punktrekorden. Mit ihren 6819 vom Siebenkampf im Juni in Ratingen bleibt Annik Kälin jedoch auch nach der EM die Jahresweltbeste. Zumindest an diesem Tag ein schwacher Trost. Annik Kälin hat nun an den letzten drei Meisterschafts-Siebenkämpfen immer den vierten Platz erreicht: EM 2024 in Rom, Olympische Spiele 2024 in Paris und nun in Birmingham

14:34 Uhr

Samstag, 15. August

Enttäuschte Annik Kälin im TV-Interview

Die Tränen waren noch nicht getrocknet, als Mehrkämpferin Annik Kälin dem Schweizer Fernsehen nach dem missratenen Speerwerfen Auskunft gab. Sie empfand den Wettkampf auch deswegen als megastreng, «weil ich nie einen richtigen Aufsteller hatte». Während ihre Konkurrentinnen Bestleistung an Bestleistung reihten, blieb sie hinter den eigenen Erwartungen zurück. «Auch wenn die Form eigentlich sehr gut ist.»

Selbst die Sprünge im Weitsprung sah sie kritisch. Diese seien okay gewesen, wie auch der Wettkampf an und für sich «ja keine Katastrophe ist». Aber man spürte: Die Bündnerin, als Topfavoritin angetreten, hatte höhere Erwartungen an sich.

Vor dem Speerwerfen spürte Kälin ein Zwicken im linken Knie. Das instabile Knie verhinderte denn auch bessere Würfe. Zur minimalen Chance auf Bronze im abschliessenden 800-m-Lauf am Abend meinte die 26-jährige Jahresweltbeste im Siebenkampf: «Ich habe nichts verlieren, aber es wird sehr schwierig.» Sie müsse jetzt aber zuerst emotional herunterkommen und sich wieder beruhigen.

Bei allem Frust suchte Annik Kälin aber auch das Positive: «Es ist eigentlich ein cooles Zeichen, dass ich selbst mit einem Wettkampf, bei dem nichts rundläuft, noch um die Medaillen mitreden kann. Es war für mich ja im Grunde eine unglaubliche Saison. Wir werden genau analysieren müssen, wieso es nun an der EM nicht klappte.»

14:24 Uhr

Samstag, 15. August

Nach schlechtem Wechsel: Männerstaffel scheitert um eine Hundertstel

So knapp wie möglich verpasst die Schweizer Sprintstaffel der Männer den EM-Final. Eine Hundertstelsekunde fehlte im Vergleich zu Polen. Die Schweizer mussten nicht weit suchen, wo diese Zeit verloren ging. Der erste Wechsel von Timothé Mumenthaler auf Daryl Bachmann missglückte ziemlich. Entsprechend ärgerten sich die Schweizer nach dem Lauf.

14:03 Uhr

Samstag, 15. August

Das Schweizer Sprint-Quartett mit Ajla Del Ponte, Léonie Pointet, Salomé Kora und Géraldine Di Tizio-Frey freut sich über den Vorlaufsieg.
Bild: CYRIL ZINGARO

Schweizer Sprintstaffel der Frauen hält Medaillentraum am Leben

Die Schweizer Sprintstaffel der Frauen mit Géraldine Di Tizio-Frey, Ajla Del Ponte, Léonie Pointet, Salomé Kora darf weiterhin von der ersten Medaille an einem internationalen Grossanlass träumen. Das Potenzial bringen die starken Schweizer Sprinterinnen schon seit Jahren mit, an den Olympischen Spielen von Tokio liefen sie mit Platz 4 mitten in die Weltelite. Aber mehrere Missgeschicke mit Wechselfehlern dämpften Schweizer Medaillenträume zuletzt.

Im Vorlauf in Birmingham überzeugte das Schweizer Quartett hingegen voll und ganz. Mit 42,38 Sekunden gewannen sie ihren Vorlauf und lieferten die Schweizerinnen die drittschnellste Zeit hinter Italien und Grossbritannien ab. Es ist die achtbeste Zeit, welche eine Schweizer Staffel je lief. Der nationale Rekord liegt seit Tokio bei 42,05.

13:51 Uhr

Samstag, 15. August

Kälin fällt nach Speerwurf auf Platz 4 zurück

Da sass die Jahresweltbeste im Siebenkampf nach der vorletzten Disziplin auf dem Boden und weinte bittere Tränen. Zwar ist eine EM-Medaille vor dem 1500-m-Lauf am Abend kein vollkommen unmögliches Unterfangen, aber bei der Bündnerin überwogen nach dem Speerwurf die negativen Gefühle über ihre Leistung.

Kälin, die sich vor dem Speerwerfen das linke Knie eintapte und ihren Anlauf verkürzte, blieb mit einer Weite von 44,39 m mehrere Meter hinter ihrem Potenzial zurück. Auf der anderen Seite riefen die nun führenden Niederländerin Emma Oosterwegel (51,49 m) und die Irin Kate O'Connor (50,16 m) ihr Leistungspotenzial auch mit dem Speer ab. Sie werden den Sieg unter sich ausmachen – mit Vorteilen bei O'Connor.

Eine starke Leistung zeigte auch Sofie Dokter aus den Niederlanden. Sie warf den Speer auf 46,20 m und übertraf ihre beste Saisonleistung um zwei Meter. Damit schiebt sich Dokter vor Kälin auf Platz 2. Der Vorsprung ist mit 34 Punkten vielleicht zu gross, als dass die Schweizerin gegen die ähnlich starke Läuferin noch auf den Bronzeplatz vorstürmen kann.

13:36 Uhr

Samstag, 15. August

Schweizer Trio scheidet im Vorlauf aus

Der EM-Final über 1500 m der Frauen findet am Sonntagabend ohne Schweizer Beteiligung statt. Die drei Läuferinnen von Swiss Athletics erreichten in ihren Vorläufen den geforderten Platz in den ersten sechs nicht. Dabei dürfte die Gefühlslage beim Schweizer Trio unterschiedlich ausfallen.

Die grosse Enttäuschung war die Westschweizerin Joceline Wind. Die Trainingskollegin von Audrey Werro konnte die positiven Emotionen von Werros EM-Titel nicht auf die eigene Leistung übertragen. Der 25-jährigen Wind war aufgrund ihrer diesjährigen Leistungen der Vorstoss in den Final zugetraut worden. Doch mit Platz 8 und einer blassen Vorstellung vor allem auf den letzten 100 Metern - sonst eine Stärke von Wind -, darf sie nicht zufrieden sein.

Den Final nur um 11 Hundertstel verpasst hat hingegen die Bernerin Dalia Sclabas als Siebte ihres Vorlaufs. Das einstige Jahrzehnt-Lauftalent hat schwierige Jahre mit vielen gesundheitlichen Problemen hinter sich. Nun ist sie wieder da. Und überrascht an der EM mit einer Fähigkeit, die man nicht zu ihren Stärken zählt. Die 25-Jährige dreht auf der Zielgeraden mächtig auf und sprintet um ein Haar noch in den Final.

Die 23-jährige Zürcherin Lilly Nägeli hingegen war chancenlos. Sie belegte in ihrem Vorlauf den letzten Platz.

12:10 Uhr

Samstag, 15. August

Hochspannung im Siebenkampf der Frauen

Annik Kälin bei Weitsprung in Birmingham.
Bild: CYRIL ZINGARO

Die Schweiz ist dank Annik Kälin auf dem Weg zu einer nächsten EM-Medaille. Die Bündnerin war dank ihrer Jahresweltbestleistung als Favoritin nach Birmingham gereist, ist aber am ersten Tag unter Druck geraten. Weniger, weil sie selbst nicht solid performte, sondern weil einige der Gegnerinnen mit mehreren Bestleistungen über sich hinauswuchsen. Dies ergab für die 26-Jährige nach vier von sieben Disziplinen lediglich Zwischenrang 6.

Der Start in den zweiten Tag mit Kälins Paradedisziplin Weitsprung war also von elementarer Bedeutung in Bezug auf ihre Medaillenchancen. Annik Kälin machte es spannend, übertrat im ersten Versuch, während mit Sophie Weissenberg und Kate O'Connor zwei ihrer grössten Konkurrentinnen bereits wieder so weit sprangen wie noch nie in ihrer Karriere.

Doch unter maximalem Druck und dank eines Rückenwinds von +3,8 m/s gelang es der Schweizerin, zu kontern. Weiter als 6,81 m sprang sie in diesem Jahr nur einmal – auch mit zu viel Wind in Götzis. Bei ihrer in Götzis aufgestellten Jahresweltbestleistung waren es sechs Zentimeter weiter.

Der Weitsprung brachte an der Spitze des Zwischenklassements den totalen Zusammenschluss. Annik Kälin übernahm wieder die Spitze, allerdings lediglich einen Punkt vor der niederländischen Hallen-Weltmeisterin Sofie Dokter, sechs Punkte vor der Irin O'Connor und 17 Zähler vor der Deutschen Weissenberg. Nun folgen noch der Speerwurf und der abschliessende 800-m-Lauf.

Zum Speerwerfen treten Kälin, Dokter und Weissenberg mit ähnlichen Bestleistungen an. Kate O'Connor, die erst vor zwei Wochen den Siebenkampf-Sieg an den Commonwealth-Games holte, hingegen hat das Potenzial, den Speer rund drei Meter weiter zu werfen als ihre direkten Konkurrentinnen. Und aufgepasst auch auf die zweite Niederländerin Emma Oosterwegel. Sie tritt als nominell beste Speerwerferin an und liegt im Zwischenklassement des Siebenkampfs als Sechste ebenfalls nur 83 Punkte hinter der Schweizerin.

22:54 Uhr

Freitag, 14. August

Audrey Werro gewinnt die EM-Goldmedaille mit einer Machtdemonstration

Audrey Werro gewinnt im mit Spannung erwarteten 800-m-Final der EM in Brimingham Gold. Die Schweizerin sorgt von Beginn weg für ein horrendes Tempo. Auf der Zielgeraden wehrt sie den Angriff von Olympiasiegerin Keely Hodgkinson ab, Femke Broeders-Bol holt Bronze.

Audrey Werro läuft über 800 m zu Gold.
Bild: Tolga Akmen/EPA

Von wegen Audrey Werro als Tempomacherin für die beiden Olympiasiegerin Keely Hodgkinson und Femke Broeders-Bol. Das Schweizer Supertalent zeigt an der EM, dass sie niemanden braucht, der für sie auf den ersten 500 Metern das Tempo macht. Und dass sie über ein derart grosses Stehvermögen verfügt, um nach einem Frontlauf auf der Zielgeraden selbst den Angriff der frenetisch angefeuerten Lokalmatadorin Hodgkinson abzuwehren.

Audrey Werro ist einen Tag nach dem grossen Sturz-Drama die stärkste Athletin im Feld und gewinnt in der neuen EM-Rekordzeit von 1:54,81 Gold vor der Britin und vor Femke Broeders-Bol. Die beiden weiteren Schweizerinnen Valentina Rosamilia und Veronica Vancardo werden Siebte und Achte. «Es waren verrückte 24 Stunden - mit vielen verschiedenen Emotionen. Umso glücklicher bin ich, diesen Titel gewonnen zu haben», sagte Werro direkt nach dem Rennen.

Audrey Werro hat im Finallauf ihre Krallen gezeigt.
Bild: Bilöd: Petr David Josek/AP

22:31 Uhr

Freitag, 14. August

Mumenthaler teilt Bronze mit dem Italiener Desalu

Die Titelverteidigung ist zwar nicht geglückt, aber Timothé Mumenthaler gewinnt auch an seiner zweiten EM eine Medaille. Hinter Owen Ansah aus Deutschland und dem Briten Zharnel Hughes läuft Mumenthaler auf die Tausendstelsekunde genau schnell wie der Italiener Eseosa Fostine Desalu (20,63). Der Bündner William Reais wird in 20,63 Achter.

Timothé Mumenthaler holt sich erneut eine EM-Medaille.
Bild: Cyril Zingaro/Keystone

Vielleicht wird aus der Bronzemedaille von Mumenthaler in einigen Monaten sogar noch Silber. Gegen den neuen Europameister läuft ein Dopingverfahren. Er hat im Juli einen Test verweigert. Die Nationale Dopingagentur Deutschlands will ihn dafür vier Jahre sperren. Wird er verurteilt, muss Ansah die Goldmedaille über 200 m und Bronze über 100 m zurückgeben.

Aber zurück zum Schweizer Medaillengewinner. Vor zwei Jahren tauchte der damals 21-jährige Timothé Mumenthaler wie ein Komet am Leichtathletik-Himmel auf. Sein EM-Titel in Rom kam ausserhalb der Genfer Sprint-Bubble wohl für alle völlig unverhofft. Dass mit William Reais ein zweiter Schweizer Bronze holte, war wie die Kirsche auf der Torte.

Doch die Monate nach dem Triumph waren bestes Beispiel dafür, dass Erfolg auch eine Last sein kann. Hoher Erwartungsdruck, wiederkehrende Verletzungen und eine mentale Belastung sorgten dafür, dass der Genfer als Sportler stagnierte und die Leistung von Rom nie so richtig bestätigen konnte.

Im Winter suchte der Mikrotechnik-Student der EPF Lausanne die Flucht nach vorne und schloss sich der Sprintgruppe um Trainer Marco Airale in Padua an. Das grosse Aushängeschild des von Nike unterstützten «Team Air» ist die Britin Amy Hunt. Die Olympia-Zweite über 200 m feierte diese Woche in Birmingham das Double über 100 m und 200 m.

Mumenthaler benötigte Anlaufzeit, bis er sich an die deutlich höhere Trainingsintensität in Padua gewöhnte. Der 23-Jährige glänzte vor der EM nicht mit hochklassigen Zeiten, verlor zuletzt an den Schweizer Meisterschaften das Sprintduell gegen William Reais gleich doppelt.

Aber Coach Airale scheint den Formaufbau nicht nur bei seinem Star Amy Hunt perfekt hinbekommen zu haben. Bereits im Halbfinal sah man einen verwandelten Timothé Mumenthaler. Wie locker er seine persönliche Bestzeit massiv auf 20,09 senkte, erstaunte nicht nur die Konkurrenz.

Marco Airale prognostiziert für seinen Schützling bald eine Zeit unter 20 Sekunden. Den Schweizer Rekord hält nach wie vor Dopingsünder Alex Wilson, der 2019 in der Höhe von La Chaux-de-Fonds 19,98 lief. Auch Mumenthaler selbst ist überzeugt, dass er diese 19er-Zeit in den Beinen hat.

22:21 Uhr

Freitag, 14. August

Annik Kälin muss über 200 m nach Blitzstart büssen

Die Bündner Jahresweltbeste im Siebenkampf trat als Athletin mit dem besten Meldewert über 200 m an. Und sie legte in der schnellsten Serie los wie die Feuerwehr. Dann aber auf der Zielgeraden die Ernüchterung. Kälin kann das Tempo nicht halten und rutscht von der Spitzenposition noch hinter ihre stärkten Gegnerinnen im Kampf um den EM-Titel zurück. Während Sofie Dokter und Kate O'Connor neue persönliche Bestzeiten laufen, bleibt Kälin in 23,54 über eine halbe Sekunde hinter ihrer Zeit von Ratingen zurück. Damit verbleibt die 26-Jährige nach Tag 1 auf Platz 6, bereits 122 Punkte hinter der führenden Polin Adrianna Sulek-Schubert.

22:00 Uhr

Freitag, 14. August

In 45 Minuten folgt der Höhepunkt mit Audrey Werro

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21:07 Uhr

Freitag, 14. August

Annik Kälin bespricht sich während dem Kugelstossen mit ihrem Trainer und Vater Marco.
Bild: Sven Beyrich/freshfocus

Kein Exploit von Annik Kälin im Kugelstossen

Siebenkämpferin Annik Kälin hat die Kugel in dieser Saison bereits auf 14 Meter gestossen. Das gelingt der Bündnerin an der EM nicht. Ihre 13,59 m sind solid, die Jahresweltbeste verliert aber im Zwischenklassement weiter Punkte auf die Konferenz. Als Sechste liegt sie nach drei Disziplinen nun 151 Punkte hinter der führenden Polin Adrianna Sulek-Schubert. Doch nun folgt um 21.55 Uhr noch der 200-m-Sprint, wo keine der 24 Teilnehmerinnen auf dem Papier schneller ist als Kälin.

20:39 Uhr

Freitag, 14. August

Gibt es eine Schweizer Teamtaktik für Audrey Werro?

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19:42 Uhr

Freitag, 14. August

Die nächsten Medaillen werden vergeben – auch an die Schweiz?

Am Freitagabend stehen die nächsten Finals auf dem Programm. Die Höhepunkte aus Schweizer Sicht steigen dabei erste gegen Ende des Abends. Im 200-Meter-Final der Männer um 22.25 Uhr sind William Reais und Timothé Mumenthaler dabei. Letzterer geht als Titelverteidiger ins Rennen.

Timothé Mumenthaler verteidigt seinen Titel über 200 Meter am Freitagabend.
Bild: Cyril Zingaro/Keystone

Im Final der Frauen über 800 Meter um 22:46 Uhr ist die Schweiz dann gleich dreifach vertreten. Audrey Werro zählt zu den Favoritinnen auf eine Medaille, während Valentina Rosamilia und Veronica Vancardo als Aussenseiterinnen an den Start gehen.

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13:47 Uhr

Freitag, 14. August

Kleiner Dämpfer für Annik Kälin im Hochsprung

Der Hochsprung gehört nicht zu den besten Disziplinen von Siebenkämpferin Annik Kälin. An der EM begann der Wettkampf für die Bündnerin zwar optimal. Die 26-Jährige übersprang ab ihrer Anfangshöhe auf 1,62 m alle weiteren Höhen bis 1,71 m im ersten Versuch. Doch damit hatte es sich. Auf 1,74 m blieb Kälin dreimal hängen. Bei ihrem Sieg in Götzis hatte sie diese Höhe noch gepackt, beim Schweizer Siebenkampf-Rekord mit Jahresweltbestleistung in Ratingen sogar 1,75 m.

Im Zwischenklassement fällt Annik Kälin damit auf Rang 4 zurück - hinter die Polin Adrianna Sulek-Schubert, die Irin Kate O'Connor und die Deutsche Sophie Weissenberg. Dieses Trio startet auch mit besseren Saisonbestleistungen in die dritte Disziplin Kugelstossen. Diese beginnt abends um halb neun.

13:43 Uhr

Freitag, 14. August

Gelungenes EM-Debüt für Justin Fournier

Der Walliser Stabhochspringer Justin Fournier hat bei seiner Feuertaufe an der EM die Erwartungen erfüllt. Zwar lag die Qualifikation für den Final ausser Reichweite, aber das wusste der 21-Jährige, der neu in Magglingen lebt und trainiert, bereits vor der Qualifikation. Aber Fournier übersprang im dritten Versuch 5,45 m und blieb damit nur zwei Zentimeter hinter seiner persönlichen Besthöhe zurück. Auf 5,60 m scheiterte das grosse Talent diesmal noch.

13:36 Uhr

Freitag, 14. August

Zweite Schweizer Speerwerferin verpasst Final

Die 21-jährige Thuner Speerwerferin Sabrina Boss kann die gute Stimmung rund um den Schweizer Rekord ihrer gleichaltrigen Teamkollegin Leonie Hügli nicht ausnutzen und verpasst die Qualifikation für den Final der zwölf Besten. Die Schweizer Meisterin wirft den Speer in ihrem besten Versuch auf 55,22 m und bleibt damit um fünfeinhalb Meter hinter ihrer Saisonbestweite zurück.

12:55 Uhr

Freitag, 14. August

Schweizer Frauenstaffel scheidet als Sechste aus

Wie erwartet ohne Chance auf eine Finalteilnahme war die Schweizer 4x400-m-Staffel der Frauen mit Mélanie Roland, Lena Wernli, Annina Fahr, Yasmin Giger. Das Quartett beendete das Rennen auf Platz 6, rund fünf Sekunden hinter dem Schweizer Rekord.

12:29 Uhr

Freitag, 14. August

Leonie Hügli wirft mit dem Speer einen Schweizer Rekord

Speerwerferin Leonie Huegli darf sich über den bereits dritten Schweizer Rekord in diesem Jahr freuen. Bild: Urs Flüeler

Die erst 21-jährige Bernerin wächst in der Qualifikation zum Speerwurf-Final einmal mehr über sich hinaus und verbessert bereits zum dritten Mal in dieser Saison den Schweizer Rekord. Hüglis Wurf geht auf 62,33 m. Keine Gegnerin war besser und die Athletin des LC Kirchberg war auch die einzige Frau in ihrer ersten Gruppe, welche die offizielle Qualifikationsweite von 61 Meter übertraf. «Es war noch nicht der perfekte Wurf», sagte Hügli und macht damit Hoffnungen auf den Final.

12:25 Uhr

Freitag, 14. August

Schweizer Staffel über 4x400 m im Final

Haydn Brotschi übergibt den Staffelstab an Schlussläufer Lionel Spitz.
Bild: CYRIL ZINGARO

Hundertstelsekunden-Glück für die Schweizer Staffel mit Dany Brand, Ricky Petrucciani, Haydn Brotschi und Lionel Spitz im Vorlauf über 4x400 m. Die Schweiz kam im ersten Halbfinal knapp hinter Ungarn auf Position 5 - musste also für eine Finalteilnahme auf die Zeit hoffen. Diese war mit 3:01,31 Sekunden gut, nahe am nationalen Rekord. Im zweiten Vorlauf wird es an der Spitze eng. Am Schluss reicht die Leistung der Schweizer um zwei Hundertstelsekunden im Vergleich zur polnischen Staffel. Somit wird man das Schweizer Quartett am Sonntagabend nochmals im Einsatz sehen.

12:06 Uhr

Freitag, 14. August

Das Erfolgsrezept von Europameisterin Angelica Moser

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11:45 Uhr

Freitag, 14. August

Siebenkämpferin Annik Kälin schneller als die Spezialistinnen

Annik Kälin mit perfektem Start in den EM-Siebenkampf.
Bild: Claudio Thoma

Grandioser Start für die Jahresweltbeste Annik Kälin in den EM-Siebenkampf. Die Bündnerin läuft in ihrer Spezialdisziplin so schnell wie noch nie und gewinnt überlegen mit einer Zeit von 12,59 Sekunden. Das ist schneller als Europameisterin Nadine Visser im Final der Spezialistinnen (12,67). Allerdings profitierte die Schweizerin von einer grossen Windunterstützung von +3,3 m/s. So zählen zwar die Punkte für die Siebenkampf-Wertung, die 12,59 werden aber nicht als neue persönliche Bestleistung im Hürdensprint gewertet. Diese bleibt für Annik Kälin bei 12,60 - gelaufen vor zwei Wochen an den Schweizer Meisterschaften. So schnell wie Kälin war in diesem Jahr auch Weltmeisterin Ditaji Kambundji noch nicht.

01:12 Uhr

Freitag, 14. August

Angelica Mosers brillante Titelverteidigung

Es war eine Machtdemonstration. Angelica Moser liess an diesem schwülwarmen Sommerabend in Birmingham keinen Zweifel daran, wer Europas beste Stabhochspringerin ist. Ihre Serie: Anfangshöhe 4,45 m im ersten Versuch, 4,60 m im ersten Versuch, 4,70 m im ersten Versuch, 4,75 m im ersten Versuch und auch die Siegerhöhe von 4,80 m im ersten Versuch.

Angelica Mosers Jubel über die Titelverteidigung der EM-Goldmedaille.
Bild: Cyril Zingaro / Keystone

Während sich eine Konkurrentin nach der anderen verabschiedete, zog die 28-jährige Zürcherin ihre Kreise im eigenen Universum. «Es ist wunderbar, das mit meiner Familie, meinen Freunden und all den Fans erleben zu dürfen», sagte die zweifache Europameisterin nach ihrem Sieg.

Angelica Moser hat den Ruf, immer dann am stärksten zu sein, wenn es um alles oder nichts geht. Moser selbst sagt, sie liebe den Druck im Wettkampf. Die Zürcher Unterländerin gewann bereits als Juniorin sämtliche internationale Nachwuchstitel. Bei der Elite gab es EM-Gold 2024 in Rom und in der Halle 2025 in Apeldoorn.

Doch Angelica Moser wurde in ihrer Karriere auch von Tiefs geprägt. Sportliche bei Olympia – 2021 mit dem Scheitern in der Qualifikation und 2024 in Paris mit Platz 4 - und persönliche mit dem Outing einer jahrelangen Essstörung 2020 sowie einem schweren Trainingsunfall 2021. Auch all diese Erfahrungen machten Moser letztlich zu einer besseren Athletin.

Die einzige Aufregung gab es in Birmingham vor dem Start zum Wettkampf. Wegen eines ausgebrannten Busses auf dem Anfahrtsweg ins Stadion kamen einige Athletinnen mit Verspätung an und der Beginn des Stabhochspringens musste um 30 Minuten verschoben werden. Doch davon liess sich Angelica Moser nicht stoppen. Auch sie war an diesem Abend «on fire».

23:05 Uhr

Donnerstag, 13. August

Ein vierter Rang auch für Sprinterin Fabienne Hoenke

Fabienne Hoenke läuft in ihrem ersten EM-Final auf Platz 4.
Bild: CYRIL ZINGARO

Die Serie von vierten Plätzen der Schweizer Sprinterinnen an der EM geht weiter. Nach Géraldine Di Tizio-Frey und Ditaji Kambundji läuft auch Fabienne Hoenke über 200 m auf diesen undankbaren Platz. Allerdings fehlt bei der 22-jährigen Aargauerin einiges bis zu den Podestplätzen, genau genommen 26 Hundertstelsekunden.

Die 200 m sind so etwas wie die Distanz der Schweizer Sprinterinnen und Sprinter. Mit Mujinga Kambundji und Timothé Mumenthaler stellen sie die Europameister von 2024. Der Genfer Mumenthaler hat mit einer starken persönlichen Bestzeit im Halbfinal seine Ambitionen zur Titelverteidigung am Freitagabend unterstrichen.

Dass Mujinga Kambundjis Serie von zwei Goldmedaillen in Serie reissen würde, war schon vor dem Final der Frauen klar. Aber das musste noch nicht das Ende des Schweizer Erfolgswegs bedeuten. Der erst 22-jährigen Fabienne Hoenke wurde aufgrund ihrer Leistung im Halbfinal viel zugetraut. Enttäuscht hat Fabienne Hoenke im ersten grossen Final ihrer Karriere nicht, doch eine Medaille war dann doch noch eine Schuhnummer zu gross. Allerdings ist es kein Abstand zum Podest, welcher der Fricktalerin Angst machen müsste. Platz 4 in starken 22,55 sind eine Ansage und ein Versprechen für die Zukunft. Gewonnen wird das Rennen von der grossen Favoritin Amy Hunt, die bereits über 100 m Gold holte.

22:30 Uhr

Donnerstag, 13. August

Andrin Huber beendet tollen EM-Wettkampf auf Platz 9

In Götzis vor drei Monaten humpelte er noch über den Platz, sprang im Weitsprung mit dem falschen Bein ab, machte ein leidendes Gesicht. Die Nachwehen der Knieoperation behinderten Zehnkämpfer Andrin Huber sichtlich. In Birmingham präsentierte sich das Schweizer Mehrkampftalent, der Trainingspartner von Simon Ehammer, in einer ganz anderen Verfassung. Mit dem zweitbesten Zehnkampf seiner Karriere und 8137 Punkten landet er an den Europameisterschaften auf Platz 9.

Andrin Huber läuft im 1500-m-Lauf vor Leon Krummenacher.
Bild: CYRIL ZINGARO

Auch der abschliessende 1500-m-Lauf des 22-Jährigen war Extraklasse. Nur zwei Athleten waren schneller als der St. Galler, der die Leidensdisziplin der Mehrkämpfer in 4:20,61 zurücklegte - noch knapp schneller als der EM-Zweite Niklas Kaul aus Deutschland.

Kaul gab alles, um an der Spitze des Klassements seinen Landsmann und amtierenden Weltmeister Leo Neugebauer noch abzufangen. Am Ende fehlten knapp zwei Sekunden. Neugebauer quälte sich mit den letzten Kraftreserven torkelnd über die Ziellinie. Zehn Meter mehr hätte er nicht geschafft. Platz 3 ging an den norwegischen Ehammer-Rivalen Sander Skotheim, der allerdings aus einer Verletzung zurückkam.

Auch für die beiden weiteren Schweizer EM-Teilnehmer bot der 1500-m-Lauf einen versöhnlichen Abschluss. Der Nidwaldner Nino Portmann verpasste seine persönliche Bestzeit in 4:36,82 nur um zwölf Hundertstel und wurde in der Gesamtwertung 14. Youngster Leon Krummenacher zeigte einen starken zweiten Tag, lief in 4:29,89 klare neue Bestzeit und arbeitete sich als 19. noch etwas nach vorne. Der 20-jährige Obwaldner ist wie Huber ein Versprechen für die Zukunft.

21:23 Uhr

Donnerstag, 13. August

Schweizer Podestsprinter wieder im Final

Zharnel Hughes und Timothé Mumenthaler, die beiden Schnellsten in ihrem Lauf, markieren sich kurz vor dem Ziel gegenseitig.
Bild: ADAM VAUGHAN

Sie waren die grosse Überraschung der EM 2024 in Rom: die Schweizer Sprinter Timothé Mumenthaler und William Reais holten Gold und Silber. Und das Duo ist auch in Birmingham mit grossem Elan unterwegs. Vor allem der Genfer Mumenthaler steigerte sich im Vergleich zu den bisherigen Auftritten in dieser Saison massiv. Der 23-Jährige lief eine persönliche Bestzeit von 20,09 und konnte es sich trotzdem erlauben, auf den letzten Metern noch ein wenig Tempo herauszunehmen. Zum Schweizer Rekord des inzwischen dopinggesperrten Alex Wilson aus dem Jahr 2019 fehlen nun noch elf Hundertstelsekunden. Er starte im Final, um diesen zu gewinnen, sagte der Titelverteidiger nach der Machtdemonstration mit geschwellter Brust.

William Reais schafft den Finaleinzug als Zweiter seiner Serie.
Bild: ADAM VAUGHAN

Auch der Bündner William Reais, der Kollege Mumenthaler vor zwei Wochen an der Schweizer Meisterschaft über 100 m und 200 m noch zweimal bezwingen konnte, durfte nach seinem Halbfinal nach vorne blicken: «Jetzt freuen wir uns auf eine Magic Night morgen Freitag», sagte der in Bern bei Kambundji-Trainer Florian Clivaz trainierende Bündner. Auch er wurde in seinem Heat Zweiter, was die direkte Finalqualifikation bedeutete. Zwar nicht ganz so schnell wie Timothé Mumenthaler, aber mit 20,35 doch auch so schnell wie noch nie in diesem Jahr.

21:04 Uhr

Donnerstag, 13. August

Starkes Speerwerfen von Mehrkämpfer Huber

Andrin Hubers Topplatz an der EM wird realistischer. Der 22-Jährige wirft den Speer im letzten Versuch auf 60,11 m und bleibt damit nur 39 Zentimeter hinter seiner Bestleistung zurück. Etwas weniger gut läuft es Nino Portmann und Leon Krummenacher. Beide haben den Speer in diesem Jahr ebenfalls bereits über 60 Meter weit geworfen - nicht aber an der EM. Leon Krummenacher bricht die neunte Disziplin nach nur einem Versuch auf 56,63 m wegen Ellbogenbeschwerden ab. Nino Portmann müht sich ebenfalls in ähnlichen Weiten ab und notiert letztlich 56,26 m.

19:26 Uhr

Donnerstag, 13. August

Andrin Huber mit Top-10-Platz vor Augen

Vor den zwei letzten Disziplinen im Zehnkampf liegt Andrin Huber weiterhin vielversprechend im Rennen. Zwar verschenkte der 22-Jährige im Stabhochsprung mit übersprungenen 4,60 m 30 Zentimeter im Vergleich zu seiner besten Leistung des Jahres. Der. St. Galler bleibt aber vor dem Speerwerfen und dem 1500-m-Lauf in Tuchfühlung zu einem Top-10-Platz.

Leon Krummenacher feiert seinen 5-Meter-Sprung bereits in der Luft.
Bild: TOLGA AKMEN

Nino Portmann egalisierte zwar mit dem Stab seine persönliche Bestleistung, seine Paradedisziplin ist es aber definitiv nicht. Mit übersprungenen 4,40 m war der Nidwaldner der schwächste der verbleibenden 20 Mehrkämpfer im Stabhochspringen.

Trotz seines jugendlichen Alters bereits zu den Besten dieser Sparte gehört der 20-jährige Obwaldner Leon Krummenacher. Nur ein EM-Teilnehmer sprang höher als er. Mit 5,00 m egalisierte auch er seinen persönlichen Bestwert.

19:17 Uhr

Donnerstag, 13. August

Schweizer Speerwurf-Duo verpasst Final

Simon Wieland winkt nach einem Versuch in der Speerwurf-Qualifikation enttäuscht ab.
Bild: CYRIL ZINGARO

Kein Exploit für den Berner Simon Wieland und den Waadtländer Franck di Sanza in der Qualifikation. Die beiden Schweizer belegten letztlich die Ränge 23 (Wieland) und 28 (di Sanza). 82 Meter waren für die sichere Qualifikation für den Final gefragt gewesen, letztlich reichten knapp 79 Meter, um einen der 12 Plätze zu ergattern. Der Schweizer Rekordhalter Wieland hat den Speer in dieser Saison bereits über 80 Meter geworfen. In Birming wollte dem 25-Jährigen solches nicht gelingen, sein bester Versuch landete bei 76,05 m. Für den neun Monate älteren Franck di Sanza war es die erste EM-Teilnahme. Er hat noch keinen 80-Meter-Wurf in seinem Palmarès, aber auch der Athlet aus Nyon kann mehr als die 72,61 m, die für ihn in Birmingham zu Buche stehen.

15:00 Uhr

Donnerstag, 13. August

Schweizer Steeple-Läufer Liebl verpasst Final knapp

Mit zwei hoffnungsvollen Lauftalenten war die Schweiz in den Vorläufen über 3000 m Steeple vertreten. Sowohl der 21-jährige Berner Aarno Liebl wie der ein Jahr ältere Zürcher Camilo Irarragorri sammelten bei ihrem ersten EM-Auftritt wertvolle Erfahrungen und verpassten den Finaleinzug. Beim Seeländer Liebl, der bei Sandra Gasser in Bern trainiert und in diesem Jahr bereits einen neuen Schweizer U23-Rekord aufgestellt hatte, war die Entscheidung aber knapp. Liebl kam in 8:42,01 als Neunter ins Ziel. Rang 8 hätte für den Final gerreicht.

Camilo Irarragorri, seit 2023 als Profisportler unterwegs und wie Liebl mit Potenzial auf verschiedenen Strecken, kam hingegen nie in eine Position, in welcher er von einem Exploit träumen konnte. Das wechselnde Tempo in seiner Serie kam ihm nicht entgegen.

13:43 Uhr

Donnerstag, 13. August

Gold-Hoffnung Audrey Werro: «Ich weiss nicht, was passiert ist»

Audrey Werro stürzt im Halbfinal - doch die Finalqualifikation steht dennoch fest.
Bild: Jürg Oegerli

Glück im Unglück für Audrey Werro: Die Gold-Kandidatin über 800 m stürzte im Halbfinal, steht nach einem Juryentscheid aber dennoch im Final. Offensichtlich wurde die Westschweizerin bei ihrem Sturz von einer Gegnerin aus dem Gleichgewicht gebracht, womit ihr der Finalplatz nachträglich zugestanden wird. Swiss Athletics hatte nach dem Rennen Protest eingelegt.

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Im Halbfinal war Werro in der letzten Kurve vor der Zielgeraden in Führung gelegen, als sie stürzte. Die 22-Jährige blieb zunächst lange liegen, rappelte sich dann aber auf und brachte das Rennen noch zu Ende. Dass sie auch die letzten 100 Meter absolvierte, war entscheidend – wäre sie nicht ins Ziel gelaufen, wäre eine nachträgliche Finalqualifikation nicht möglich gewesen.

«Ich weiss nicht, was passiert ist», sagte Werro gegenüber SRF. Körperlich gehe es ihr gut, sagte die Freiburgerin, sie habe vom Sturz einige Schürfungen erlitten.

Auch die Litauerin Gabija Galvydyte war in jener Situation gestürzt, auch ihr wird ein Finalplatz zugestanden.

Im Final vom Freitag werden damit zehn Läuferinnen am Start stehen, nebst Werro zwei weitere Schweizerinnen: Veronica Vancardo, die im gleichen Halbfinal wie Werro unterwegs gewesen war, schaffte es als Dritte in den Final. Valentina Rosamilia qualifizierte sich im zweiten Halbfinal über die Zeit für den Final.

12:58 Uhr

Donnerstag, 13. August

Andrin Huber bester Schweizer Zehnkämpfer mit dem Diskus

Für den St. Galler Andrin Huber wurde das Diskuswerfen zur Nervenprobe. Nach einem sehr schwachen ersten und einem ungültigen zweiten Versuch musste der St. Galler mit dem dritten Wurf liefern, um den bisherigen sehr soliden Verlauf seines Wettkampfs aufrechtzuerhalten. Und Huber lieferte mit maximalem Druck ab. Sein Versuch von 43,39 m war nur zwölf Zentimeter unter der Saisonbestleistung. Damit war Huber knapp der Beste der drei Schweizer.

Mit einer Weite von 43,34 m war auch Leon Krummenachers Diskuswerfen solid. Allerdings warf der 20-jährige Mehrkämpfer die flache Scheibe in diesem Jahr bereits auf 47,58 m. Unter seinen Möglichkeiten zurück blieb auch Nino Portmann. Er verzeichnete gleich zwei ungültige Versuche und verpasste die beste Weite des Jahres mit seinem Wurf auf 41,13 um mehr als fünf Meter. Im Zwischenklassement überholte Andrin Huber damit seinen Innerschweizer Teamkollegen Nino Portmann.

12:23 Uhr

Donnerstag, 13. August

Felix Svensson im Vorlauf chancenlos

Für Felix Svensson, den Westschweizer schwedischer Herkunft, ist das EM-Abenteuer bereits nach dem Vorlauf zu Ende. Der 29-Jährige mit einer persönlichen Bestzeit von 20,30 Sekunden lief lediglich eine Zeit von 21,33 und hatte damit keine Chance, einen der 13 Plätze in den Halbfinals vom Abend zu ergattern. Dort steigen dann auch Titelverteidiger Timothé Mumenthaler und William Reais ins Rennen. Ein Grund für die schwache Zeit von Svensson lag zweifellos auch an den Bedingungen. Seine Serie musste gegen einen Gegenwind von 3,4 m/s ankämpfen, während bei den beiden anderen Rennen der Wind nur ganz leicht bliess.

Felix Svensson bringt eine aussergewöhnliche Vita mit. Bereits seine Eltern waren internationale Topsportler. Vater Jonas stand als Tennisspieler zweimal in den Halbfinals der French Open und schaffte es in der Weltrangliste in die Top 10. Mutter Frida qualifizierte sich bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona für die Halbfinals über 400 m Hürden.

Felix Svensson ist schwedischer Herkunft und startet seit 2022 für die Schweiz.
Bild: Bild URS FLUEELER

Felix Svensson, der von Kindesbeinen an in der Westschweiz lebte, wurde noch 2018 schwedischer Meister über 200 m. Weil er sich dann für einen Nationenwechsel hin zur Schweiz entschied, durfte er ab 2019 während drei Jahren keine internationalen Wettkämpfe bestreiten. Seit 2022 ist er für Swiss Athletics unterwegs und repräsentierte die Schweiz seither stets an den Europameisterschaften.

11:52 Uhr

Donnerstag, 13. August

Zehnkämpfer Portmann und Huber machen Boden gut

Mit der zweitbesten und drittbesten Leistung im Feld der Zehnkämpfer über 110 m Hürden verbessern sich Andrin Huber und Nino Portmann im Zwischenklassement auf die Ränge 7 (Portmann), respektive 10 (Huber).

Leon Krummenacher darf über 110 m Hürden direkt neben Weltmeister Leo Neugebauer starten - und schlägt den Führenden des Zwischenklassements.
Bild: Petr David Josek

Der 22-jährige U23-Europameister Andrin Huber verpasst trotz starkem Gegenwind und nicht allzu schneller Bahn mit 14,29 seine persönliche Bestleistung nur um 17 Hundertstelsekunden. Nino Portmann verliert eine knappe halbe Sekunde auf seine in diesem Jahr aufgestellte Bestzeit. Auch der erst 20-jährige Obwaldner Leon Krummenacher hält sich mit 14,87 im Vergleich zu seinem Potenzial gut.

11:33 Uhr

Donnerstag, 13. August

Ein Gefühl wie auf dem Meer

Wer in Birmingham ein Hotelzimmer in einem oberen Stock hat, der wird frühmorgens regelmässig von Möwengeschrei geweckt. Man wähnt sich dann beinahe wie auf einer Kreuzfahrt oder zumindest irgendwo am Strand. Auf der morgendlichen Joggingrunde kann es sogar vorkommen, dass eine Hundertschaft von Möwen am Himmel für ein optisches und akustisches Spektakel sorgt. Erinnerungen an «Die Vögel» von Alfred Hitchcock werden wach.

Aber wieso hat es in einer Stadt, die Luftlinie 100 Kilometer vom Meer entfernt ist, derart viele Seevögel? Es ist ein Phänomen, das in Grossbritannien seit vielen Jahren beobachtet wird. Die Möwenpopulation in den Städten nimmt kontinuierlich zu. In Birmingham ist neben dem grossen Abfallproblem die Fülle an flachen Industriedächern als optimale Brutplätze ein Grund. Da die Tiere per Gesetz einen hohen Schutzstatus geniessen, muss die Stadtverwaltung mit sanften Mittel gegen die Möwen vorgehen. Dazu gehört die Abwehr mit Lasern, Greifvogelgeräuschen und Drahtgeflächten auf den Flachdächern. So richtig zu funktionieren scheint es nicht. Die Rufe der Möwen in Birmingham bleiben nicht zu überhören.

23:48 Uhr

Mittwoch, 12. August

Jason Josephs grösster Sieg der Karriere

Jason Joseph kann alles, aber er zeigt es zu selten. Dieses Fazit hat der 27-Jährige erstmals in einem grossen Final über 110 m Hürden über den Haufen geworfen. Der Baselbieter zeigt die beste Leistung der Saison und holt sich in starken 13,12 den Europameistertitel. In Tokio an der WM stoppte Joseph an der WM vor der ersten Hürde. In Birmingham zog er voll durch und liess der Konkurrenz keine Chance.

Der EM-Dritte von Rom war vor den Titelkämpfen erstaunlich zurückhaltend und ruhig. Er sagte, er warte noch auf den Wow-Moment in diesem Sommer. Nun ist er gekommen. Es ist ein grosser Sieg für einen ungewöhnlichen Sportler. Es ist aber auch ein grosses Zeichen an all jene, die ihm nicht das Nervenkostüm für bedeutende Siege zurechneten. In diesem einen Lauf hat Joseph alle Kritiker Lügen gestraft.

23:06 Uhr

Mittwoch, 12. August

Zehnkämpfer Andrin Huber und Nino Portmann machen Freude

Im abschliessenden 400-m-Rennen am ersten Tag des EM-Zehnkampfs überzeugen alle drei Schweizer Starter. Nino Portmann (48,06) und Andrin Huber (48,11) gelingen Saisonbestzeiten. Sie belegen in der Disziplinenwertung die Ränge 6 und 8. Der erst 20-jährige Leon Krummenacher läuft sogar persönliche Bestzeit (50,30).

Der Nidwaldner Portmann und der St. Galler Huber haben über den ganzen Tag sehr solide und konstante Leistungen ohne Abschiffer abgeliefert. Sie belegen im Zwischenklassement die Ränge 12 und 14 - mit intakten Chancen auf neue persönliche Zehnkampf-Bestleistungen.

Auch an der Spitze des Klassements ist es enorm spannend. Die grossen Favoriten liegen auf den ersten sechs Rängen, da aber jeder Spitzenathlet seine Höhen und Tiefen durchlebte, kommen nach wie vor alle für die Medaillenränge in Frage. In Führung liegt Weltmeister Leo Neugebauer vor dem überraschenden Niederländer Jeff Tesselaar und dem Norweger Sander Skotheim. Dahinter folgen der französische Geheimfavorit Makenson Gletty vor Titelverteidiger Johannes Erm aus Estland und dem «Grossmeister des zweiten Tages» Niklas Kaul aus Deutschland.

22:27 Uhr

Mittwoch, 12. August

Fabienne Hoenke im Final, Mujinga Kambundji chancenlos

Mujinga Kambundji etwas ratlos nach ihrem Einsatz an der EM.
Bild: CYRIL ZINGARO

Sie wirkte beinahe ein wenig zerknirscht. Dass sie der Konkurrenz im EM-Halbfinal über 200 m derart hinterherlaufen würde, hat Mujinga Kambundji wohl nicht vorausgesehen. Selbst wenn es der Titelverteidigerin klar gewesen ist, dass sie gut acht Monate nach der Geburt von Sohn Léon in Birmingham nicht auf ihrem besten Niveau wird antreten können.

Fabienne Hoenke will auch im Final wie im Halbfinal bis zum Schluss die Lockerheit im Lauf behalten.
Bild: Petr David Josek

Die 34-Jährige sprach dann auch von einer Differenz zwischen rationalem und emotionalem Empfinden. Trotz eines guten Trainings vor einigen Tagen sei ihr Start im EM-Halbfinal selbst für sie wie das Öffnen einer Wundertüte gewesen. Sie sei eigentlich ohne Plan, was geht, am Start gestanden. «Dass nach der Kurve gar nichts mehr kam», sei aber doch ziemlich ernüchternd gewesen. «Mental war es schwierig, denn obwohl mein Auftritt rational erklärbar ist und ich wusste, dass ich nicht auf meinem Toplevel laufen werde, ist das Empfinden emotional ein anderes. Ich bin es mir nicht gewohnt, derart auf einem anderen Niveau zu sein als meine Gegnerinnen. Dies auf der Bahn zu spüren, war sehr speziell.» Letztlich stoppte die Uhr bei 23,81 – der langsamsten Zeit der Halbfinalistinnen.

Jetzt will die Schweizer Rekordhalterin (22,05) in den kommenden Wochen unbedingt noch einige Rennen bestreiten, um den Körper wieder an dieses Wettkampfgefühl zu gewöhnen. «Man kann ein Rennen im Training nun mal nicht simulieren», sagte Mujinga Kambundji.

Unmittelbar nach Mujinga Kambundji kam Fabienne Hoenke ins Medienzelt zum Interview. Die 22-jährige Aargauerin symbolisiert so etwas wie den Generationenwechsel im Sprint. Soeben lief die Fricktalerin mit 22,46 den schnellsten 200-m-Lauf ihrer Karriere, verbesserte zum dritten Mal den Schweizer U23-Rekord und qualifizierte sich sensationell als drittschnellste aller Halbfinalistinnen für den EM-Final vom Donnerstaabend.

Hoenke hatte diesen U23-Rekord zu Beginn der Saison einer gewissen Mujinga Kambundji entrissen. Ob sie nun vor ihrem ersten grossen Final bei der Titelverteidigerin den einen oder anderen Tipp abholen werde, wurde Hoenke gefragt. Ihre Antwort: «Jeder muss seinen eigenen Weg gehen.» Ihrer besteht unter anderem in der kontinuierlichen Zusammenarbeit mit einer Mentaltrainerin. Es sei ein sehr wichtiger Teil, dass der Kopf stimmt. «In einem Final haben alle das Potenzial, um auf das Podest zu laufen. Da kann am Schluss der Kopf ein Unterschied machen.» So zurückhaltend, ja fast schüchtern die 22-Jährige als Menschwirkt, so verblüffend stark ist sie als Athletin psychisch und energetisch. Fabienne Hoenkes Stehvermögen im EM-Halbfinal war ausserordentlich. Ihre Antwort, auf die Frage nach der Medaillenchance im Final ist es auch: «Es ist ein Privileg für mich, mit so starken Gegnerinnen laufen zu können».

21:20 Uhr

Mittwoch, 12. August

Jason Joseph gewinnt seinen Halbfinal

Hürdensprinter Jason Joseph wird wie vor zwei Jahren um die EM-Medaillen laufen. Der Baselbieter gewann seinen Halbfinal in 13,38. Im Rennen wurde Joseph vom Sturz des starken Belgiers Elie Bacari auf der Bahn neben ihm irritiert und leicht eingebremst. Der Schweizer startet um 22.47 Uhr mit der sechstbesten Zeit der Finalisten in die Medaillenentscheidung. Die Schnellsten in den Halbfinals waren der Pole Jakub Szymanski und der Brite Samuel Bennett mit jeweils 13,26.

Ebenfalls schnell unterwegs war der Luzerner Fabio Küchler. Der 22-Jährige war am Vortag in den Vorläufen eigentlich ausgeschieden, rutschte aber als erster Ersatzmann kurzfristig nach. Erst um 17 Uhr erfuhr er von seinem Glück. Küchler nutzte die Gunst der Stunde und stürmte in 13,66 Sekunden ins Ziel. Schneller war er in seiner Karriere nur einmal.

21:07 Uhr

Mittwoch, 12. August

Andrin Huber mit Saisonbestwert im Hochsprung

Leichter Rückschlag für Zehnkämpfer Nino Portmann im Hochsprung. Der Nidwaldner, nach drei Disziplinen auf Platz 6 des Zwischenklassements, hat in diesem Jahr bereits 1,94 m übersprungen. Im EM-Wettkampf gelingt ihm dies deutlich nicht. Nach übersprungenen 1,87 m ist bei ihm Feierabend. Nach der gleichen Höhe bricht Leon Krummenacher den Hochsprung freiwillig ab. Der junge Obwaldner klagt über Schmerzen in den Füssen.

Besser macht es Andrin Huber. Der St. Galler liefert bisher einen Zehnkampf wie ein Schweizer Uhrwerk ab – Zuverlässigkeit in Perfektion. Praktisch in allen Disziplinen ruft der 22-Jährige sein aktuelles Leistungsvermögen ab. Im Hochsprung schafft er mit 1,96 m sogar eine neue Saisonbestleistung. Zwar sprang Huber in seiner Karriere bereits dreimal über 2 Meter, aber das war vor seiner Knieoperation. Auf der Höhe von 1,99 m scheitert der Schweizer Meister dreimal sehr knapp.

20:27 Uhr

Mittwoch, 12. August

Jason Joseph - auch vor der WM ein wenig eine Wundertüte

Top oder Flop: Jason Joseph bleibt ein spannender Athlet:

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14:25 Uhr

Mittwoch, 12. August

Portmann und Huber im Zehnkampf gut unterwegs

Die Schweizer Zehnkämpfer zeigen in den ersten drei Disziplinen einen guten EM-Zehnkampf. Andrin Huber war im Kugelstossen mit einer Weite von 14,62 m der Beste des Trios. Damit bestätigt der 22-jährige St. Galler auch in dieser Disziplin sein aktuelles Leistungsvermögen. Im Zwischenklassement liegt Huber auf Position 15.

Mit einem Stoss auf genau 14 Meter bleibt Nino Portmann zwar rund 80 Zentimeter hinter seiner Saisonbestleistung, die gleichzeitig PB ist, zurück. Trotzdem hält sich der Schnellste des 100-m-Laufs nach drei Disziplinen im Klassement weiterhin auf dem ausgezeichneten sechsten Rang.

Angeführt wird das Klassement vom deutschen Weltmeister Leo Neugebauer. Er stiess die Kugel auf 17,13 m und damit soweit, wie noch nie ein Zehnkämpfer an einer Europameisterschaft. Der Niederländer Jeff Tesselaar und der Norweger Sander Skotheim folgen mit einem Respektsabstand auf den Positionen 2 und 3.

Weiterhin Lehrgeld bezahlt der junge Obwaldner Leon Krummenacher. Der 20-Jährige blieb mit 13,47 m hinter seiner aktuellen Bestweite zurück. Er belegt aktuell den 24. und damit letzten Platz in der Zwischenwertung. Weiter geht es am Abend mit dem Hochsprung.

14:11 Uhr

Mittwoch, 12. August

Dany Brand egalisiert seine Bestleistung

Dany Brand darf sich über einen gelungenen EM-Auftritt freuen.
Bild: CYRIL ZINGARO

Dass die Finalqualifikation für 400-m-Hürdenläufer Dany Brand keine realistische Vorgabe ist, war bereits vor den Halbfinals klar. Der 30-jährige Zürcher holte beim ersten Karriere-Auftritt an einem EM-Halbfinal aber ein Maximum heraus. Brand egalisierte als Vierter seiner Serie mit 48,96 Sekunden die eigene persönliche Bestleistung. Es sind die stärksten Leistungen des Schweizer Athleten seit fünf Jahren und damit ein vollauf gelungener EM-Abstecher. In dieser Form ist Dany Brand zweifellos auch ein Kandidat für die Schweizer 4x100-m-Staffel.

13:24 Uhr

Mittwoch, 12. August

Nino Portmann auch im Weitsprung stark

Der Zehnkampf der Männer läuft zumindest für zwei Schweizer gut. Andrin Huber macht nach seiner Knieoperation im Weitsprung einen Schritt nach vorne und überspringt erstmals in dieser Saison die 7-m-Marke. Mit einer Weite von 7,06 m fliegt der 22-Jährige trotz Gegenwind nur 28 Zentimeter kürzer als bei seinem bislang besten Weitsprung.

Andrin Huber sprang an der EM erstmals seit seiner Knie-Operation wieder über 7 Meter.
Bild: CYRIL ZINGARO

Noch besser läuft es für Nino Portmann. Zwar verliert der 26-Jährige die Führung in der Zwischenwertung an Weltmeister Leo Neugebauer (7,82 m), bei seinem Sprung im dritten Versuch auf 7,43 m kommt er seiner persönlichen Bestleistung aber nahe und belegt nach zwei Disziplinen Platz 4. Weniger gut läuft es Leon Krummenacher. Der 20-jährige Obwaldner landet bereits bei 6,50 m. Kürzer war nur noch der Ungare Galap.

12:54 Uhr

Mittwoch, 12. August

Caligiuri schafft es in die Halbfinals

Iris Caligiuri darf sich über den Einzug in die Halbfinals über 200 m freuen.
Bild: CYRIL ZINGARO

Positive Überraschung für EM-Neuling Iris Caligiuri. Die 23-jährige Sprinterin überstand mit ihrer Zeit von 23,39 die Vorrunde über 200 m. Als Zwölfte rutschte die Freiburgerin gerade noch als letzte Athletin in die Halbfinals – mit einer Marge von zwei Hundertstelsekunden.

12:30 Uhr

Mittwoch, 12. August

Roland trotz guter Leistung ausgeschieden

Eine ausgepumpte Mélanie Roland nach ihrem Einsatz über 400 m.
Bild: Daniela Porcelli/freshfocus

Der EM-Auftritt von Mélanie Roland, die als französisch-schweizerische Doppelbürgerin zum ersten Mal im Dress von Swiss Athletics am Start stand, ist punkto Leistung gelungen. Die 27-Jährige, die in den USA studiert, lief im 400-m-Vorlauf mit 52,35 die drittschnellste Zeit ihrer Karriere (persönliche Bestzeit 52,15) und die schnellste ausserhalb der USA. Trotzdem war sie um sieben Hundertstelsekunden zu langsam, um sich für die Halbfinals zu qualifizieren. Ihre Leistung reichte zu Gesamtrang 14 in den Vorläufen.

11:52 Uhr

Mittwoch, 12. August

Nino Portmann führt Zehnkampf nach 100-m-Lauf an

Formidabler Schweizer Start in den EM-Zehnkampf auch ohne den Jahresweltbesten Simon Ehammer. Der 26-jährige Nidwaldner Nino Portmann war der schnellste aller 25 Teilnehmer. Er absolvierte die 100 m in 10,69 Sekunden. Ebenfalls zufrieden mit seinem Auftritt darf Andrin Huber sein. Der St. Galler hatte das Pech, dass bei seinem Start ein starker Gegenwind von 2,1 m/s herrschte. Entsprechend hoch ist seine Zeit von 10,98 – nur 16 Hundertstel über seiner persönlichen Bestzeit – einzuschätzen.

Nino Portmann (Mitte) gewinnt den 100-m-Lauf zum Auftakt des EM-Zehnkampfs.
Bild: TOLGA AKMEN

Auch der 22-jährige Obwaldner EM-Neuling Leon Krummenacher darf mit seinem ersten Einsatz zufrieden sein. Er verpasste seine beste Leistung des Jahres trotz Gegenwind mit seiner Zeit von 11,36 lediglich um zwei Hundertstelsekunden. Als nächste Disziplin folgt im Zehnkampf der Weitsprung.

11:43 Uhr

Mittwoch, 12. August

Eine Liebeserklärung an Birmingham

Matthew Hudson-Smith ist so etwas wie der rennende Gastgeber dieser EM. Der 31-Jährige hat im EM-Stadion mit Leichtathletik begonnen und ist in der Umgebung der Stadt aufgewachsen. Der 400-m-Läufer holte seine erste internationale Medaille 2014 an den Europameisterschaften in Zürich. 2018 in Berlin und 2022 in München gewann er EM-Gold. Den grössten Erfolg feierte Hudson-Smith aber vor zwei Jahren bei den Olympischen Spielen in Paris mit Silber.

Lokalmatador Matthew Hudson-Smith.
Bild: Martin Rickett

In Birmingham wurde er aufgefordert, die Vorzüge seiner Stadt zu schildern. Dies machte Hudson-Smith auf eine charmante Art: «Ich bin hier aufgewachsen, das ist mein Zuhause. Wir haben das beste Curry und die besten Fish and Chips im ganzen Land. Ich würde mich mit jedem anlegen, der etwas anderes behauptet. Wir bekommen wohl die meisten Witze von den Londonern ab und ich würde sagen, sie hassen uns wahrscheinlich, weil wir ihnen die Mädchen weggenommen haben», sagt Hudson-Smith. «Wir sind eine starke Gemeinschaft, eng verbunden, fleissig, schrullig, haben gutes Essen und sehr viel Alkohol. Wenn man die richtigen Leute kennt, hat man hier eine tolle Zeit.»

23.19 Uhr

Dienstag, 11. August

EM-Silber für Simon Ehammer

Simon Ehammer holt im Weitsprung Silber.
Bild: Cyril Zingaro / Keystone

Die erste Medaille ist da. Bei für die Schweiz bislang schwierigen Titelkämpfen in Birmingham setzt Simon Ehammer ein Ausrufezeichen. Der Appenzeller liefert die Saison seines Lebens ab und muss sich an der EM nur dem besten Weitspringer der Gegenwart geschlagen geben.

Miltiadis Tentoglou zeigte zum x-ten Mal, dass er zurückschlagen kann. Nachdem Simon Ehammer auf 8,29 m sprang, landete der nunmehr vierfache Europameister aus Griechenland beim vierten Versuch bei 8,44 m. Wieder einmal zu weit für die Konkurrenz und auch für Ehammer.

Trotzdem darf der Schweizer mehr als zufrieden sein mit seiner Saison. Auf den Weltrekord und WM-Titel im Hallen-Siebenkampf folgte der Sieg in Götzis mit Schweizer Rekorden im Zehnkampf und im Weitsprung, bevor auch ihn eine Zerrung für einige Wochen aus der geplanten EM-Vorbereitung riss. Trotzdem war der 26-Jährige parat, als es zählte, und setzte ein Zeichen für die zuletzt so erfolgsverwöhnte Schweizer Delegation. Der Startschuss zum Feuerwerk ist gezündet.

23:08 Uhr

Dienstag, 11. August

Britischer Doppelsieg im 100-m-Lauf

Romell Glave setzt sich im Sprintfinal in 10,09 durch und kürt sich erstmals zum Europameister. Das britische Publikum konnte dank Jeremiah Azu (10,16) einen Doppelsieg bejubeln. Bronze ging an den umstrittenen Deutschen Owen Ansah. Die deutsche Dopingagentur wirft ihm vor, im Juli eine Dopingprobe verweigert zu haben und will ihn für vier Jahre sperren. Das Verfahren läuft, Ansah ist allerdings vorläufig weiterhin startberechtigt. Sollte er schuldig gesprochen werden, droht ihm die nachträgliche Disqualifikation.

Romell Glave, neu der schnellste Mann Europas.
Bild: TOLGA AKMEN

Der italienische Topfavorit Marcell Jacobs verpasste seinen dritten EM-Titel in Serie. Beim Olympiasieger von Tokio 2021 zwickte es unterwegs wieder einmal in den Beinen. Er belegte in 12,26 nur den 7. Platz, nachdem er seinen Lauf auf halber Strecke abbrechen musste. Noch im Halbfinal war Jacobs mit überzeugender Leichtigkeit als schnellster über die Bahn gesprintet.

22:31 Uhr

Dienstag, 11. August

Ditaji Kambundji verpasst Medaille um zwei Hundertstelsekunden

Die Schweiz ist jetzt auch an der EM auf vierte Plätze spezialisiert. Nach deren vier bei den Olympischen Spielen in Paris notiert Swiss Athletics nun am zweiten Finaltag in Birmingham nach Géraldine Di Tizio-Frey mit Weltmeisterin Ditaji Kambundji über 100 m Hürden bereits den zweiten undankbaren Platz neben dem Podium. Wie bei Sprinterin Frey, fehlte bei der Bernerin nur ein Wimpernschlag. Kambundji verpasste Bronze um zwei Hunderstelsekunden. Die Zeit von 12,75 ist für sie sehr bescheiden und zweifellos der langen Verletzungspause geschuldet. Neue Europameisterin wurde die Niederländerin Nadine Visser in 12,67.

Pia Skrzyszowska

22:17 Uhr

Dienstag, 11. August

Angelica Moser problemlos im Stabhochsprung-Final

Weil insgesamt nur sieben Athletinnen in der Qualifikation des Stabhochsprung-Wettkampfs die Höhe von 4,50 m erfolgreich überquerten, kam die eigentliche Qualifikationshöhe von 4,55 m gar nicht zur Anwendung. Titelverteidigerin Angelica Moser tat dies als eine von nur drei Springerinnen im ersten Versuch. Neben ihr brauchten nur noch Altmeisterin Aikaterini Stefanidi aus Griechenland und die Französin Marie-Julie Bonnin für 4,50 m nur einen Anlauf. Moser hatte ihren einzigen Fehlversuch auf ihrer Anfangshöhe von 4,40 m.

22:11 Uhr

Dienstag, 11. August

Lionel Spitz läuft mutig und egalisiert Saisonbestleistung

Lionel Spitz startet offensiv in seinen EM-Halbfinallauf.
Bild: ADAM VAUGHAN

Letztlich bewegt sich der Zürcher 400-m-Läufer irgendwie stets im Kreis. Dieses Bild mag für seine Disziplin passend sein, in Bezug auf sein Leistungsvermögen würde der 25-Jährige es liebend gern korrigieren. Seit geraumer Zeit versucht Lionel Spitz, die 45-Sekunden-Marke zu knacken. Im EM-Halbfinal begann dieses Vorhaben vielversprechend. Spitz startete mutig und schnell und lag beim Einbiegen auf die Zielgerade auf der Höhe der Führenden. Doch auf den letzten Metern büsste der Schweizer Meister. Seine Zeit: 45,34 - gleich schnell wie beim nationalen Titel vor zwei Wochen in Zürich. Wie gesagt: Irgendwie dreht sich bei ihm alles im Kreis.

21:48 Uhr

Dienstag, 11. August

Timothé Mumenthaler verpasst 100-m-Final

Timothé Mumenthaler ist der zehntschnellste 100-m-Läufer der EM.
Bild: CYRIL ZINGARO

Nicht viel hat gefehlt, und der amtierende 200-m-Europameister Timothé Mumenthaler wäre im Sprintfinal gestanden. Der 23-jährige Genfer lief im Halbfinal bei leichtem Gegenwind eine Zeit von 10,36. Sechs Hundertstelsekunden schneller, und Mumenthaler hätte sich über die Zeit qualifiziert. Bei einer Saisonbestleistung von 10,19 durchaus ein realistisches Szenario. Schnellster im Halbfinal war Titelverteidiger Lamont Marcell Jacobs mit einer Zeit von 10,08.

21:45 Uhr

Dienstag, 11. August

Topfavorit Tentoglou legt vor, Simon Ehammer kontert

Der Weitsprungfinal beginnt spannend und hochstehend. Während Simon Ehammers grosser Gegenspieler, der zweimalige Olympiasieger Miltiadis Tentoglou, im ersten Versuch trotz spürbarem Gegenwind mit 8,27 m eine erste Duftmarke setzte, übertrat der Appenzeller deutlich.

Doch mit seinem zweiten Sprung schlug der Schweizer Rekordhalter (8,51 m) zurück. Er übernahm im ewigen Duell mit dem Jahresweltbesten aus Griechenland die Führung um zwei Zentimeter. Den Sprung auf 8,29 m schaffte Ehammer bei 1,9 m/sec Gegenwind.

21:41 Uhr

Dienstag, 11. August

Lea Bachmann scheidet in der Stab-Qualifikation aus

Der Weg nach Birmingham war für die Basler Stabhochspringerin ein Rennen gegen die Zeit. Ein Anriss der Achillessehne setzte die 30-Jährige bis Mitte Juli ausser Gefecht. Letztlich blieb die Vorbereitungszeit bis zum Saisonhöhepunkt zu kurz. Lea Bachmann übersprang zwar 4,25 m im ersten Versuch, scheiterte danach aber an der Höhe von 4,40 m. Für eine sichere Finalteilnahme wären 4,55 m gefragt gewesen. Weiterhin im Rennen ist Titelverteidigerin Angelica Moser.

20:58 Uhr

Dienstag, 11. August

Ditaji Kambundji muss um Finaleinzug kämpfen

Weltmeisterin Ditaji Kambundji rettet sich gegen Rosina Schneider aus Deutschland (rechts) um zwei Hundertstelsekunden in den Hürdenfinal.
Bild: ADAM VAUGHAN

Die Schweizer Leichtathletik blickte gespannt auf den Halbfinal-Auftritt von Ditaji Kambundji über 100 m Hürden. Ihren letzten Wettkampf hatte die amtierende Weltmeisterin am 31. Mai in Rabat bestritten. Dann zog sie sich beim Aufwärmen zum Diamond-League-Meeting von Paris eine Oberschenkelzerrung zu. Die Folge: eine mehrwöchige Wettkampfpause. Die 24-jährige Bernerin reiste ohne wirkliche Orientierung, wo sie im Vergleich zur Konkurrenz steht, nach Birmingham.

Die Stunde der Wahrheit erlebte sie in den Halbfinals. Und das Comeback ging nicht ohne Zitterpartie über die Bühne. Gegen die europäische Jahresschnellste Nadine Visser aus den Niederlanden war Ditaji Kambundji chancenlos, auch wenn Vissers Zeit von 12,69 hinter dem Saisonbestwert von Kambundji (12,62) zurücklag.

Die Bernerin musste sich auf den letzten Metern gar mächtig strecken, um mit ihrer Zeit von 12,94 die deutsche Athletin Rosina Schneider noch um zwei Hundertstelsekunden zu distanzieren. Bei der letzten Hürde lag Ditaji Kambundji noch auf Position 3. Das hätte nicht für den Finaleinzug gereicht. Nun trat sie im Final mit der schwächsten Halbfinal-Zeit aller Athletinnen an.

20:51 Uhr

Dienstag, 11. August

Angelica Moser traut sich an EM viel zu

Das sagte die Titelverteidigung im Stabhochsprung nach überstandener Verletzung:

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14:26 Uhr

Dienstag, 11. August

Wie Audrey Werro zur schnellsten 800-m-Läuferin der Welt wurde

Das sagt ihre Trainerin über die Zusammenarbeit mit dem Jahrzehnttalent:

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14:06 Uhr

Dienstag, 11. August

Der überraschende Hürdenläufer kommt weiter

Auch über 400 m Hürden ist die Schweiz in den Vorläufen doppelt vertreten. Zum einen durch den erprobten Julien Bonvin. Der Schweizer Meister lief auch in diesem Jahr bereits wieder unter 49 Sekunden. Zum anderen durch den Zürcher Dany Brand. Bekannt wurde der 30-Jährige, als er vor zwei Jahren einen Startplatz an den Olympischen Spielen in Paris rechtlich erstreiten wollte.

Dia Ausgangslage war klar: Von Bonvin wurde der Vorstoss in die Halbfinals erwartet, bei Brand eher nicht. Letztlich kam es anders. Während der Zürcher, der seit 2016 an allen Europameisterschaften zum Einsatz kam, mit der neuen Saisonbestzeit von 49,07 Sekunden sein Potenzial voll und ganz ausschöpfte, blieb Bonvin unerwartet blass. Der Walliser, ansonsten eine Kämpfernatur von A bis Z, schlich in 50,49 Sekunden über die Ziellinie – beinahe zwei Sekunden langsamer als seine eigene Bestleistung. Das reichte als 17. nie und nimmer für die Halbfinals.

13:33 Uhr

Dienstag, 11. August

Schweizer Trio souverän – Audrey Werro mit Start-Ziel-Sieg

Wie stark die Schweizer Frauen inzwischen über 800 m sind, bewiesen die EM-Vorläufe in Birmingham. Dass die Qualifikation für die Halbfinals für Audrey Werro inzwischen nicht mehr als eine Formsache ist, wusste man. Die Frage war vielmehr, mit welcher Taktik die Freiburgerin ihren Lauf bestreiten würde. Die Jahresschnellste wählte dieselbe Taktik wie ihre beiden grossen Konkurrentinnen Keely Hodgkinson und Femke Broeders-Bol. Werro kontrollierte das Rennen von der Spitze aus und überquerte nach zwei Runden als Frontläuferin die Ziellinie in 1:57,84.

Die anderen Läuferinnen kämpfen, für Audrey Werro (rechts) ist es ein kontrollierter Start-Ziel-Sieg im Vorlauf.
Bild: ADAM VAUGHAN

Auch Hodgkinson - mit 1:57,28 die Schnellste in den Vorläufen - und Broeders-Bol feierten in ihren Serien einen Start-Ziel-Sieg. Wie heikel das Laufen im Feld über 800 m sein kann, zeigte sich im Rennen der Niederländerin. Die Deutsche Majtie Kolberg, vor zwei Jahren in Rom EM-Fünfte, wurde in der ersten Runde in eine Rangelei verwickelt und musste danach verletzt aufgeben.

Valentina Rosamilia besteht im Vorlauf dank eines guten Schlussspurts.
Bild: Petr David Josek

Besser machten es die beiden weiteren Schweizerinnen. Valentina Rosamilia profitierte in der ersten Runde von der Tempoarbeit der portugiesischen Konkurrentin und bewies auf den letzten 100 Metern ihr Stehvermögen. Als Zweite ihrer Serie mit einer Zeit von 1:59,09 gelang der 23-jährigen Aargauerin die Halbfinal-Qualifikation über den Platz.

Veronica Vancardo verbesserte im EM-Vorlauf ihre persönliche Bestzeit.
Bild: Claude Diderich/freshfocus

Auf die Zeit angewiesen war hingegen Veronica Vancardo. Im Windschatten von Keely Hodgkinson war diese für die viertplatzierte Freiburgerin aber so gut, dass es über Vancardos Halbfinal-Einzug rasch keine Zweifel mehr gab. Die 25-Jährige lief in 1:58,20 eine neue persönliche Bestzeit. Die Halbfinals am Donnerstagmorgen versprechen auch aus Schweizer Sicht Höchstspannung.

13:00 Uhr

Dienstag, 11. August

Fabio Küchler mit dem undankbaren Platz

Neben Jason Joseph hat sich mit dem erst 22-jährigen Luzerner Fabio Küchler ein weiterer Schweizer Hürdensprinter das EM-Ticket verdient. Der junge Athlet aus Rothenburg lief an den Schweizer Meisterschaften vor zwei Wochen eine neue persönliche Bestzeit von 13,63. Diese Zeit hätte in den Vorläufen in Birmingham locker für einen Platz in den EM-Halbfinals gereicht. Doch Küchler konnte sein Leistungsvermögen in den Vorläufen nicht abrufen. Mit einer Zeit von 14,00 Sekunden landete er auf Platz 13 und blieb damit der erste Teilnehmer ausserhalb der Qualifizierten.

12:31 Uhr

Dienstag, 11. August

Showman Timothé Mumenthaler locker in den Halbfinals

Er zeigt seine extrovertierte Seite gerne. Der Schweizer Sprinter und 200-m-Europameister Timothé Mumenthaler machte auch den Vorlauf über 100 m zur persönlichen Show. Vor dem Start zappelte er vor seinem Startblock hin und her. Bei der Präsentation der Startenden verschluckte die TV-Kamera seinen Kopf beinahe, und vor der Zielgeraden blickte er provozierend auf die Seite, ob es da noch einen Schnelleren gab als ihn.

Timothé Mumenthaler (rechts) blickt sich nach seinen Gegnern um.
Bild: Adam Vaughan

Zumindest Letzteres wäre in den Vorläufen gar nicht nötig gewesen, denn nicht der Platz, sondern ausschliesslich die besten Zeiten aller drei Vorläufe entschieden über die Halbfinal-Qualifikation. Und diese war für Mumenthaler (Saisonbestzeit 10,19) mit seiner Zeit von 10,44 Formsache. Damit war der 23-jährige Genfer der viertschnellste Sprinter der Vorläufe.

12:03 Uhr

Dienstag, 11. August

Hürdenläuferin Lena Wernli chancenlos

Die Schweizer Hürdenläuferin Lena Wernli.
Bild: CYRIL ZINGARO

Für die Zürcherin Lena Wernli war es bereits ein Erfolg, in den Halbfinals laufen zu können. Das hätte die 25-Jährige gerne etwas schneller getan. Die Athletin des LC Zürich mit einer persönlichen Bestzeit von 55,02 Sekunden blieb in 57,17 mehr als zwei Sekunden über ihren Möglichkeiten. Das ergab lediglich Platz 22 der 23 ins Ziel gelaufenen Halbfinalistinnen, wobei die noch langsamere Österreicherin Lena Pressler unterwegs stürzte.

11:15 Uhr

Dienstag, 11. August

Das Birminghamer Gegenstück zur Urner Teufelsbrücke

Auf der morgendlichen Joggingrunde entdeckt man so einiges in der Stadt Birmingham. Zwar unterquert man entlang der Kanäle unzählige Brücken. Eine davon sticht aber aufgrund des Blumenschmucks und der deponierten Herzen sofort ins Auge. Die Black Sabbath Bridge erhielt ihren Namen 2019 zum 50-Jahr-Jubiläum der gleichnamigen Birminghamer Heavy-Metal-Band. Zum Bild der Brücke gehören eine Sitzbank mit den Konterfeis der vier Bandmitglieder sowie vier in den Boden eingelassene Sterne mit den Namen der Musiker. Quasi der Birminghamer Walk of Fame.

Nach dem Tod von Ozzy Osbourne wurde die Black Sabbath Bridge in Birmingham zur Pilgerstätte.

Seit Bandleader Ozzy Osbourne vor einem Jahr gestorben ist, gehört Blumenschmuck zum Gedenken an den exzentrischen Musiker zum ständigen Erscheinungsbild der Brücke. Die liebliche Szene täuscht aber nicht über den furchteinflössenden Namen der Band hinweg. Man könnte etwas ketzerisch sogar behaupten: Was für die Urner die Teufelsbrücke, ist für die Birminghamer die Black Sabbath Bridge.

23:15 Uhr

Montag, 10. August

Die emotionale Achterbahnfahrt der Géraldine Di Tizio-Frey

Die Belgierin Delphine Nkansa als Spielverderberin für die beiden Schweizer Finalistinnen Géraldine Di Tizio-Frey und Salomé Kora.
Bild: CYRIL ZINGARO

Geht das schon unter psychische Folter? Nach dem Zieleinlauf im Final über 100 m wird Géraldine Di Tizio-Frey auf der grossen Anzeigetafel als Dritte vermeldet. Die Zugerin springt jubelnd in die Höhe und fällt Teamkollegin Salomé Kora um den Hals. Sekunden später die Korrektur: Platz 4 - eine Hundertstelsekunde hinter Bronze. Jetzt ist es die Jahresschnellste, die Trost benötigt. Zuerst von Kora, dann auch von Ehemann und Eltern. So brutal kann Sport sein. Oder eine Anzeigetafel.

Im TV-Interview macht Géraldine Di Tizio-Frey aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Sie sagt: «Es tut mega weh. Ich habe mich schon über die Medaille gefreut.» Zur Enttäuschung gesellt sich eine Spur Ärger über den undankbaren vierten Rang. «Ich hatte das Gefühl, es in den Beinen zu haben. Aber leider habe ich mich auf den letzten Metern etwas verkrampft.» Vielleicht das Lehrgeld, das man im ersten grossen Sprintfinal zahlt. Bereits am kommenden Wochenende können Di Tizio-Frey und Kora gemeinsam reagieren. Die Schweizer Frauen-Staffel wartet noch immer auf ihre erste Medaille an internationalen Meisterschaften. Es wäre ein wunderbares Trostpflaster.

Für einen Moment liegen sie sich jubelnd in den Armen. Kurz danach muss Géraldine Di Tizio-Frey von Trainingskollegin Salomé Kora getröstet werden.
Bild: ADAM VAUGHAN

23:04 Uhr

Montag, 10. August

Géraldine Di Tizio-Frey fehlt eine einzige Hundertstelsekunde

Eine enge Kiste um den EM-Titel über 100 m. Die Britin Amy Hunt gewinnt vor der Polin Ewa Swoboda. Géraldine Die Tizio-Frey streckt sich im Hintergrund vergeblich.
Bild: Matthias Schrader

Ein vierter Platz. Kennen wir das nicht von den Olympischen Spielen in Paris? Nun muss auch Géraldine Di Tizio-Frey in ihrem ersten EM-Final mit diesem undankbarsten aller Resultate Bekanntschaft schliessen. Beim Sieg der britischen Lokalmatadorin Amy Hunt fehlt der Zugerin (11,07) genau eine Hundertstel zur Medaille. Salomé Kora wird nach einem argen Stolperer nach dem Start Achte.

Trotz des verpassten Edelmetalls ist dieser Final für Géraldine Di Tizio-Frey die Krönung eines beachtlichen Aufschwungs. Noch nie stand die 29-jährige Zugerin bei internationalen Meisterschaften in einem Final. Noch nie lief sie vor dem 11. Juli auch nur annähernd unter elf Sekunden. Nun trat sie in Birmingham als Jahresschnellste Europas an.

Der Trainerwechsel vom bereits 75-jährigen Schwiegervater Lucio Di Tizio hin zu Nationaltrainer Patrick Saile im vergangenen Winter brachte das entscheidende Puzzleteil für den definitiven Durchbruch der Pharmazeutin, die neben ihrer Sportkarriere in einem 50-Prozent-Pensum arbeitet. Einige technische Anpassungen und verstärkte Arbeit im Kraftraum machten ihren Lauf zu einer flüssigen Einheit, um gegen die Besten Europas bestehen zu können.

In Birmingham überraschte Géraldine Di Tizio-Frey nun sogar das Schweizer Fernsehen. Finalistinnen kommen nach dem Halbfinal normalerweise nicht zum Kurzinterview. Schliesslich ist die Zeit zwischen den beiden Läufen mit 90 Minuten ausgesprochen kurz. Die Zugerin, vielleicht sogar aufgrund der Unkenntnis über dieses ungeschriebene Gesetz, stand auf einmal vor dem Mikrofon von Paddy Kälin und gab entspannt Auskunft über ihre grosse Nervosität vor dem Halbfinal und über den Stolz, den Lauf trotzdem von A bis Z unverkrampft, flüssig und technisch sauber durchgezogen zu haben. «Das momentane Selbstvertrauen hat geholfen», sagte Di Tizio-Frey.

Während die Zugerin ihren Halbfinal in 11,02 gewann, musste Salomé Kora nach schlechtem Start und Platz 4 bis zuletzt zittern, ob sie sich als eine von nur zwei Athletinnen über die Zeit für ihren ersten grossen Final würde qualifizieren können. Letztlich reichten ihre 11,12 deutlich. Bislang standen einzig Mujinga Kambundji und Ajla Del Ponte für die Schweiz an internationalen Grossevents im Final.

22:21 Uhr

Montag, 10. August

Shirley Lang mit Bestzeit, aber ohne Finalplatz

Die Schweizer Steeple-Läuferin Shirley Lang verpasste im Vorlauf den für eine Finalteilnahme geforderten Platz unter den besten Acht. Die 24-Jährige vom LC Therwil darf aber trotzdem zufrieden mit ihrem EM-Auftritt sein. Mit 9:45,01 gelang ihr eine neue persönliche Bestzeit.

21:56 Uhr

Montag, 10. August

Dominic Lobalu Siebter bei Sensations-Comeback von Ingebrigtsen

Dominic Lobalu führt das Feld im EM-Final über mehrere Runden an.
Bild: TOLGA AKMEN

Der erste Schweizer Medaillen-Trumpf sticht nicht. Dominic Lobalu gehen im 5000-m-Rennen auf den letzten 200 Metern die Kraft aus. Nach einem sehr aktiven Rennen mit mehreren Runden an der Spitze des Feldes musste der 27-Jährige seine Konkurrenten auf der Zielgeraden ziehen lassen. «Es war ein Fehler, so früh an die Spitze zu gehen. Am Schluss fehlte mir deswegen der Kick», sagte Lobalu gegenüber dem Schweizer Fernsehen. Für den Geschmack des Diamond-League-Siegers von Monaco war das Tempo zu Beginn zu tief. «Aber über 10'000 Meter werde auch ich hinten bleiben und meinen Fehler nicht wiederholen», so Lobalu.

Die Geschichte des Abends schrieb ein anderer Weltklasse-Läufer. Jakob Ingebrigtsen ist zurück. Der 25-jährige Norweger gewann in seinem ersten Rennen seit der WM vor elf Monaten in Tokio dank einem überragenden Endspurt die insgesamt 15. Medaille an Europameisterschaften.

Noch in Tokio musste der Wunderläufer, der vor sieben Jahren an der EM in Berlin als 17-Jähriger mit Doppel-Gold über 1500 m und 5000 m erstmals für Furore sorgte, vor der Realität kapitulieren. Eine chronische Achillessehnenentzündung verhinderte seine Konkurrenzfähigkeit. Im Februar unterzog sich Ingebrigtsen einer Operation. Seither blieb unklar, ob und wie kompetitiv er wieder ist. In Birmingham gab er darauf eine goldene Antwort.

21:44 Uhr

Montag, 10. August

Géraldine Di Tizio-Frey in neuen Sphären

Wieso die Zugerin auf einmal zu den Besten Europas gehört:

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21:23 Uhr

Montag, 10. August

Géraldine Di Tizio-Frey und Salomé Kora im Sprintfinal

Bislang waren alle Schweizer Finalplätze bei internationalen Grossanlässen im Frauensprint von Mujinga Kambundji und Ajla Del Ponte belegt. In Birmingham sorgt ein anderes Duo für eine Premiere: Géraldine Di Tizio-Frey und Salomé Kora. Während Di Tizio-Frey ihre aktuelle Position als Europas Jahresschnellste mit einem Laufsieg im Halbfinal in 11,02 unterstrich, musste Salomé Kora bis zuletzt zittern. Sie erwischte einen schlechten Start und lief nach einem fulminanten Steigerungslauf im ersten von drei Halbfinals als Vierte in 11,12 ins Ziel. Damit nahm sie vorerst auf der Warteposition Platz, bevor letztlich klar war, dass die 32-Jährige ihr Finalticket als eine von zwei Athletinnen über die Zeit ergatterte.

20:52 Uhr

Montag, 10. August

Hürdensprinterin Larissa Bertény in den Halbfinals

Die St. Gallerin darf ihre erste EM-Teilnahme bei der Elite bereits nach dem ersten Einsatz als Erfolg verbuchen. Die 26-jährige Rheintalerin qualifizierte sich über 100 m Hürden mit einer Zeit von 13,01 Sekunden für die Halbfinals. Die persönliche Bestleistung der von Adrian Rothenbühler trainierten Sportstudentin liegt seit dieser Saison bei 12,84. Die eigene Nervosität und damit verminderte Lockerheit habe vielleicht eine noch besser Zeit verhindert, meinte Bertény im TV-Interview. Bereits für die Halbfinals vorqualifiziert ist Weltmeisterin Ditaji Kambundji.

Zu Ende ist die EM hingegen für die Baslerin Selina von Jackowski. Die 28-Jährige warf sich zwar noch ins Ziel, blieb mit 13,14 aber sowohl hinter ihrer Saisonbestleistung als auch hinter den Halbfinalplätzen zurück. Auch nach den EM-Vorläufen bleibt die Saisonbeste der Schweiz übrigens Siebenkämpferin Annik Kälin mit ihren 12,60.

14:36 Uhr

Montag, 10. August

Schweizer Kugelstösser ohne Finalchance

Für Stefan Wieland und Jephté Vogel ist die Europameisterschaft nach der Qualifikation wie erwartet zu Ende. Der 27-jährige Berner Wieland erreicht mit einem Stoss auf 18,61 m Rang 23, für den 24-jährigen Romand Vogel ergibt der Versuch auf 18,15 m Platz 26 im Feld der 29 Athleten. Für das Schweizer Duo ist die Leistung eine leise Enttäuschung, stiessen doch beide die Kugel in dieser Saison bereits über die 19-m-Marke.

14:32 Uhr

Montag, 10. August

Lena Wernli läuft in die EM-Halbfinals

Vom Schweizer Trio über 400 m Hürden der Frauen schafft eine Athletin den Sprung in die Halbfinals. Die Zürcherin Lena Wernli rutschte als Elfte von zwölf qualifizierten Läuferinnen mit ihrer Zeit von 56,25 gerade noch in die nächste Runde. 32 Hundertstelsekunden länger als Wernli benötigte Yasmin Giger für die Stadionrunde. Das ergab in der kumulierten Resultatliste Platz 14 und damit das Aus nach den Vorläufen. Gleiches widerfuhr Annina Fahr. Für die bereits 33-jährige Schaffhauserin resultierte mit der bescheidenen Zeit von 57,99 Rang 23.

14:07 Uhr

Montag, 10. August

Simon Ehammer trotz zwei Fehlversuchen im Final

Eigentlich konnte bei Simon Ehammer nach seinem Sprung auf 8,10 m im ersten Versuch der Weitsprung-Qualifikation nichts mehr anbrennen. Und tatsächlich lag der Appenzeller mit dieser Weite lange an der Spitze des Klassements. Zwar betrug die sichere Qualifikationsweite 8,15 m, aber auch für Ehammer war eigentlich klar, «dass in einer Qualifikation praktisch nie zwölf Athleten weiter als 8,10 m springen. Aber man weiss ja nie, gerade bei aufkommendem Rückenwind».

Während andere Konkurrenten vom bis zu +3,1 m blasenden Rückenwind mit weiten Sprüngen profitierten, übertrat Simon Ehammer zweimal. «Geärgert hat mich der knapp übertretene dritte Versuch - vor allem, als mir mein Trainer Yves Zellweger auf dem Handy gezeigt hat, wo ich gelandet bin. Er wäre weit gewesen», sagt der EM-Dritte von Rom. Letztlich bedeuteten auch die 8,10 m die siebtbeste Weite und die sichere Qualifikation für den Final vom Dienstagabend. «Und dort beginnt ohnehin alles wieder bei Null», wie Simon Ehammer betonte.

Die Qualifikation forderte zwei prominente Opfer: Neben dem Schweden Tobias Montler – immerhin mit einer persönlichen Bestweite von 8,38 –, der das Finale um einen Zentimeter verpasste, vor allem Weltmeister Mattia Furlani aus Italien. Dieser verletzte sich bei einem Sprung am rechten Oberschenkel. Furlani ist in dieser Saison bereits 8,43 m gesprungen und galt als einer der Topfavoriten auf die Medaillen.

13:23 Uhr

Montag, 10. August

Nur Lionel Spitz schafft es in die Halbfinals

Vom Schweizer 400-m-Trio an der EM blieben zwei in den Vorläufen hängen. Der Tessiner Ricky Petrucciani, 2022 überraschend mit EM-Silber in München, schaffte es in der ersten Serie auf Platz 6. Die Zeit von 46,14 entspricht in etwa der aktuellen Leistungsfähigkeit des 26-Jährigen, aber nicht den Anforderungen an einen EM-Halbfinalisten.

Gar nicht auf Touren kam der Schweizer Saisonbeste Haydn Brotschi. Der 21-Jährige laborierte vor Birmingham an einer Zerrung. Diese ist zwar ausgeheilt, für einen vernünftigen Formaufbau reichte die Zeit jedoch offensichtlich nicht. Mit 46,89 blieb dem in den USA lebende Athlet nur der 22. Platz unter 23 Startern.

Besser machte es Lionel Spitz. Der Schweizer Meister lief mit seiner Zeit von 45,70 und als Zweiter seiner Serie locker in die Halbfinals. Doch auch der 25-Jährige, dem die Boulevard-Medien aufgrund seines jugendlichen Aussehens den Übernahmen «Babyface-Killer» verliehen haben, hat noch Steigerungspotenzial. Denn das Ziel des Zürchers ist es, an der EM endlich den Schweizer Rekord von Matthias Rusterholz (44,99) aus dem Jahr 1996 zu brechen. Vielleicht im Halbfinal?

13:07 Uhr

Montag, 10. August

Salomé Kora will erstmals in den Final

Den Sprung in die Halbfinals hat die 32-Jährige locker geschafft, aber Salomé Kora will in Birmingham deutlich mehr:

Mehr zum Thema:

12:46 Uhr

Montag, 10. August

Sprinterinnen Kora und Kouni bei Windlotterie im Halbfinal

Während die Jahresschnellste Europas, Géraldine Di Tizio-Frey, dank ihrer Leistungen direkt für die Halbfinals über 100 m am Montagabend vorqualifiziert ist, mussten Salomé Kora und Natacha Kouni in den Vorläufen antreten. Die Vorgabe war klar: Aus drei Serien qualifizierten sich die 12 schnellsten Athletinnen unabhängig vom Rang in ihrem Rennen.

Dass dieses Format bisweilen unfair sein kann, zeigte das Beispiel Birmingham eindrücklich auf. Während im ersten Lauf ein Rückenwind von +3,2 Sekunden pro Meter blies, war es bei Kounis Rennen komplett windstill. Letztlich zitterte sich die Romande mit ihrer Zeit von 11,31 um exakt drei Tausendstelsekunden im Vergleich zur Griechin Polyniki Emmanouilidou als Letzte in die Halbfinals. Punkto Windunterstützung und Rang ziemlich in der Mitte der beiden Extreme bewegte sich Salomé Kora. Die St. Gallerin wurde in ihrer Serie Zweite und liess mit 11,19 nichts anbrennen, um wie eigentlich immer bei Grossanlässen die Halbfinals zu erreichen.

12:23 Uhr

Montag, 10. August

Wipfli mutig, Pelizza abgeschlagen

Auch für die Schweizer 800-m-Läufer war der erste EM-Auftritt gleichzeitig der letzte. Der 25-jährige Zürcher Ivan Pelizza lieferte einen enttäuschenden Auftritt ab. Ihm ging nach einer schnellen ersten Runde buchstäblich der Saft aus. Als Letzter seiner Serie überquerte Pelizza letztlich in 1:49,42 die Ziellinie.

Besser, vor allem auch mutiger, aber letztlich nicht erfolgreicher machte es die Berner Mittelstrecken-Hoffnung Ramon Wipfli. Der 22-Jährige hatte Mitte Juni in Nizza mit einem Schweizer U23-Rekord (1:44,71) aufhorchen lassen. In Birmingham startete er im vierten und letzten Vorlauf, wusste also, dass er mit einem schnellen Rennen die Chancen auf eine Halbfinal-Qualifikation verbessern konnte. Denn neben den ersten drei pro Lauf schafften insgesamt vier Athleten über die Zeit den Sprung in die nächste Runde.

Wipfli drückte von Beginn weg aufs Tempo, lag zeitweise fünf Meter vor dem Feld. Doch er erhielt bei seinen Bemühungen keine Unterstützung und musste auf der Zielgeraden anerkennen, dass die Kraftreserven der Konkurrenz höher waren. Mit Platz 6 und einer Zeit von 1:46,25 bleibt wenigstens der Trost, im Stile eines mutigen Löwen gescheitert zu sein.

12:07 Uhr

Montag, 10. August

Enttäuschender Auftritt von Kugelstösserin Mazenauer

Den EM-Final der besten zwölf Kugelstösserinnen hatte sich Miryam Mazenauer als Ziel für Birmingham auf die Fahne geschrieben. Das Resultat fiel ernüchternd aus. Die Seriensiegerin der Schweizer Meisterschaften, die es an internationalen Meisterschaften noch nie in den Final geschafft hat, kam in der Qualifikation lediglich auf eine Weite von 16,50 m und beendete den Wettkampf auf Position 18. Für den Final wären effektiv 17,62 m notwendig gewesen. Mit ihrer Leistung blieb die 26-Jährige auch deutlich hinter ihrer Siegerweite der nationalen Meisterschaften in Zürich vor zwei Wochen zurück. Damals stiess Mazenauer die Kugel auf 17,32 m. Ihre Bestleistung liegt bei 17,55 m.

11:51 Uhr

Montag, 10. August

Schweizer Leichtathletik weckt grosse Erwartungen

Dass der Aufschwung der Schweizer Leichtathletik nicht auf Zufälligkeiten beruht, beweit allein der Blick auf die jüngsten Erfolgsmeldungen bei Grossanlässen. An der Hallen-Weltmeisterschaft im März in Torun gab es drei Medaillen: Gold mit Weltrekord für Simon Ehammer im Siebenkampf, Silber für Audrey Werro über 800 m und Bronze für Angelica Moser im Stabhochsprung.

Eindrücklich auch der Blick auf die Medaillenbilanz der vergangenen vier Europameisterschaften: 2016 in Amsterdam mit fünf Medaillen, 2018 in Berlin mit vier Medaillen, 2022 in München mit sechs Medaillen und 2024 in Rom mit neun Medaillen. Diese Steigerung der Podestplätze, aber auch der Finalqualifikationen, unterstreicht den starken Aufwärtstrend der Schweizer Athletinnen und Athleten.

11:15 Uhr

Montag, 10. August

Simon Ehammer als erster Schweizer Star im Einsatz

Von den Medaillengewinnern der EM 2024 macht Simon Ehammer in Birmingham den Anfang. Wie bei seinem dritten Rang in Rom steht er im Weitsprung am Start. Welche Herausforderung es ist, sich jeweils entscheiden zu müssen, lesen Sie hier:

Mehr zum Thema:

11:01 Uhr

Montag, 10. August

Das Alexander Stadium – Herz der britischen Leichtathletik

Die EM findet etwas ausserhalb des Zentrums im Leichtathletik-erprobten Alexander Stadium im Stadtteil Perry Barr statt. Dieses wurde 1976 eröffnet und für die Commonwealth-Games 2022 für rund 80 Millionen Franken erneuert. Es fasst permanent 18'000 Zuschauer. An der EM fasst das Stadion dank Zusatztribünen 20'000 Zuschauer. Ab 2011 bis zu Beginn der Covid-Pandemie gehörten Birmingham und das Alexander Stadium fest zum Programm der Diamond League. Nach dem Umbau war das Alexander Stadium im Mai 2022 zum bislang letzten Mal Bestandteil der Königsklasse in der Leichtathletik.

Das Alexander Stadium ist nicht die grösste Sportarena in der zweitgrössten englischen Stadt. Mit einem Fassungsvermögen von 42'000 Fans ist der Villa Park eines der ältesten Fussballstadien der Premier League. In der kommenden Saison ist der Villa Park auch die Heimat der Schweizer WM-Entdeckung Johan Manzambi, der neu für Aston Villa auf Torjagd geht.

Ein zweites Fussballstadion ist das St. Andrew’s Stadium, der Spielort von Birmingham City. Es fasst knapp 30'000 Zuschauer.

19:37 Uhr

Sonntag, 9. August

Haydn Brotschi kommt am Montagmorgen zu seiner Feuertaufe

Der 21-jährige Kalifornier hat das Rennen gegen die Zeit gewonnen. Nachdem der 400-m-Läufer aus den USA mit Solothurner Vater an den Schweizer Meisterschaften eine leichte Zerrung erlitten hatte, erhielt er nach einem Belastungstest am Samstag nun grünes Licht für einen Einzelstart in den Vorläufen am Montagmorgen. Es ist Brotschis Debüt im Schweizer Nationaldress. Seine im Mai gelaufene persönliche Bestzeit von 45,20 Sekunden wurde nach wie vor von keinem anderen Schweizer Athleten in diesem Jahr erreicht. Hier seine Story.

Mehr zum Thema:

16:50 Uhr

Sonntag, 9. August

EM der Rekorde

Nicht nur Swiss Athletics bricht mit der Anzahl Teilnehmenden alle bisherigen EM-Rekorde. Mit 1600 Athletinnen und Athleten ist die erste Europameisterschaft auf britischem Boden überhaupt die bestbesuchteste der Leichtathletik-Geschichte. 51 Länder sind Mitglied beim europäischen Verband – deren 49 schicken eine Delegation nach Birmingham. Nur Russland und Weissrussland müssen weiterhin unfreiwillig von aussen zusehen. Die Leichtathletik will dies trotz der Entscheidung des IOC, die beiden Länder wieder zuzulassen, vorderhand auch nicht ändern.

In Birmingham am Start sind 10 aktuelle Weltmeisterinnen und Weltmeister sowie 7 Olympiasieger. Insgesamt stehen 50 Titelentscheidungen an. In 36 Ländern werden die Wettkämpfe am TV live übertragen. Bei den Organisatoren ist man besonders stolz darauf, dass die BBC an jedem Abend zur Prime Time zwei Stunden direkt auf Sendung geht.

15:38 Uhr

Sonntag, 9. August

Audrey Werros Lieblingstaktik gibt Raum für eine ketzerische Frage

Die EM-Vorschau mit der stärksten Schweizer Leichtathletin der Gegenwart. Aber ist sie damit auch die grösste Goldkandidatin?

Mehr zum Thema:

14:19 Uhr

Sonntag, 9. August

Gefragte Audrey Werro an der EM-Medienkonferenz

Einen Tag vor den ersten Wettkämpfen in Birmingham luden der europäische Leichtathletik-Verband und die Organisatoren zur Eröffnungs-Pressekonferenz im Stadion. Rund 80 Medienvertreter waren vor Ort. Neben OK-Chef und Verbandspräsidenten standen auch vier Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der Bühne – unter ihnen eine Schweizerin.

Audrey Werros Leistungen über 800 m in diesem Jahr haben die 22-jährige Freiburgerin längst über die Landesgrenzen hinaus ins Schaufensterlicht gehievt. Entsprechend gefragt war sie denn auch in der Fragerunde im Stadion von Birmingham.

Zwei Themen interessierten die Journalisten besonders: Traut sie sich den Weltrekord zu und was genau symbolisiert ihr inzwischen bekannter Siegesjubel? Audrey Werro sagt, dass sie an der EM den Gewinn einer Medaille und nicht den Weltrekord im Kopf habe. Dieser sei in einem Meisterschaftsrennen, in welchem immer auch taktische Komponenten hineinspielten, besonders schwer zu knacken. Die Fabelzeit der Tschechoslowakin Jarmila Kratochvilova stammt vom 26. Juli 1983 und ist damit der älteste offiziell anerkannte bestehende Weltrekord der Leichtathletik.

Das angedeutete Brüllen eines Löwens von Audrey Werro nach dem Zieleinlauf geht auf eine Episode in ihrer Jugend zurück. «Als ich etwa 12 Jahre alt war, sagte mir mein Vater, ich müsse im Rennen wie ein Löwe sein. Ich war damals sehr, sehr scheu. Die Leichtathletik half mir, mein Selbstvertrauen zu stärken. Und so entschloss ich mich zu Beginn dieser Saison, meine Erfolge zukünftig mit diesem Ausdruck eines Löwen zu zelebrieren», erklärte die Freiburgerin.

12:12 Uhr

Sonntag, 9. August

Birmingham ist ein wenig wie Venedig

Wer sich in Birmingham auf eine Joggingrunde macht, landet mit Garantie früher oder später am Ufer eines der vielen Kanäle. Auf 56 Kilometern erstrecken sich die Wasserwege allein auf dem Stadtgebiet. Nimmt man das Umland der «Birmingham Canal Navigations» hinzu, sind es sogar 160 Kilometer. Praktisch allen Kanälen entlang gibt es Geh- und Fahrradwege. Die Umgebung wechselt von schön herausgeputzt bis enorm heruntergekommen.

Man fühlt sich im Nordwesten Englands also ein wenig wie in Venedig. Die Kanäle erinnern an die Zeiten, als Birmingham eine der grossen Zentren der Metallverarbeitung war und mit seinen rauchenden Kaminen der Mittelpunkt des sogenannten «Black Country» bildete. Die Kanäle wurden im 18. und 19. Jahrhundert als Lebensadern dieser Industrie künstlich angelegt, um Kohle und Mineralien aus den umliegenden Minen in die Fabriken zu transportieren.

13.00 Uhr

Samstag, 8. August

Schweizer Leichtathletik strebt nach erstem Olympiasieger

Nach Medaillenflut an Europameisterschaften und erstem WM-Titel für Schweizer Frauen arbeitet Swiss Athletics am Projekt «Next Level».

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12:30 Uhr

Samstag, 8. August

In Birmingham spielt die Musik

Beginnen wir die Leichtathletik-WM mit etwas Kultur. Schliesslich ist Birmingham die Geburtsstadt so mancher musikalischer Berühmtheit: Black Sabbath mit Frontman Ozzy Osbourne oder auch Duran Duran, Judas Priest oder das Electric Light Orchestra stammen aus der zweitgrössten Stadt Englands. Auf dem Weg vom Hotel zum Busbahnhof komme ich täglich viermal an «The Vault» vorbei. Es ist der grösste Plattenladen Europas mit einer Verkaufsfläche von 2300 Quadratmetern. Im Innern des riesigen Record Stores findet man eine Auswahl von rund 80’000 CDs und 25’000 Vinyl-Schallplatten. Auch der Standort des 2019 eröffneten Geschäfts ist speziell. Er ist im Erdgeschoss eines grossen Parkhauses untergebracht.

12:10 Uhr

Samstag, 8. August

Herzlich willkommen zu den Leichtathletik-Europameisterschaften

Liebe Leserinnen und Leser,
Am Montagmorgen um 11.34 Uhr fällt in Birmingham der Startschuss der Leichtathletik-Europameisterschaften. Die 29. Austragung des seit 1934 ausgetragenen Traditionsanlasses finde im übrigen erstmals überhaupt in Grossbritannien statt. Die Schweiz war 1954 (Bern) und 2014 (Zürich) bereits zweimal Gastgeber der EM. Pläne für eine dritte Bewerbung 2030 haben sich mangels finanzieller Unterstützung durch den Bund zerschlagen.

Swiss Athletics beschickt die EM mit einem Rekordteam. 67 Athletinnen und Athleten vertreten die Schweiz an den sieben Wettkampftagen. Der bisherige Rekord an Teilnehmenden war vor zwei Jahren, als in Rom 60 Sportlerinnen und Sportler insgesamt neun Medaillen gewannen. Sämtliche Medaillengewinner von 2024 sind auch in Birmingham wieder am Start.

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