
Jetzt ist es passiert: Die Spitzencurlerin Silvana Tirinzoni beendet im Alter von 46 Jahren ihre grossartige Karriere. Als Skip für den CC Aarau begründete sie gemeinsam mit Alina Pätz eine wahre Curling-Dynastie, die mehrere Jahre Bestand hatte. Tirinzonis Palmarès sucht seinesgleichen: Vier WM-Titel, zwei EM-Titel, sieben Siege bei Grand-Slam-Turnieren und Olympia-Silber. Nach einer langen Karriere mit Höhen und Tiefen zieht eine der prägendsten Figuren des Schweizer Curlings einen Schlussstrich.
Lanciert wurde Tirinzonis Karriere mit dem Gewinn der Juniorinnen-Weltmeisterschaft 1999 im schwedischen Östersund. Allerdings brachen für die aufstrebende Curlerin nach diesem Erfolg durch die grosse Konkurrenz im eigenen Land bis zu den Olympischen Winterspielen 2018, die mit einem enttäuschenden siebten Platz endeten, magere Jahre an.
Ab 2019 war sie eine absolute Macht
Von da an sollte aber die grosse Zeit von Silvana Tirinzoni beginnen: Zwischen 2019 und 2023 gewann die Schweizerin vier WM-Titel in Folge und blieb in 42 WM-Spielen in Serie ungeschlagen. Ein Rekord, der wohl eine sehr lange Zeit unübertroffen bleiben wird. Nach dieser Dominanz folgten noch zwei EM-Titel 2024 und 2025.

Auch bei den Olympischen Winterspielen 2022 wurde die Schweiz vom Team Tirinzoni vertreten. Nach dem Gewinn der Vorrunde folgte die herbe Enttäuschung mit dem vierten Platz nach Niederlagen gegen Japan und Schweden. Vier Jahre später klappte es dann doch noch mit der olympischen Medaille: Nur im Spiel um Gold mussten sich die Schweizerinnen geschlagen geben, nichtsdestotrotz ein versöhnlicher Abschluss des Themas Olympia. Die Schweizer Meisterschaften 2026 sollten das letzte Turnier von Silvana Tirinzoni werden: Im Final unterlag die Equipe des CC Aarau den späteren Weltmeisterinnen um Skip Xenia Schwaller.
Im Curling bindet man sich länger an ein Team als in anderen Sportarten, üblich sind Zyklen von jeweils vier Jahren. Nach diesen vier Jahren folgt dann eine gemeinsame Standortbestimmung und Besprechung, wie es mit dem Team weitergeht. Tirinzoni entschied sich 2022 für einen weiteren Zyklus, mit dem Wissen, dass diese Jahre wahrscheinlich ihre letzten im Profi-Curling sein werden. «Ich konnte mir damals noch nicht wirklich vorstellen, dass es tatsächlich nochmals vier Jahre werden», sagt sie später.
Der Gewinn der Silbermedaille markiert einen schönen Schlusspunkt
Sie blieb trotzdem vier Jahre und sorgte mit dem Gewinn der Silbermedaille für eines ihrer persönlichen Highlights: «Ich konnte diesen Moment auch mit meiner Familie teilen, die erstmals bei Olympia dabei sein konnte. Das war für mich sehr speziell.» Dieser Erfolg markierte einen letzten Höhepunkt in einer Karriere, die auch von viel Aufwand und Entbehrungen geprägt war.

Diese Tatsache hat beim Entscheid ebenfalls eine Rolle gespielt: «Es war eine sehr intensive Zeit mit viel finanziellem Druck. Als Team macht man alles selbst, es gibt kein Management, das einem Dinge organisiert. Das gibt uns auch Entscheidungsfreiheit, aber vor allem die Reiserei war mühsam. Aber das hat halt dazugehört und die besten Momente gab es mitunter auch am Flughafen, wenn man die Zeit überbrücken musste. Ich werde alles daran vermissen», resümiert die 46-Jährige etwas wehmütig.
Endgültig für den Rücktritt entschieden hatte sich Tirinzoni nach einem Gespräch mit ihrem Team nach den Schweizer Meisterschaften. «Wir haben uns zusammengesetzt und jede hat ihre Pläne für die nächste Saison geäussert. Dort habe ich meine Gedanken geteilt, dass ich gerne aufhören würde. Da war aber noch nichts entschieden, ich musste erst noch drüber schlafen. Mit der Zeit hat sich der Entscheid dann gefestigt.»
Ihre Teamkolleginnen werden dem Curling erhalten bleiben: Carole Howald konzentriert sich nun auf das Mixed und die neue Rock League. Alina Pätz und Selina Witschonke planen ihre sportliche Zukunft gemeinsam und prüfen derzeit ihre Optionen. Tirinzoni freut sich, dass es für die anderen weitergeht: «Es wäre für mich schlimm gewesen, wenn wegen mir alle aufhören müssten. Ich bin sehr glücklich, dass ich sie weiterverfolgen kann.»
Tirinzoni blickt mit grosser Dankbarkeit auf ihre Karriere zurück: «Es ist überhaupt nicht selbstverständlich, dass ich meine grosse Leidenschaft zum Beruf machen konnte. Die Erfahrungen, die ich gemacht habe und all die vielen schönen Momente werden mich für den Rest meines Lebens prägen.»
Auch wenn das Schweizer Curling Silvana Tirinzoni als Spielerin verliert, ist sie einer Rückkehr zum Sport nicht abgeneigt: «Ich habe mir darüber bereits Gedanken gemacht, aber durch den absoluten Fokus auf Olympia habe ich noch gar keine konkreten Ideen. Ich fände es aber cool, im Sport zu bleiben, aber ich habe auch noch andere Leidenschaften.» Gut möglich also, dass Tirinzoni dem Schweizer Curling nicht ganz abhanden kommt.


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