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Olympische Winterspiele

«Wir waren nicht gut genug»: Schweizer Curlerinnen hadern nach Finalpleite gegen Schweden mit ihrer Leistung

5:6 endet das Spiel um die Goldmedaille - zu ungunsten von Skip Silvana Tirinzoni und ihren Mitspielerinnen. Zu denken gibt das achte End, in dem die Schweizerinnen eine Einladung der Gegnerinnen «ablehnen» und den einen Fehler zu viel begehen.
Die Silber-Medaillen-Gewinnerinnen im Curling (von links): Silvana Tirinzoni, Selina Witschonke, Alina Pätz, Carole Howald und Stefanie Berset.
Bild: Keystone

Wer 2018 und 2022 die Medaillenränge trotz Favoritenstatus verpasst, für den muss sich Silber 2026 wie eine riesengrosse Erlösung anfühlen. Im Fall der Schweizer Curlerinnen gibt es jedoch auch die andere Gefühlswelt: Wenn sich die amtierenden Weltmeisterinnen souverän für den Olympia-Final qualifizieren, ist in diesem nur der Sieg gut genug.

Entsprechend zwiegespalten fallen die Voten von Skip Silvana Tirinzoni und ihren Mitspielerinnen im Anschluss an die 5:6-Niederlage gegen Schweden aus. «So kurz nach dem Spiel ist die Enttäuschung über den Ausgang grösser als die Freude über Silber. Was wir im Final gezeigt haben, war einfach nicht gut genug», so Tirinzoni – und weiter: «Irgendwann werden wir uns über die Medaille freuen. Im Moment aber ist es hart. Es war eine unglaublich emotionale Woche, mit dem Final als Höhepunkt.» Alina Pätz bilanziert: «Wir haben einen guten Final gezeigt, Schweden einen sehr guten. Und bei dieser Ausgangslage mag es unsererseits keine Fehler leiden.»

Das Schweizer Frauenteam um Skip Silvana Tirinzoni (2.v.l.)
Bild: JJean-Christophe Bott / Keystone

Dieses achte End wird nachhallen

Pätz, die seit 2018 an Tirinzonis Seite spielt und in jedem End für die wichtigen letzten zwei Steine verantwortlich ist, unterläuft im achten End der wohl spielentscheidende Fehler. Sie kann die Einladung der Schwedinnen auf ein Schweizer Zweierhaus nicht annehmen, ihr Stein misslingt komplett. Zu allem Übel stehlen die Gegnerinnen auch noch einen Punkt und gehen vorentscheidend mit 5:3 in Führung. «Wenn wir in diesem Moment Schweden überholen können, sieht es gut aus für uns. Leider ist es nicht passiert», so Pätz.

Die Schweizerinnen um Skip Silvana Tirinzoni (rechts) stemmen sich mit letztem Einsatz gegen die Niederlage - ohne Erfolg.
Bild: Jean-Christophe Bott / Keystone

Nach dem Missgeschick hätten die Schweizerinnen im neunten End ein Dreierhaus schreiben müssen, um im Vorteil zu sein. Es gelang nur der Ausgleich zum 5:5. Somit hatten die Schweden im zehnten End den letzten Stein und gerieten nie in Bedrängnis.

Dieses achte End dürfte Tirinzoni, Pätz, Carole Howald und Selina Witschonke noch lange beschäftigen. Zumal an Olympischen Spielen für ein Team jeweils ein Zyklus endet und offen ist, ob sich die Chance auf Olympia-Gold für alle Spielerinnen noch einmal ergeben wird.

Die Schweizerinnen gratulieren den verdienten Olympiasiegerinnen aus Schweden.
Bild: Jean-Christophe Bott / Keystone

Trotz Enttäuschung über die eigene Leistung gilt es auf Seiten der Schweizerinnen einzugestehen: Der Sieg der Schwedinnen ist hochverdient. Bis auf die erwähnte Szene im achten End wirken sie von Anfang bis Ende hochkonzentriert und begehen praktisch keine Fehler. Das zweite Olympia-Gold für Skip Anna Hasselberg nach 2018 hat auch insofern seine Logik, als dass sie mit ihrem Team in der Round Robin die meisten Siege geholt hat. Die Frau aus Stockholm entpuppt sich zusehends als Angstgegnerin von Skip-Kollegen Silvana Tirinzoni: Schon 2022 im Olympia-Bronzespiel in Peking mussten die Frauen vom Curling-Club Aarau eine bittere Pleite gegen Hasselberg's Schwedinnen einstecken.

Übrigens: Schon zehn Mal hat ein Schweizer Frauenteam die Weltmeisterschaft gewonnen. Aber die Krönung, nämlich Gold an Olympischen Spielen, fehlt weiterhin. Das höchste der Gefühle waren die Silbermedaillen 2002 und 2006. Somit bleibt jene von Skip Patrick Hürlimann und seinem Team 1998 in Nagano vorerst die einzige Schweizer Curling-Goldmedaille an Olympischen Spielen.

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