Fussball

«Das emotionalste Spiel meiner Karriere»: Silvan Widmers Ritt durch 12 Nati-Jahre

Der Aargauer blickt auf 65 Spiele für die Schweiz zurück. Besonders der EM-Coup gegen Frankreich bleibt ihm in Erinnerung. Sein letzter Einsatz endete dagegen mit einer bitteren WM-Niederlage.

Am Montag gab der 33-Jährige seinen Rücktritt aus der Schweizer Nati bekannt. Zwölf Jahre lang trug Silvan Widmer das Schweizer Trikot, bestritt 65 Länderspiele und erzielte fünf Tore. In Erinnerung bleibt der Aargauer aber vor allem als einer, der auf der rechten Seite keinen Zweikampf scheute, Meter um Meter abspulte und sich für die Mannschaft aufrieb. Vom Debüt gegen San Marino bis zu seinem letzten Auftritt an der WM 2026: Silvan Widmers Nati-Karriere in der Timeline.

Debüt gegen San Marino

Wir schreiben den 14. Oktober 2014. Die Schweiz spielt in der EM-Qualifikation auswärts gegen San Marino. Die klar favorisierte Equipe des damaligen Nati-Trainers Vladimir Petkovic bestimmt erwartungsgemäss die Partie – bereits nach einer halben Stunde steht es 3:0 für die Schweiz. Dann, nach 60 Minuten, wird der damals 21-jährige Silvan Widmer für Stephan Lichtsteiner eingewechselt.

Prompt kommt der Rookie zu einer vielversprechenden Chance per Kopf, doch der gegnerische Torhüter verhindert den Treffer. Die Partie endet 4:0.

Erstes Tor in der Schweizer Nati

Bis sich der Aargauer erstmals als Torschütze feiern lassen darf, vergehen einige Jahre. Im wegen der Coronapandemie leeren St. Jakob-Park trifft er im September 2020 mit dem linken Fuss zum 1:1 gegen Deutschland in der Nations League. Es ist auch ungefähr diese Zeit, «als ich in der Nati so richtig Fuss fassen konnte», wie Widmer an einer Medienkonferenz sagte. Insgesamt gelangen ihm fünf Tore für die Nationalmannschaft.

Erstes grosses Turnier

Im Auftaktspiel der EM 2021 gegen Wales bleibt Widmer ohne Einsatz. Im Gruppenspiel gegen Italien ist es dann so weit: Beim Stand von 0:2 gegen die «Azzurri» wird der Aargauer eingewechselt. «Es ist ein Traum, der für mich in Erfüllung gegangen ist», sagte er im Sommer gegenüber dieser Zeitung und sprach von einem «unvergesslichen Erlebnis». Zum Vergessen ist allerdings das Resultat seines ersten EM-Spiels: 0:3.

WM-Debüt mit 29 Jahren

Im Auftaktspiel der WM in Katar am 22. November gegen Kamerun steht Silvan Widmer erstmals bei einer Weltmeisterschaft in der Startelf. Der Aargauer erweist sich als defensiv solider Rückhalt und macht auch offensiv auf sich aufmerksam. Auch in den restlichen Gruppenspielen der Nati kommt Widmer zum Einsatz

Doch ausgerechnet vor dem Achtelfinal gegen Portugal wird Widmer krank und muss passen. Er ist nicht der einzige Schweizer, den es in Katar erwischt: Zuvor hatten bereits Yann Sommer und Nico Elvedi krankheitsbedingt gefehlt, auch Fabian Schär war angeschlagen. Für Widmer rückt Edimilson Fernandes auf die rechte Abwehrseite. Die Schweiz geht 1:6 unter. Monate später bezeichnet Widmer den verpassten Achtelfinal als «einen der traurigsten Tage meiner Karriere».

Die emotionalste Partie der Nati-Karriere

Auf seine Zeit in der Nationalmannschaft angesprochen, fällt es Widmer schwer, ein Turnier als klares Highlight zu definieren: «Jedes Turnier hat seine eigene Geschichte, die ich nie vergessen werde.» Ein Spiel aber sticht für viele heraus: das Achtelfinal an der EM 2021 gegen Frankreich.

Wir erinnern uns: In der 75. Minute liegt die Schweiz 1:3 zurück. Dank Toren von Haris Seferovic und Mario Gavranovic in der 81. respektive 91. Minute rettet sie sich in die Verlängerung. Widmer steht von Beginn an auf dem Platz, wird allerdings in der 72. Minute ausgewechselt. Die dramatischen Szenen des anschliessenden Penaltyschiessens muss er von aussen mitverfolgen.

Ein Schuss entscheidet über alles. Hält Yann Sommer den letzten Penalty von Superstar Kylian Mbappé, steht die Schweiz im Viertelfinal. Mbappé läuft an, schiesst – und dann folgt jener Satz, der sich ins kollektive Schweizer Fussballgedächtnis eingebrannt hat: «Sommer hält!», schreit SRF-Kommentator Sascha Ruefer. Die Sensation ist perfekt. Die Schweiz wirft Weltmeister Frankreich aus dem Turnier und stürmt in den Viertelfinal. «Das war das emotionalste Spiel meiner ganzen Karriere», sagt Widmer rückblickend.

Der bittere Abschied vom internationalen Fussball

WM 2026, Kansas City, USA. Die Schweiz trifft im Viertelfinal auf den amtierenden Weltmeister Argentinien. Alles ist angerichtet für ein Sommermärchen. Silvan Widmer verfolgt die Partie zunächst von der Bank aus und muss zusehen, wie sein Teamkollege Breel Embolo beim Stand von 1:1 nach einem kontroversen Schiedsrichterentscheid die Rote Karte sieht.

Widmer wird daraufhin in der 85. Minute eingewechselt. 35 Spielminuten später zieht er zum letzten Mal das Schweizer Trikot aus. Rund um diese Zeit hätten auch seine Gedanken über einen Nati-Rücktritt begonnen. Ob Widmer unterbewusst bereits klar war, dass dies sein letztes Spiel sein würde, bleibt offen.

Er selbst sagt, das Ausscheiden habe sich nicht anders angefühlt als in früheren Jahren: «Ausscheiden ist immer sehr bitter und emotional. In den letzten Jahren waren wir jeweils einen kleinen Schritt davon entfernt, weiterzukommen.»

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