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Champions League

Grösser geht es nicht: Ein Schweizer pfeift den Knüller zwischen PSG und Bayern München

Sandro Schärer gilt seit Jahren als bester Schiedsrichter der Schweiz. Nun kommt er auch international zu grossen Ehren: Von der Uefa wird er für den Champions-League-Halbfinal aufgeboten. Der 37-Jährige wandelt damit auf den Spuren von Massimo Busacca.
Einst wollte Schärer als junger Fussball dem Schiedsrichter nur helfen, inzwischen ist aus ihm selber einer geworden.
Bild: Salvatore Di Nolfi

Jeder fängt mal klein an. Natürlich war das auch bei Sandro Schärer nicht anders. Als Teenager pfiff er seinen ersten Match, ein 3.-Liga-Spiel der Frauen. Schärer war heillos überfordert. Derart, dass er sich fragte, ob das wirklich eine so gute Idee gewesen war, mit der Trillerpfeife auf dem Platz stehen zu wollen.

Zur Schiedsrichterei hatte ihn ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn geführt, wie Schärer später dem «Tages Anzeiger» erzählte. Der Bub aus Buttikon SZ spielte Fussball, wie das Jungs in seinem Alter eben tun, regte sich zuweilen fürchterlich auf und reklamierte beim Unparteiischen. Nicht um diesen zu schikanieren, nein: «Ich hatte das Gefühl, ich könne und müsse dem Schiri helfen.» Kurz darauf versuchte sich Schärer selbst als Spielleiter. Er überstand die Horrorshow beim erwähnten Frauen-Match, probierte es nochmals. Und nochmals. Von da an fühlte er sich mit jedem Spiel weniger überfordert.

Ein meisterhafter Kommunikator

Heute ist Schärer unbestritten der beste Schweizer Schiedsrichter. Sein Talent fürs «Schnurre», wie er es sich vor Jahren selbst beschied, hat er sich beibehalten. An einer Gesprächsrunde vor ein paar Tagen, zu welcher der Schweizerische Fussballverband geladen hat, ahnt man, wie es Schärer so weit gebracht hat. Der 37-Jährige ist ein meisterhafter Kommunikator. Einer, der seinem Gegenüber das Gefühl gibt, als gelte diesem die ungeteilte Aufmerksamkeit. «Mir ist es egal, ob ein 45-jähriger Senior auf dem Platz steht oder ein Weltstar», sagt Schärer einmal während des Gesprächs, «ich behandle jeden gleich.»

Anlass der Medienrunde im Haus des Fussballs ist Schärers Nomination für die anstehende Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko. Es ist das Ende einer 16 Jahre währenden Durststrecke: Schärer wird der erste Schweizer seit Massimo Busacca sein, der an einer WM-Endrunde Spiele leitet. «Ich habe ein Lebensziel erreicht», sagt Schärer. Und verschweigt nicht, dass es einer Enttäuschung gleichgekommen wäre, nicht nominiert zu werden. Zu steil ist die Karriere des Schwyzers in den letzten Jahren verlaufen. Bereits 2024 war er bei der EM an einem Grossturnier als Hauptschiedsrichter vertreten, seither pfiff er unter anderem den Supercup zwischen Real Madrid und Atalanta Bergamo und arbitrierte den Nations-League-Final zwischen Portugal und Spanien.

Keine Angst vor grossen Namen: 2025 pfiff Schärer den Nations-League-Final zwischen Portugal und Spanien.
Bild: Imago

Als es im Gespräch um Einordnung geht, um die Tücken des Schiedsrichterberufs, um Druck, Adrenalin, schlaflose Nächte, Lob und Kritik – da ahnt Schärer noch nicht, dass sein Name bald ein zweites Mal in einem Zug mit Busacca genannt werden würde. Am Sonntag verkündet der europäische Fussballverband Uefa, dass Schärer für das heutige Halbfinal-Hinspiel in der Champions League zwischen Paris Saint-Germain und Bayern München aufgeboten ist. Für Schärer wird es in dieser Saison bereits sein vierter Einsatz in der europäischen Königsklasse sein. Doch selbstredend ist der Vergleich der derzeit besten Klubmannschaften der Welt, der als vorgezogener Final gelten darf, der vorläufige Höhepunkt. Grösser geht es nicht.

Ein gutes Omen für Schärer?

Auch in deutschen Medien wird der «aufstrebende Referee», wie etwa «Sport 1» schreibt, nun zum Thema. Wenig erstaunlich bleibt dabei nicht unerwähnt, dass Schärer bereits in der Vorsaison eine Partie mit Beteiligung von Bayern München pfiff. Eine, die 1:2 verloren ging: das Viertelfinal-Hinspiel gegen Inter Mailand nämlich. Immerhin beschied der «Kicker» dem Schweizer damals eine tadellose Leistung: «Ohne entscheidende Fehler, souveräne Kommunikation und eine klare Linie, die dem Spiel guttat», schrieb das Fachmagazin.

Wenn Schärer will, darf er das als gutes Omen deuten. Wobei das mit dem «Omen» auch eine gefährliche Sache sein kann. Als mit dem erwähnten Busacca 2010 zuletzt ein Schweizer einen Halbfinal in der Champions League leitete, folgte alsbald die jähe Ernüchterung. Lediglich in einem WM-Spiel kam Busacca zum Einsatz, nach der Gruppenphase musste der Tessiner die Heimreise antreten. Es ist Schärer zu wünschen, dass ihn nicht dasselbe Schicksal ereilen wird.

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