
Es hätte für die nach Lausanne angereisten GC-Fans ein feierlicher Fussballabend werden sollen. Das Cup-Halbfinal gegen den unterklassigen Stade Lausanne-Ouchy bot den Grasshoppers die Chance, eine bislang miserable Saison doch noch zu retten. Eine Chance, mit etwas Zuversicht auf die kommenden Wochen zu blicken, in denen nicht nur der Abstiegskampf wartet, sondern eben auch das Cupfinal in Bern.
Nach dem wichtigen Sieg gegen Winterthur, mit dem sich Gernot Messners Truppe vom direkten Abstiegsplatz absetzen konnte, reisten die Zürcher immerhin mit viel Selbstvertrauen in die Pontaise. Doch es sollte anders kommen.
Enttäuschender Auftritt der Grasshoppers
Im ersten Durchgang fand GC nach einer schwachen Startphase mit wenig Ballbesitz immer besser ins Spiel. In der 35. Minute hatte Sven Köhler die beste Chance des Spiels, doch sein Kopfball traf nur die Torumrandung. Stade Lausanne-Ouchy schien sich, je länger das Spiel andauerte, immer mehr mit der Aussenseiterrolle zufriedenzugeben.
Umso überraschender war es, dass die Zürcher nach der Halbzeit sichtlich gehemmt und passiv auf den Platz zurückkehrten. In der 52. Spielminute liess Landry Nomel gleich drei GC-Spieler stehen und schlenzte den Ball danach von der Strafraumgrenze unhaltbar ins obere rechte Eck.

Eine grosse Reaktion seitens der Zürcher blieb daraufhin aus. Zwar erhöhten die Grasshoppers den Druck gegen die Gastgeber, die sich fortan auf das Verwalten des Resultats konzentrierten. Doch mit Ausnahme von Michael Freys Kopfball in der 65. Minute kam GC zu keiner nennenswerten Torchance mehr. Es war ein insgesamt enttäuschender Auftritt.
Wenige Minuten vor Schluss geriet GC dann auch noch in Unterzahl. Nach einer Notbremse von Sven Köhler blieb Schiedsrichter Sandro Scherrer keine andere Wahl, als den GC-Verteidiger vom Platz zu stellen. Der endgültige Stich ins Herz folgte in der 90. Minute, als Vasco Tritten einen Eckball direkt ins GC-Tor zirkelte.
Abrashi: «Es ist ein schwarzer Tag für uns»
Während die Gastgeber in Ekstase jubelten, liessen die GC-Fans ihrem Frust freien Lauf. Einige Anhänger stürmten auf das Feld, andere warfen Pyros in Richtung Stewards. Das Spiel musste zwischenzeitlich unterbrochen werden. Als sich die GC-Spieler nach der Partie von den angereisten Fans verabschieden wollten, wurden sie mit einem lauten Pfeifkonzert weggeschickt.

«Die Pfiffe sagen alles», sagte GC-Captain Amir Abrashi nach der Partie. «Wenn du so gegen Lausanne-Ouchy niedergehst, dann hast du es nicht verdient, ins Final zu gehen. Es ist ein schwarzer Tag für uns.» Während Abrashi sein Verständnis für die Enttäuschung der Fans äusserte, zeigte er Unverständnis für die eigene Leistung. «Wir wussten, wir haben eine grosse Chance, um ins Final zu kommen. Aber wir haben eine Leistung hingelegt, die nicht verständlich ist. Es war von allen zu wenig, bei mir angefangen.»
Stade Lausanne-Ouchy könnte der erst zweite unterklassige Cupsieger werden
Während sich Abrashi und seine Teamkollegen über die verpasste Chance ärgern, dürfen die Spieler von Stade Lausanne-Ouchy über einen Grosserfolg freuen. Das Team von Dalibor Stevanovic ist der erste Unterklassige seit 23 Jahren, der in einer einzigen Cupsaison – mit Winterthur, Luzern und GC – gleich drei Super-Ligisten wirft. Noch bedeutender: Stade Lausanne-Ouchy steht zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte im Cupfinal.

Dort treffen die Waadtländer am 24. Mai im Wankfdorf auf Ligakonkurrent Yverdon oder St. Gallen. Gewinnt Lausanne-Ouchy auch diese Partie, wären sie nach Sion (2006) erst der zweite Unterklassige, dem die Cupsensation gelingt.


Kommentare
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien, die Kommentare werden von uns moderiert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.