
In jedem Spiel gibt es spielentscheidende Schlüsselszenen, welche in Erinnerung bleiben. Was von ihnen bleibt, ist der ewige Konjunktiv: Hätte der FC Winterthur gewonnen, dann wäre der Abstiegskampf nochmals richtig spannend geworden. Hätte Remo Arnold in der 25. Minute Michael Frey nicht mit zu Boden gerissen, dann hätte Winterthurs Ausgleichstreffer gezählt und die Partie neu lanciert worden. Hätte Winterthur in der 18. Minute beherzter gegen Mouhamed Ngom, Allan Arigoni und schliesslich Jonathan Asp Jensen verteidigt, hätte der Däne nicht so kompromisslos abziehen und seine Farben in Führung bringen können. Schlussendlich aber sprechen die Tatsachen für sich: Die Grasshoppers gewannen dank der Tore von Asp Jensen und Michael Frey 2:0 und atmen auf, während Winterthur hadert.
Vor dieser Partie sprach die Ausgangslage keineswegs für den Rekordmeister. Es setzte drei Niederlagen in Folge mit insgesamt 14 (!) Gegentoren ab. Sportchef Alain Sutter fand die deutlichsten Worte: «Du kannst den Esel nur bis zum Wasser führen, saufen muss er selbst.». Mit diesem etwas plumpen Sprichwort forderte Sutter von seinen Spielern, dass sie den Schalter selbst umlegen müssen. Auch die Tatsache, dass Amir Abrashi zum ersten Mal seit dem ersten Spieltag wieder in der Startelf stand, setzte ein deutliches Zeichen.
Scheinbar ist die Forderung angekommen, denn gegen Winterthur zeigen die Grasshoppers wieder Biss, Durchsetzungsfähigkeit und Kampfeswille. Und belohnen sich mit einem Sieg, der sie einerseits fast sicher vor dem direkten Abstieg rettet und andererseits nach der Niederlage des Stadtrivalen FC Zürich zumindest wieder in Schlagdistanz des rettenden zehnten Platzes bringt. Abrashi war nach dem Spiel sichtlich zufrieden: «Wir standen mit dem Rücken zur Wand. Die Jungs haben das begriffen und ich bin froh, dass wir jetzt einen Schritt nach vorne machen konnten.»

Auf der anderen Seite sieht es für Winterthur nun sehr düster aus. Bei fünf verbleibenden Partien beträgt der Rückstand auf die Barrage satte acht Punkte. In der Relegation Round braucht es ein kleines Wunder, damit Winterthur den Kopf noch aus der Schlinge ziehen kann.
Umso mehr schmerzt diese Niederlage, denn Winterthur war keinesfalls unterlegen. Vor allem Andrin Hunziker war im Spiel nach vorne ein Aktivposten, zu seinem zehnten Saisontreffer reichte es schlussendlich aber nicht.
Ein kleiner Lichtblick bleibt den Winterthurern: Drei von fünf Spielen in der Relegation Group werden auf der heimischen Schützenwiese ausgetragen. Und: Der FCW weiss, wie man sich aus einer scheinbar aussichtslosen Lage wieder befreit. Schon letzte Saison lag Winterthur abgeschlagen am Tabellenende und schaffte den direkten Klassenerhalt doch noch. Damals resultierten aus den letzten sieben Spielen satte fünf Siege. Allein in der Relegation Round konnte Winterthur zehn Punkten holen und so das Fortbestehen in der Super League sichern. Stand jetzt wiegen aber die mittlerweile 22 Niederlagen und 86 Gegentore zu schwer.
Auch Remo Arnold zeigt sich nach dem Spiel kämpferisch: «Aufgeben ist keine Option. Wir müssen uns jetzt schütteln, aufrappeln und alles geben. Das sind wir dem Verein, den Fans und uns selbst schuldig. Und am Schluss wird abgerechnet.»

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