Fussball

Reuteler führt die Schweiz zum Sieg in Nordirland – und ärgert sich danach: «Ich bin mega unzufrieden»

Dank zweier Torbeteiligungen von Géraldine Reuteler gewinnt die Schweiz in Nordirland 2:1 und schliesst die WM-Qualifikation als bestes Team der Liga B ab. Die Leistung der Nati gibt dennoch zu reden.
Die Schweizerinnen jubeln über den knappen Sieg in Nordirland.
Bild: EPA

Ein Tänzchen an der Seitenlinie und eine mustergültige Vorlage für Smilla Vallotto: Reutelers Assist in der 40. Minute zum 2:0 ist der Höhepunkt aus Schweizer Sicht eines umkämpften Spiels in Nordirland. Das 1:0 hatte die Nidwaldnerin mit einem satten Abschluss selbst erzielt. Der Ball landete dabei glücklich vor ihren Füssen.

Doch weil die Schweiz in der zweiten Hälfte erschreckend schwach agiert und Nordirland durch die eingewechselte Emily Cassap bei ihrem Länderspiel-Debüt zum Anschluss kommt, muss das Nationalteam sogar noch um den Sieg zittern. Am Ende gewinnen die Schweizerinnen das letzte Gruppenspiel der WM-Qualifikation in Lurgan zwar mit 2:1, doch die Stimmung ist danach nicht gut.

Besonders trifft dies auf Géraldine Reuteler zu. Trotz Tor und Assist hadert die 27-Jährige: «Ich bin mega unzufrieden, auch mit mir selber. Zwar bin froh, dass ich ein Tor machen konnte und einen Assist geben, aber ich habe mir mehr vorgenommen», sagt sie gegenüber SRF. «Das Spiel war etwas unbefriedigend. Wir sind das beste Team der Liga B und haben unser Ziel erreicht, aber es fühlt sich gerade nicht so gut an. Wir wurden am Schluss sehr hektisch und haben unnötige Fehler gemacht.»

Ist die beste Schweizerin beim Sieg in Nordirland: Géraldine Reuteler.
Bild: Freshfocus

Dabei war die Nidwaldnerin noch die auffälligste Spielerin eines offensiv harmlosen Teams. Sie, die in Frankfurt bereits verabschiedet wurde und Medienberichten zufolge vor einem Wechsel zu Arsenal steht, hat immer wieder für Tempo gesorgt. Insgesamt aber kam vom Schweizer Team insbesondere in der zweiten Hälfte viel zu wenig.

Wälti sieht Licht und Schatten

Das sieht auch Captain Lia Wälti so: «Über die zweite Halbzeit müssen wir nicht diskutieren, das war auf jeden Fall ungenügend. Wir waren oft überhastet und haben viele Bälle verloren.» Doch die Mittelfeldspielerin zieht auch positive Schlüsse über den Auftritt in Nordirland: «Die erste Halbzeit war gut, die Bedingungen hier waren schwierig.»

Einig sind sich die Beteiligten darüber, dass das Schweizer Team unter dem neuen Nationaltrainer Rafel Navarro nicht gelingt, den spielerisch überzeugenden 6:1-Sieg gegen Malta am Freitag in Lugano zu bestätigen. Noch greift das neue System von Nationaltrainer Rafel Navarro nicht in allen Phasen – zumindest nicht, wenn die Gegnerinnen mehr Gegenwehr leisten als am Freitag das Team von Malta.

Viel Kampf: Leila Wandeler (rechts) im Duell mit der Nordirin Rebecca Holloway.
Bild: Freshfocus

Navarro rotiert in Nordirland leicht, so erhalten Lia Kamber, Julia Stierli und Leila Wandeler die Chance in der Startelf. Besonders ins Auge sticht derweil die Personalie im Tor: Elvira Herzog steht erstmals in einem Pflichtspiel unter dem neuen Nationaltrainer zwischen den Pfosten. Der Spanier will sich öffentlich noch nicht auf eine Hierarchie zwischen den Torhüterinnen festlegen, möglicherweise auch, weil die bisherige Nummer 1 Livia Peng bei Chelsea meist nur Ersatz ist. Herzog ist jedenfalls zur Stelle, wenn sie gebraucht wird. In den Startminuten pariert sie einen Abschluss von Danielle Maxwell stark, beim einzigen Tor der Nordirinnen ist sie aber machtlos.

Der lange Weg nach Brasilien

Von Copacabana-Feeling ist in Nordirland nicht nur wegen der schwierigen meteorologischen Bedingungen wenig zu spüren. Die Schweizerinnen sind spielerisch noch weit von der WM 2027 entfernt. Und auch der tatsächliche Weg ins Fussballland der Träume bleibt trotz des Gruppensiegs lang.

Mindestens zwei Playoff-Runden gilt es zu überstehen, danach könnten interkontinentale Playoffs folgen. Wer davon betroffen sein wird, hängt von den in der Qualifikation gesammelten Punkten ab. Als bestes Team der Liga B hat sich die Nati aber eine gute Ausgangslage verschafft. Insofern könnte sich der Sieg in Nordirland noch als wertvoll erweisen.

Nordirland – Schweiz 1:2 (0:2)
Mourneview Park, Lurgan. 
Tore: 29. Reuteler 0:1. 41. Vallotto 0:2. 85. Cassap 1:2.
Schweiz: Herzog; Crnogorcevic (46. Riesen), Calligaris, Stierli, Maritz; Reuteler, Wälti (92. Muratovic), Kamber; Wandeler (82. Andrade), Vallotto (67. Pilgrim); Piubel (82. Sow).
Bemerkungen: Schweiz ohne Schertenleib (angeschlagen), Xhemaili (krank) und Csillag (private Gründe). – Verwarnung: 37. Crnogorcevic.

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