Mit einer 1:6-Klatsche verabschiedete sich die von Krankheit geplagte Schweizer Nati von der WM 2022 in Katar. Eine der schmerzlichsten Niederlagen der Ära Yakin, wenn nicht sogar der Schweizer Fussballgeschichte. 2026 stehen die Vorzeichen ganz anders. Während die Nati nach dem 2:0-Sieg gegen Algerien in Vancouver verweilen konnte, musste Kolumbien nach dem 1:0-Kampfsieg gegen Ghana sogleich aus Kansas City abreisen. Dazu profitierte die Schweiz von einem zusätzlichen Ruhetag.
Das kolumbianische Lazarett
Aber damit nicht genug: Mussten vor dreieinhalb Jahren noch mehrere Schweizer gegen Portugal aussetzen, treibt nun im Lager der Kolumbianer ein Grippevirus sein Unwesen. Fast schon eine Ironie des Schicksals. Bereits im Sechszehntelfinal gegen Ghana hatten «Los Cafeteros» Schwierigkeiten, so musste beispielsweise Superstar James Rodriguez früh angeschlagen ausgewechselt werden. Wie viele Spieler genau betroffen sind, ist nicht bekannt.
Allerdings konstatierte Kapitän Rodriguez nach dem überstandenen K.O.-Spiel: «Es geht ein Virus um, der wirklich hartnäckig ist. Viele von uns spüren die Auswirkungen.». 2500 Kilometer und zwei Zeitzonen trennen das heisse Kansas City vom kühlen Vancouver, keineswegs eine optimale Reise für eine angeschlagene Delegation. Dennoch landeten die Kolumbianer am Samstagabend auf kanadischem Boden und nahmen am Sonntag das Training wieder auf.
Nebst der Klima- und Zeitumstellung muss die Mannschaft von Néstor Lorenzo sicher auf einen Akteur verzichten: Der wuchtige Stürmer Jhon Cordoba fällt für den Rest des Turniers verletzungsbedingt aus. Gerade in solch herausfordernden Phasen greifen die Spieler gerne auf die Unterstützung ihrer Familien zurück. Der kolumbianische Verband hatte es den Familien ermöglicht, die Mannschaft während der Weltmeisterschaft zu begleiten.
Aber es kommt knüppeldick: wie die Zeitung «El Colombiano» berichtet, haben Familienmitglieder kein Visum erhalten und können somit nicht in Kanada einreisen. Gleiches gilt für zahlreiche kolumbianische Fans, welche ihre Mannschaft bisher zu Tausenden lautstark vor Ort unterstützten.
Einige Kolumbianer bleiben in den USA
Nebst Schwierigkeiten mit dem Visum müssen sich viele Fans genau überlegen, ob sie die Reise nach Kanada überhaupt antreten wollen. Denn der mögliche Viertelfinal würde wiederum in Kansas City gespielt werden, weswegen einige es vorziehen, Kosten zu sparen und in den USA zu bleiben. Somit wird die kolumbianische Mannschaft in Vancouver nur auf ein reduziertes Fanlager zählen können.
Und auch um die besten Spieler bleibt es nicht ruhig. Beispielsweise bemängeln einheimische Experten und Journalisten den Einfluss und die Autorität von Kapitän James Rodriguez während bestimmter Phasen des Spiels. Ebenso tritt Flügelspieler Luis Diaz nicht ohne Nebengeräusche an. Die Erwartungen an die Offensive und somit auch Diaz, welcher sich aktuell nicht in Topform befindet, steigen.
Trotz all diesen Nebengeräuschen, Rückschlägen und Herausforderungen blickt Kolumbien mit Zuversicht auf das bevorstehende Duell mit der Nati. Vor allem die Defensive soll gemäss den einheimischen Medien das Fundament sein, worauf der kolumbianische Erfolg aufgebaut werden soll. In der Tat hat Kolumbien an dieser WM erst ein Tor hinnehmen müssen, nämlich im ersten Gruppenspiel gegen Usbekistan.
Die äusseren Faktoren scheinen die Schweiz zu begünstigen. Doch auch ein geschwächtes Kolumbien wird brandgefährlich sein und mit aller Macht versuchen, erstmals seit 2014 wieder in den Viertelfinal vorzustossen.
Das erste und bisher einzige Aufeinandertreffen dieser beiden Länder war übrigens vor 32 Jahren. An der WM 1994 entschied Kolumbien das letzte Gruppenspiel, welches den weiteren Turnierverlauf aber nicht mehr gross beeinflusste, mit 2:0 für sich.





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