Fussball-WM 2026

Nati-Gegner Katar: Vier Trainerwechsel innert Kürze und 25 Spieler aus der eigenen Liga

Nach der Heim-WM 2022 qualifizierte sich Katar nun erstmals auf sportlichem Weg für die Weltmeisterschaft. Ein Sieg für die Nati am Samstag um 21 Uhr in San Francisco ist Pflicht. Doch ist es wirklich ein Selbstläufer?

0:2 gegen Ecuador, 1:3 gegen Senegal und 0:2 gegen die Niederlande. So lautete 2022 die ernüchternde Bilanz des WM-Gastgebers Katar nach drei Gruppenspielen. Als Letzter, mit einem Torverhältnis von 1:7 und dem schlechtesten Resultat eines WM-Heimteams der Geschichte schied Katar vor vier Jahren sang- und klanglos aus. 2026 hat es der Wüstenstaat nun aus eigener Kraft an die WM geschafft. Vor dem Spiel gegen die Schweiz stellt sich die Frage: Wie stark ist dieses Katar wirklich? Und kann Trainer Julen Lopetegui seine Erfahrung ausspielen?

Der amtierende Asien-Meister fordert die Schweiz in San Francisco.
Bild: Noushad Thekkayil

Als Asien-Meister gerade noch durchgerutscht

Die Eindrücke von Katar sind in der Tat zwiespältig. Einerseits ist da die durchzogene Qualifikation für dieses Turnier. In Asien erfolgt diese über mehrere Runden. Die zweite Runde meisterten die Katarer problemlos, in der dritten Runde haperte es dann gewaltig und Katar verpasste die ersten beiden Plätze deutlich. So musste Katar noch in eine Zusatzrunde und setzte sich schlussendlich gegen den Oman und die Vereinigte Arabische Emirate in drei Spielen doch noch durch – wobei das Team dabei stets Heimvorteil genoss.

Andererseits sind die Katarer auf dem eigenen Kontinent durchaus erfolgreich, wurden sie doch 2019 Asien-Meister und schafften 2024 sogar die erfolgreiche Titelverteidigung. Dennoch verdankt Katar seine WM-Teilnahme vor allem dem vergrösserten Teilnehmerfeld: Denn durch diese stehen dem Asiatischen Verband nun viel mehr Startplätze zu – neun Länder sind an der WM 2026 dabei (2022: vier).

Auch die Vorbereitung auf die WM verlief alles andere als wunschgemäss: Katar wartet seit dem letzten Oktober auf einen Pflichtspielsieg, unter anderem verlor man gegen Simbabwe und spielte unmittelbar vor der Abreise Unentschieden gegen El Salvador. Ebenfalls beachtlich: während der Qualifikation verschleuderte Katar gleich vier Trainer. Der aktuelle Trainer Julen Lopetegui beerbte seinen Landsmann Luis García im Mai 2025.

Spanien, Real Madrid, West Ham und nun Katar

Dieser Lopetegui ist keineswegs ein unbeschriebenes Blatt, im Gegenteil:  Im Juli 2016 wurde er als Nationaltrainer Spaniens engagiert und führte «La Furia Roja» souverän und ohne Niederlage an die WM 2018. Als allerdings bekannt wurde, dass er nach der WM bei Real Madrid anheuern würde, wurde Lopetegui zwei Tage vor dem Auftaktspiel gegen Portugal entlassen. In Madrid beerbte er Zinédine Zidane, welcher nach dem Champions-League-Hattrick der Madrilenen zurückgetreten war. Im Oktober 2018 wurde Lopetegui nach einer 1:5-Niederlage gegen den FC Barcelona wieder entlassen.

Die WM-Generalprobe missglückte gründlich. In Irland setzte es für Lopetegui eine 0:1-Niederlage.
Bild: Brian Lawless

Darauf folgte ein Engagement beim FC Sevilla und damit auch sein grösster Erfolg als Trainer, nämlich der Gewinn der Europa League 2020. Nach einem Zwischenhalt in Wolverhampton wurde er im Juli 2024 Trainer von West Ham United - nur um ein halbes Jahr später abermals entlassen zu werden.

Nun soll Lopetegui für ein besseres WM-Ergebnis als vor vier Jahren sorgen. In der Gruppe mit der Schweiz, Bosnien und Kanada ist zwar vieles möglich, doch es stellt sich die Frage, ob mit einer Mannschaft, bei der der Trainer mit Abstand die bekannteste Persönlichkeit ist, viel zu holen ist. Denn vom 26-Mann-Kader der Katarer spielen ganze 25 Spieler in der heimischen Liga. Einzig Abwehrspieler Homam Ahmed spielt in der zweiten spanischen Liga bei Cultural Leonesa. Der Marktwert des gesamten Kaders beträgt übrigens knapp 20 Millionen Euro, etwa so viel wie Noah Okafor. Im Klartext: Katar ist der krasse Aussenseiter. Sowohl gegen die Schweiz, als auch danach gegen Kanada und Bosnien.

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