Fussball

«Hier zu treffen, bedeutet mir sehr viel»: Beney jubelt beim Nati-Sieg gegen Israel – Proteste auf den Rängen

Die Schweizer Fussballerinnen siegen gegen Israel mit 2:0. Für grösseren Diskussionsstoff sorgen Palästina-Fahnen im Publikum.

Im Vorfeld der Partie zwischen der Schweiz und Israel wurde viel über Sicherheitsthemen diskutiert. Vor dem Stadion bleibt es zunächst ruhig. Auf den Rängen kommt es dagegen zu politischen Protesten. Bei der israelischen Nationalhymne ist eine Palästina-Fahne auf der Gegentribüne zu sehen. Dazu der Ruf: «Free, Free Palestine.»

Wenige Minuten später zeigen Protestierende im Schweizer Fanblock eine grosse Palästina-Fahne und brennen Pyros ab. Auf Transparenten stehen Sätze gegen Israel, etwa: «Show Israel the red Card». Dazu präsentieren die Protestierenden rund ein Dutzend palästinensische Fahnen. Die Sicherheitskräfte greifen schliesslich nach einigen Minuten doch noch ein und begleiten die Protestierenden nach draussen.

Iman Beney lässt das Walliser Publikum jubeln

Anschliessend dreht sich das Spiel ganz um den Sport. Im Gegensatz zum verrückten 7:3 im Hinspiel wird das Rückspiel eine deutlich weniger spektakuläre Angelegenheit. Die Schweizerinnen laufen dabei nie in Gefahr, die zweite Playoff-Runde noch zu verspielen.

Immerhin zweimal können sich die Schweizer Fans über einen Torerfolg freuen. Nach einer Flanke von Géraldine Reuteler köpfelt Iman Beney die Schweiz zur 1:0-Führung. Ausgerechnet Beney, für die die Partie in Sion ein echtes Heimspiel ist. Sie hatte deshalb die Ehre, vor Anpfiff die Teamansprache zu halten. «Ich habe einfach gesagt, dass wir füreinander kämpfen sollen», erzählt die 20-jährige Walliserin mit einem Lächeln im Gesicht. «Das haben wir auf dem Platz auch gemacht.»

Nach ihrem Torerfolg formt sie mit ihren Händen ein Herz. Familie und Freunde sind im Stadion. «Hier zu treffen, bedeutet mir natürlich sehr viel», sagt sie. Vielleicht auch wegen der besonderen Motivation ist Beney, die anders als am Freitag wieder auf ihrer geliebten Flügelposition auflaufen darf, der grösste Aktivposten im Schweizer Team. Schon in der Startphase hat sie nach einer Flanke von Nadine Riesen eine wunderbare Direktabnahme. Kurz vor der Pause verpasst sie aus guter Distanz mit ihrem Schlenzer das 2:0. Nach knapp einer Stunde ist Schluss für die Walliserin.

Den zweiten grossen Auftritt hat Julia Stierli. Die Aargauerin, die unter Rafel Navarro zuletzt nicht immer spielte, darf in der Innenverteidigung auflaufen. Sie rechtfertigt dies mit einer defensiv soliden Leistung. Und in der 92. Minute schnappt sie sich den Ball bei einem Freistoss. Zunächst plante sie, einen Pass zu spielen. «Dann war dieser Passweg zu», erzählt sie. Mit ihrem starken linken Fuss versenkt sie den Ball wunderbar ins Netz. «Es freut mich natürlich sehr», sagt sie später. Das 2:0 in der Nachspielzeit ist der Schlusspunkt eines glanzlosen, aber souveränen Schweizer Sieges gegen ein schwaches Israel.

Es ist bei weitem kein Feuerwerk, das die Nati in Sion abfeuert. Aber die Schweizerinnen lassen Ball und Gegnerinnen laufen. Sie dominieren, in der ersten Hälfte haben sie 77 Prozent Ballbesitz. Nur wegen der mangelnden Entschlossenheit im Abschluss fällt der Schweizer Sieg nicht höher aus.

Aber fast noch wichtiger: Das Schweizer Nationalteam bleibt ohne Gegentreffer.  Vor dieser Partie ist ihnen das unter Rafel Navarro in diesem Jahr erst einmal gelungen. Und das, obwohl die Nati bislang ausschliesslich auf Gegnerinnen getroffen war, die auf dem Papier schwächer einzuschätzen sind als das Nationalteam. «Wir haben die Kontrolle des Spiels gehabt, deshalb freue ich mich über diesen Auftritt», analysiert nach dem Spiel ein zufriedener Schweizer Nationaltrainer Rafel Navarro.

Besonders glücklich sind nach dem 2:0-Heimsieg auch die Abwehrspielerinnen. «Ich bin einfach erleichtert, dass wir defensiv so wenig zugelassen haben und zu Null gespielt haben», sagt Innenverteidigerin Viola Calligaris. «Nun dürfen wir uns auf die zweite Playoff-Runde vorbereiten. Das war unser grosses Ziel.»

Die Schweiz trifft nun auf Österreich

In rund eineinhalb Monaten kommt es zum Duell mit Österreich im zweiten und möglicherweise letzten Playoff-Duell. Die Österreicherinnen gewinnen das Rückspiel gegen Kosovo mit 4:0 und qualifizieren sich damit mit dem Gesamtskore von 6:1 ebenfalls für die nächste Playoff-Runde.

Dabei werden die Österreicherinnen auf jeden Fall ein anderer Gradmesser als die am Ende bescheidenen Israelinnen. «Wir wissen, dass dann ein ganz anderes Team auf uns wartet», sagt Julia Stierli. Und Trainer Navarro kündet an: «Es wird ein sehr schwieriges Playoff. Aber wir haben ein gutes Niveau und ein gutes Team. Deshalb können wir uns qualifizieren.» Der Optimismus ist gross.

Schweiz – Israel  2:0 (1:0)
Stade de Tourbillon, Sion. – 3'548 Zuschauende
Tore: 30. Beney (Reuteler) 1:0. 92. Stierli 2:0.
Schweiz: Peng; Riesen, Calligaris, Stierli, Maritz (58. Wandeler); Wälti; Kamber, Schertenleib (66. Bienz); Reuteler (66. Lehmann), Beney (58. Vallotto); Xhemaili (82. Fölmli).
Bemerkungen: Schweiz ohne Csillag und Herzog (verletzt). – Verwarnung: 77. Calligaris (Foul).

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