Fussball

«Ich habe geträumt, ich mache ein Fallrückziehertor»: Xhemaili erlöst die Nati gegen Israel

Die Schweizerinnen gewinnen das WM-Playoff-Hinspiel nach langem Zittern mit 7:3. Riola Xhemaili sorgt mit einem Kopfball und einem Fallrückzieher für die Wende, Lia Kamber trifft spät ebenfalls doppelt. Doch die Defensive bereitet Sorgen.

Riola Xhemaili hat sich in die Geschichte des Schweizer Fussballs eingetragen. An der Heim-EM 2025 schoss sie mit ihrem Tor in der Nachspielzeit gegen Finnland im letzten Gruppenspiel die Schweiz in das Viertelfinale – und versetzte das Land in eine Euphorie.

Nun trifft sie erneut entscheidend – und wie. «Ich habe gestern geträumt, ich mache ein Fallrückziehertor», erzählt sie gegenüber SRF. «Deshalb dachte ich: Ich mache es jetzt einfach.» Mit ihrem Treffer zum 5:3 verschafft sie der Nati in einer turbulenten Partie Luft. Zuvor hat sie bereits per Kopf das 4:3 erzielt. Zwei Treffer von Lia Kamber in der Nachspielzeit sorgen schliesslich für einen deutlichen 7:3-Sieg – nach einer lange alles andere als überzeugenden Vorstellung.

Nati spielt in Trauerflor

Die Kulisse könnte kaum unterschiedlicher sein als damals an der Heim-EM in Genf. An diesem Freitagnachmittag bleiben die Ränge im ungarischen Mezőkövesd beinahe leer. Schon die Anspielzeit um 15.30 Uhr ist ungewohnt. Dazu kommen die politischen Debatten im Vorfeld. Nach der Schweigeminute im Abschlusstraining tragen die Schweizerinnen auch während des Spiels Trauerflor – im Gedenken an Kriegsopfer weltweit.

Das sportliche Ziel ist klar: Die Nati will der WM 2027 in Brasilien einen entscheidenden Schritt näherkommen. Doch sie macht sich die Aufgabe mit ihren defensiven Fehlern unnötig schwer. Captain Lia Wälti hatte vor der Partie noch vor naivem Verteidigen gewarnt. Trotzdem leisten sich die Schweizerinnen gravierende Fehler – und Talia Sommer nutzt sie mit drei Treffern aus.

Zunächst gelingt der Schweiz ein Auftakt nach Mass. In der 14. Minute führt eine einstudierte Eckballvariante zum Führungstor. Wälti spielt auf Sydney Schertenleib, diese legt für Géraldine Reuteler ab. Deren hoher Ball senkt sich zum 1:0 ins Netz. Doch die Führung hält nur sechs Minuten. Torhüterin Livia Peng spielt einen Fehlpass auf Sommer, die mit einem sehenswerten Schuss zum 1:1 ausgleicht.

Auch danach fehlt der Nati die Sicherheit. Ihre offensiven Aktionen sind teilweise zu zögerlich, während die Israelinnen mit Kontern gefährlich werden. Zunächst kann die als rechte Aussenverteidigerin eingesetzte Iman Beney noch mit einer Grätsche retten. Wenig später trifft sie aber statt des Balles ihre Gegenspielerin Almasri und sieht Gelb. Sommer schiesst den Freistoss aus guter Position über die Mauer zur israelischen Führung ins Netz. Auch bei diesem Gegentor sieht Peng nicht gut aus.

Ausgerechnet Beney, die defensiv zuvor unglücklich agiert hat, sorgt kurz vor der Pause für die Schweizer Antwort. Nach einem zunächst abgewehrten Eckball landet der Ball bei der Walliserin. Mit einem wuchtigen Schuss trifft sie zum 2:2.

Wälti ist «hässig», Navarro reagiert mit Wechsel

Der Ausgleich verhindert einen Pausenrückstand, besänftigt die Captain aber nicht. «Wir waren in der Halbzeit unglaublich hässig», sagt Lia Wälti. Sie selbst sei in der Pause laut geworden. «Wenn wir zeigen möchten, dass wir an die WM gehören, müssen wir einen Schalter umlegen.»

Auch personell reagiert Nationaltrainer Rafel Navarro: Die glücklose Svenja Fölmli muss raus, Nadine Riesen kommt als Aussenverteidigerin, Beney rückt nach vorne. Der Wechsel wirkt sofort: Riesens Flanke wird nur bis zu Sydney Schertenleib geklärt. Die Barcelona-Spielerin trifft in der 47. Minute mit einem herrlichen Distanzschuss zum 3:2.

Doch auch diesmal hält der Vorsprung nur sechs Minuten. Noelle Maritz trifft bei ihrem Klärungsversuch Sommer. Die Israelin kommt an den Ball, lässt Viola Calligaris aussteigen und bezwingt Peng zum dritten Mal.

Während die Nati oft den Querpass sucht – und auch dabei Fehler macht –, schalten die Gegnerinnen schnell um und gehen schnörkellos zum Abschluss. Bis dahin ist von den 40 Plätzen Unterschied in der Weltrangliste wenig zu erkennen.

Xhemailis Fallrückzieher zählt nach VAR-Überprüfung

Dann kommt Xhemailis grosser Auftritt. Nach einer präzisen Flanke von Schertenleib köpft die Solothurnerin in der 65. Minute zum 4:3 ein. Elf Minuten später legt sie nach: Nach einem Fehler der israelischen Torhüterin trifft sie per Fallrückzieher zum 5:3. Zunächst wird der Treffer aberkannt, nach der VAR-Überprüfung zählt er jedoch. In der Nachspielzeit ist Lia Kamber zweimal erfolgreich und erzielt ihre ersten Tore als Nationalspielerin. Aus einer lange umkämpften Partie wird damit doch noch ein deutlicher 7:3-Sieg.

Mit vier Toren Vorsprung hat sich die Nati eine komfortable Ausgangslage für das Rückspiel am Dienstag in Sion geschaffen. Die defensiven Fehler beschäftigen die Spielerinnen dennoch. «Unsere Gegentore waren absolute Geschenke», sagt Wälti. Auch Viola Calligaris bezeichnet die Partie als Weckruf. Die Mannschaft habe ihre Fehler teuer bezahlt und zu wenig getan, um ihrer Favoritenrolle gerecht zu werden. Für eine wahrscheinliche zweite Playoff-Runde muss die Nati vor allem defensiv stabiler werden.

Israel – Schweiz 3:7 (2:2)
Mezőkövesd, Ungarn. 
Tore: 14. Reuteler 0:1. 20. Sommer 1:1. 35. Sommer 2:1. 45. Beney 2:2. 47. Schertenleib 2:3. 53. Sommer 3:3. 65. Xhemaili 3:4. 76. Xhemaili 3:5. 91. Kamber 3:6. 93. Kamber 3:7.
Schweiz: Peng; Beney (83. Lehmann), Maritz, Calligaris, Crnogorcevic; Wälti; Reuteler (83. Vallotto), Schertenleib; Piubel (66. Kamber), Xhemaili; Fölmli (46. Riesen). 
Bemerkungen: Schweiz ohne Csillag und Herzog (verletzt). – Verwarnung: 33. Beney (Foul).

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