
Marlen Reusser verpasst an der WM in Montreal eine zweite Einzelmedaille nur knapp. Sechs Tage nach der erfolgreichen Titelverteidigung im Zeitfahren muss sich die Bernerin am Samstag mit dem undankbaren 4. Rang im Strassenrennen begnügen.
Den Sieg holte sich die niederländische Topfavoritin Demi Vollering, die sich im Zweiersprint gegen die Polin Kasia Niewiadoma-Phinney durchsetzte. Dahinter sicherte sich die Italienerin Elisa Longo Borghini Bronze. Reusser verlor auf das Podest nur vier Sekunden, auf die Siegerin acht.
Mit Sonnenbrille im Gesicht analysierte eine sichtlich enttäuschte Reusser nach dem Rennen, was zu einer Medaille gefehlt hatte. Den entscheidenden Moment habe sie in der Verpflegungszone beim Nachfüllen von Flaschen und Gels verpasst: «Den ersten grossen Move habe ich verschlafen. Das ist extrem ärgerlich.» Danach habe sie zu viel Aufholarbeit leisten müssen. «Ab da wurde das Rennen schwierig», so Reusser.
Die Tagessiegerin Vollering krönte mit ihrem allerersten WM-Titel eine herausragende Saison, in der sie bereits die Tour de France und den Giro d’Italia gewann. «Es braucht Mut, um mit dem ganzen Herzen an den Traum zu glauben», sagte die 29-Jährige nach dem Rennen. Mut bewies die Niederländerin, als sie 39 Kilometer vor dem Ziel einen Angriff startete. Zwar wurde sie von einer kleinen Verfolgergruppe nochmals eingeholt, dennoch reichten ihre Kräfte, um den Zielsprint gegen die Polin Niewiadoma-Phinney zu gewinnen.
Massensturz schaltete Titelverteidigerin aus
Für Aufregung sorgte ein Massesturz etwa bei Rennhälfte, bei dem rund 15 Fahrerinnen zu Fall kamen und auch der kanadischen Titelverteidigerin Magdeleine Vallières zum Verhängnis wurde. Vallières setzte das Rennen zwar schwer gezeichnet fort, stieg aber 30 km später vom Rad. Schwerer erwischte es die Schwedin Caroline Andersson und die Australierin Lauretta Hanson. Beide Fahrerinnen mussten mit der Ambulanz ins Spital gebracht werden.
Andersson gehe es den Umständen entsprechend gut. Das sagte der schwedische Nationaltrainer Lucas Persson am Abend gegenüber dem Sender SVT. Sie habe ein gebrochenes Schlüsselbein, sei aber ansprechbar und bei Bewusstsein. Auch die Australierin Hanson ist laut australischen Medienberichten wieder bei Bewusstsein.
Schlussränge der weiteren Schweizerinnen:
13. Steffi Häberlin
15. Noemi Rüegg
33. Ginia Caluori
50. Linda Zanetti (DNF)
50. Jasmin Liechti (DNF)


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