Fussball

Er ist der erste Schweizer bei Real Madrid – und erst 16 Jahre alt

Quim Kuhlmann wechselte vor wenigen Tagen vom FC Girona zu den Königlichen. Beim SFV gehört der Flügelspieler jedoch zu den Spätentwicklern.
Quim Kuhlmann spielt neu für Real Madrid
Bild: Instagram/quim.k_10

Der vielleicht populärste Klub der Welt schien für Schweizer Fussballer unerreichbar. Bis jetzt. Im Jahr 2003 wurde der damals 17-jährige Schweizer Innenverteidiger Philippe Senderos von Servette von mehreren europäischen Topklubs umworben, darunter auch Real Madrid. Senderos entschied sich letztlich für Arsenal. Zwölf Jahre später stand ein anderer Schweizer im Fokus der Madrilenen: 2015 berichtete die spanische Sportzeitung Marca, Real wolle Ricardo Rodríguez als möglichen Nachfolger von Fábio Coentrão verpflichten. Auch dieser Transfer kam nicht zustande.

Nun ist mit Quim Kuhlmann erstmals ein Schweizer Nachwuchsspieler tatsächlich bei Real Madrid gelandet. Ob Kuhlmann wirklich der erste Schweizer Fussballer von Real Madrid ist, lässt sich nicht abschliessend klären. Verlässliche Daten gibt es keine. Als möglicher Vorgänger gilt aber Adolfo Mengotti, der in den frühen 1920er-Jahren für die Königlichen gespielt haben soll.

Der 16-Jährige Kuhlmann, geboren am 27. Januar 2010 in Barcelona, wechselte Anfang August vom FC Girona zu den Königlichen. Kuhlmann unterschrieb einen Vertrag bis 2029 und wird künftig in der berühmten Nachwuchsabteilung La Fábrica ausgebildet. Der Teenager besitzt sowohl deutsche als auch Schweizer Wurzeln und soll Berührungspunkte mit der Region Bern haben. Seine fussballerische Ausbildung erhielt er allerdings in Katalonien, wo er auch für die Katalanische Auswahl Spiele absolvierte. Diese wird jedoch von der Uefa und der Fifa nicht als Nationalmannschaft anerkannt.

Er gilt beim SFV als Spätentwickler

Zuletzt spielte Kuhlmann beim FC Girona. Die Datenerfassungen bei den Nachwuchsteams weichen zwar oft voneinander ab. Glaubt man jedoch der Mehrheit der Aufzeichnungen, hat der 16-Jährige in der vergangenen Saison in 25 Einsätzen neun Tore erzielt. Kuhlmann ist ein Aussenspieler, der sich auf der rechten Seite wohlfühlt und sowohl als Verteidiger als auch als rechter Flügel eingesetzt werden kann. Er ist schmächtig, dafür gilt er als dynamisch und beweglich.

Diese Eigenschaften brachten ihn beim Schweizerischen Fussballverband auf den Radar. Kuhlmann gehört zum SFV-Programm «Take Your Time», das sich gezielt an sogenannte Spätentwickler richtet. Dabei erhalten Spieler, deren körperliche Entwicklung etwas später einsetzt, zusätzliche Zeit und werden unabhängig von ihrer momentanen Physis weiter beobachtet und gefördert.

Bereits im April wurde Kuhlmann zu einem Trainingscamp eingeladen. Ein Testspiel stand zu diesem Zeitpunkt nicht auf dem Programm. Im Mai folgte dann die Nomination für die Schweizer U16-Nationalmannschaft. Kuhlmann war zu diesem Zeitpunkt noch Spieler des FC Girona. Für den SFV war er damit ein Talent, dessen Entwicklung man bereits genauer verfolgt hatte.

Im Rahmen seiner Nomination im Mai kam Kuhlmann auch gleich zu seinem Debüt. Beim Spiel Österreich U16 gegen Schweiz U16 stand Kuhlmann in der Startformation. Eingesetzt wurde er in einem 3-4-3-System als rechter Flügel. Seine Aufgabe war entsprechend vielseitig: Er sollte die rechte Seite offensiv unterstützen und gleichzeitig bei Ballverlusten nach hinten arbeiten. Die Schweiz verlor die Partie 0:2.

Kuhlmann könnte auch für Deutschland spielen

Kuhlmann ist auch für Deutschland spielberechtigt. Bei seiner Nomination im Mai gab es allerdings keine Konkurrenz durch den DFB. Der SFV erklärt auf Anfrage: «Quim ist ein talentierter junger Spieler, den wir kennen und dessen Entwicklung wir aufmerksam verfolgen. Aufgrund seines jungen Alters möchten wir seine weitere Entwicklung bewusst sachlich und zurückhaltend begleiten.»

Der Transfer zu Real Madrid ist für Kuhlmann ein grosser Schritt. Eine Garantie für den Sprung in die erste Mannschaft ist er aber nicht. Martin Ødegaard wechselte einst ebenfalls als 16-Jähriger nach Madrid. Der  hochgelobte Norweger konnte in Madrid die Erwartungen nie erfüllen. Den Durchbruch zum Profi schaffte er erst auf dem zweiten Bildungsweg (Heerenveen, Arnheim, San Sebastian), eher er im letzten Frühsommer Arsenal als Captain zum ersten Meistertitel seit 22 Jahren.

Mehr zum Thema:

Kommentare (0)