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Warum die Bayern-Stars zu Unrecht hässig sind auf den Schweizer Schiedsrichter

5:4! Das Halbfinal-Hinspiel zwischen PSG und Bayern München hat alle von den Sitzen gerissen. Der Schweizer Schiedsrichter holt sich viel Lob ab, wird aber auch zum Opfer des einmal mehr falsch eingesetzten VAR. Schade!

Mitte April blickt Sandro Schärer der Fussball-Hölle in den Schlund: Soeben hat er den Cup-Halbfinal zwischen Stade Lausanne-Ouchy und GC (2:0) abgepfiffen, als Krawall-Fans des Rekordmeisters beginnen, das Stadion Pontaise auseinanderzunehmen und den Zürcher Teambus in Brand stecken wollen. Einigen gelingt es, in den Kabinenbereich einzudringen und Lausanner Spieler und Funktionäre zu bedrohen. Übelste Szenen und ein schwarzer Tag im Schweizer Fussball, an dem Schiedsrichter Sandro Schärer nach getaner Arbeit in seiner Garderobe ausharrt. Verschanzt, um dem tobenden GC-Mob nicht in die Hände zu geraten.

Zwei Wochen später: Sandro Schärer tanzt im Fussball-Himmel. Die Angst in Lausanne? Weit weg. Jetzt ist Paris. PSG gegen Bayern München. Hinspiel im Champions-League-Halbfinal. 5:4!

Der völlig erschöpfte, aber vom Erlebten beseelte PSG-Trainer Luis Enrique sagt: «Das war das beste Spiel, in dem ich als Trainer dabei war, ohne Zweifel.» Die Zeitung «Mundo Deportivo» verneigt sich: «PSG und Bayern schaffen ein Fussball-Meisterwerk.» «AS» schreibt: «Ein Wahnsinn für die Geschichtsbücher, eine Ode an den Fussball.»

Sandro Schärer weist Bayern-Star Olise den Weg. Die Münchner sind nach dem Halbfinal-Hinspiel sauer auf den Schweizer Schiedsrichter.
Bild: Christophe Ena

Superlative sind im überhitzten Fussballgeschäft an der Tagesordnung. Aber die Annahme, dass Beteiligte und das Publikum noch in 30 Jahren tatsächlich von diesem Spiel reden werden, ist für einmal keine gewagte. Und wir sind schon voller Vorfreude auf den 6. Mai, Datum des Rückspiels. Geht noch mehr Spektakel? Zur Erinnerung: Schon nach dem Viertelfinal-Rückspiel der Bayern gegen Real Madrid (4:3) schien das Maximallevel an Unterhaltung und Drama erreicht. Nach der jüngsten Bayern-Show ist diese Annahme bereits überholt.

Zurück zu Sandro Schärer: Seine Schlüsselrolle im Pariser Prinzenpark ist ein Meilenstein für das hiesige Schiedsrichter-Wesen. Weil seit 2010 (Massimo Busacca) erstmals wieder ein Schweizer mit der Leitung eines Champions-League-Halbfinals anvertraut wird. Entsprechend gebannt schaut die Fussballwelt auch auf Schärer, als er Kane, Dembélé, Vitinha, Neuer und Co. in die Manege führt.

Den Respekt der Superstars hat er schnell auf sicher. Weil er sofort drin ist im Spiel, alles korrekt entscheidet. Der Pfiff in der 16. Minute, als PSG-Verteidiger Pacho im Strafraum Luis Diaz regelwidrig zu Fall bringt, kommt blitzschnell. Am Ende gibt es Lob von allen Seiten für den Auftritt Schärers. Für den ehemaligen deutsche Spitzen-Ref Manuel Gräfe ist es kurz und knapp ein «Weltklasse-Auftritt».

Doch nicht alle Deutschen jubeln. Einige nörgeln trotzdem. Und sehen im Schweizer Schiedsrichter den Schuldigen für ihren Frust. «Er war in den einigen Momenten gegen uns», so Jonathan Tah. «Höchst diskutabel, das ist kein Elfmeter», schimpft Bayern-Trainer Vincent Kompany.

Grund: In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit entscheidet Schärer auf Penalty für PSG. Nicht direkt, sondern nach Konsultation der Videobilder. Und zu dieser, so die Meinung im Bayern-Lager, hätte es nicht kommen dürfen. Schärer lässt erst weiterspielen, nachdem ein Flankenball von Dembélé an der Hand von Davies landet. Weil er wohl sieht, dass das Spielgerät zuerst den Oberschenkel des Bayern-Verteidigers berührt.

Wäre es normal weitergegangen, hätten im Nachgang einige Pariser geschimpft, aber Schärers Entscheid wäre vertretbar gewesen. Das ist er auch so, nach der Kehrtwende. Es gibt Argumente für «Penalty» und «kein Penalty». Letztlich hat der Druck auf Schärer, nach dem Gang an den Bildschirm seine ursprüngliche Entscheidung revidieren zu müssen, zum Penaltypfiff geführt.

Schärer ist in die klassische VAR-Falle getappt. Schade. Dem Feld-Schiedsrichter wird einmal mehr die Hoheit über das Geschehen geraubt. Der Videobeweis sollte den Erfindern zufolge nur bei indiskutablen Fehlentscheidungen zum Zuge kommen. Eine solche ist das nicht geahndete Handspiel von Davies definitiv nicht. Schärers Pech: Er wird in Paris nicht von seinem gewohnten VAR begleitet, von Landsmann Fedayi San, sondern von einem unerfahrenen Spanier. Warum die Uefa in einem solchen Spiel ein eingespieltes Schiri-VAR-Duo auseinanderreisst, ist fragwürdig. Sie hat es getan, zum Leidwesen von Sandro Schärer.

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