
Sein erster Auftritt als GC-Trainer ist schon fast vorbei. Eine letzte Frage noch an Peter Zeidler. Was gibt ihm die Zuversicht, dass er das taumelnde GC vor dem Abstieg retten kann? «Eine Garantie gibt es nie. Aber man soll ja auch mehr die Hoffnung sehen als die Angst. Und ich spüre, dass hier ganz viele tolle Menschen im Verein sind. Gemeinsam schaffen wir das.»
Und was, wenn man ihm dieses Sprichwort entgegenwirft? «Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht.» GC musste schon 2024 und 2025 die Barrage bestreiten. Zeidler lächelt und entgegnet: «Halt – ich habe da ein besseres Sprichwort. Der Franzose sagt: <Jamais deux sans trois>» Auf Deutsch: Aller guten Dinge sind drei. Wenn sein neues Team die Angriffe künftig so souverän pariert wie der neue Trainer, dann könnte es tatsächlich gut kommen mit GC.
Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg. Ein einziger Sieg in den letzten neun Spielen. Das ist die Horror-Bilanz der letzten zwei Monate. Eine Bilanz, die zunächst Gerald Scheiblehner den Job als Trainer gekostet hat. Und nun auch Interimstrainer Gernot Messner.
Warum ist nun Zeidler der richtige Mann? Auch Sportchef Alain Sutter sitzt an diesem Montagnachmittag in der GC-Zentrale auf dem Podium. Er erklärt seine Wahl so: «Als Peter in Lausanne entlassen wurde, haben wir uns auf ein längeres Gespräch getroffen. Dabei haben wir alle Karten auf den Tisch gelegt und rasch gemerkt, dass wir wieder zusammenarbeiten wollen.» Sechs Jahre wirkten die beiden beim FC St.Gallen zusammen. «Wir müssen uns nicht neu kennenlernen. Wir kennen Stärken und Schwächen voneinander. Und wir sehen den Fussball ähnlich. Das ist ein grosser Vorteil in dieser Situation.»
Wobei Sutter vor allem eines hervorstreicht: Zeidlers Bereitschaft, GC sofort zu übernehmen, nicht erst im Sommer. «Das zeugt von Risikobereitschaft und Commitment.» Der 63-Jährige würde auch in der Challenge League bleiben. Zeidler sagt: «Ich weiss, der Begriff ist etwas überstrapaziert, aber wir befinden uns tatsächlich auf einer Wellenlänge.»
Zeidlers erste Aufgabe: «Energie zuführen»
Zeidlers Vertrag mit Lausanne lief noch bis Ende April. Den ersten Arbeitstag bei GC hatte er nun am Montag. Das lamentable 0:2 gegen Servette verfolgte er noch aus dem Hotelzimmer. Entsprechend rudimentär ist nun sein erster Auftrag. In den Worten von Sutter: «Dem System neue Energie zuführen. Leidenschaft und Freude entfachen.» Das ist herausfordernd genug bei einer Mannschaft, die total verunsichert und komplett vom Weg abgekommen ist.
Zeidler setzt erst einmal auf viele Gespräche. Und er gibt sich pragmatisch: «Es wäre jetzt völlig deplatziert, über schönen Fussball zu philosophieren oder über eine <neue Identität>. Wir sind gut beraten, erst einmal das Ergebnis in den Vordergrund zu stellen.»

Zeidlers Absage an GC im letzten Sommer
Eine mögliche Zusammenarbeit zwischen GC und Zeidler stand schon im letzten Sommer im Raum. «Das ist so, wir haben telefoniert», bestätigt Zeidler, «ich kann auch gar nicht mehr sagen, warum es nicht dazu kam. Vielleicht war einfach die Zeit noch nicht reif.»
Zeidler unterschrieb bei Lausanne. Wo es zu Beginn der Saison sehr gut lief. Die Qualifikation für die Conference League dank dem Sieg über Besiktas Istanbul bezeichnet er als Highlight. Auch in der Ligaphase gelangen einige Ausrufezeichen, das grösste war der Sieg gegen die Fiorentina. Im neuen Jahr folgte dann der Abwärtstrend – und gipfelte in Zeidlers Entlassung. «Ich hege keinen Groll. Das war vor 20 Jahren bei meiner ersten Entlassung in Ahlen noch anders. Ich bin dankbar für die Erfahrung», sagt Zeidler. Eine Pause einzulegen, war für ihn kein Thema. Zu gross war die Lust, auf die neue Herausforderung bei GC.

Für Sutter war Zeidlers Entlassung der ideale Ausgangspunkt, nun das dringend benötigte Zeichen im Hinblick auf die Barrage zu setzen. Wann diese stattfindet, ist indes immer noch offen. «Wir arbeiten unter Hochdruck an allen Möglichkeiten.» Die neuste, favorisierte Variante sähe vor, die Spiele um je einen Tag vorzuverlegen. Das Hinspiel im Stadion des Challenge Ligisten am Dienstag, 19. Mai. Das Rückspiel dann am Freitag, 22. Mai. So könnte GC vermutlich doch im Letzigrund antreten. Das Stadion wird danach für ein Metallica-Konzert gebraucht.
Was sagt der neue Trainer Peter Zeidler zu dieser Posse? «Ich darf schon fast stolz sagen, dass es mir gelungen ist, dieses Thema von mir wegzuschieben. Für mich ist das kein Thema.» Für Zeidler zählt derzeit nur eines: das Derby FCZ-GC am nächsten Samstag. Es soll der erste Schritt in Richtung Rettung sein.


Kommentare
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien, die Kommentare werden von uns moderiert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.