Fussball-WM 2026

Arbeitsloser Superheld: Hext sich Ørjan Nyland gegen England in die Premier League?

Torhüter Ørjan Nyland hatte grossen Anteil am historischen Achtelfinal-Sieg von Norwegen über Brasilien. Die Zukunft des norwegischen Helden ist jedoch ungewiss.
Ørjan Nyland feiert eine seiner grossartigen Paraden gegen Brasilien.
Bild: Pamela Smith

Er liess die Brasilianer verzweifeln: Ørjan Nyland. Der 35 Jahre alte Torhüter ist einer der grössten Helden Norwegens neben Doppeltorschütze Erling Haaland. Auch dank seiner Weltklasse-Paraden gegen Brasilien steht sein Land erstmals überhaupt in einem Viertelfinal einer Weltmeisterschaft. «Es ist schwer, meine Emotionen in Worte zu fassen», sagte Nyland nach dem historischen 2:1-Erfolg. «Es ist so ein unglaubliches Gefühl.»

Der Stern des 1.92 Meter grossen Torhüters ging bei der U21-Europameisterschaft 2013 in Israel auf. Noch vor dem Turnier war Nyland keineswegs gesetzt. Nach einem schwachen Debüt und wenig Spielpraxis bei Molde in der heimischen Liga gab es eigentlich keine Gründe, auf ihn zu setzen.

Trainer Skullerud entschied sich in den Playoffs gegen Frankreich trotzdem für Nyland. Gegen eine Auswahl mit Raphaël Varane, Alexandre Lacazette und Antoine Griezmann überzeugte Nyland und führte Norwegen überraschend zur Endrunde nach Israel. Dort setzte sich das norwegische Märchen fort. Als Halbfinalist sorgte Norwegen für eine der grössten Sensationen seiner Fussballgeschichte. Dort scheiterte man jedoch am späteren Europameister Spanien. Nyland wurde anschliessend vom englischen «Guardian» in die Elf des Turniers gewählt. Vor namhaften Konkurrenten wie David De Gea oder Bernd Leno.

Seit dem 1. Juli ohne Verein

2015 wagte er den Schritt ins Ausland. Beim FC Ingolstadt musste er zunächst auf seine Chance warten. Erst als der Verein aus der 1. Bundesliga abstieg, setzte man auf Nyland als Stammkraft. Nach nur einer Saison als Nummer eins wechselte er zu Aston Villa, riss sich jedoch nach wenigen Monaten die Achillessehne. Es folgten harte Jahre für den Norweger mit vielen Vereinswechseln. Bei Norwich City, Bournemouth, Reading und RB Leipzig blieb er meist Ersatz und kam in vier Spielzeiten lediglich auf 13 Einsätze.

Erst der Wechsel zum FC Sevilla im Jahr 2023 brachte die Wende. Zwei Jahre lang war Nyland Stammtorhüter in der spanischen Liga, ehe er in der vergangenen Saison seinen Platz verlor und nur noch fünf Pflichtspiele absolvierte. Sein Vertrag in Sevilla, wo er mit Ruben Vargas und Djibril Sow spielte, lief Ende Juni aus und wurde nicht verlängert. Seither ist der 35-Jährige vereinslos.

In der Nationalmannschaft geniesst Nyland dagegen seit Jahren grosses Vertrauen. Seit September 2021 ist er Norwegens Nummer eins. Egil Selvik, Stammtorhüter bei Watford, muss sich mit der Reservistenrolle begnügen. Warum, zeigte Nyland eindrucksvoll im Achtelfinale gegen Brasilien. Bereits in der 14. Minute parierte er einen Elfmeter von Bruno Guimaraes. «Wenn du einen Elfmeter hältst, hast du das Gefühl, dass du heute unschlagbar bist», sagte er anschliessend. «Es war ein toller Moment für mich.»

Fan lässt seinen Namen ändern

Es war der Auftakt zu einer überragenden Vorstellung. Immer wieder rettete Nyland gegen die brasilianischen Angreifer. Der Höhepunkt folgte in der 85. Minute, als er nach einer missglückten Bogenlampe des eigenen Verteidigers den Ball mit einer spektakulären Tat noch an den Pfosten lenkte. Nyland verhinderte somit den Anschlusstreffer. Wenige Sekunden vor dem Abpfiff wurde der Torhüter von Neymar dann doch noch bezwungen, der Penalty-Treffer war jedoch nicht mehr Spielentscheidend.

Ørjan Nyland lenkt den Ball kurz vor Schluss an den Pfosten.
Bild: Matt Slocum

Ganz Norwegen feierte danach seinen Keeper. Fan Vidar Midttun aus Trondheim ging sogar so weit, seinen Namen nach einer Wette unter Freunden in «Vidar Nyland Haaland Midttun» ändern zu lassen. Der Zeitung «Verdens Gang» sagte er lachend: «Ich wusste gar nicht, dass es so einfach ist, seinen Namen zu ändern.» Der Keeper und sein Star-Mitspieler Erling Haaland lassen die Norweger mit ihren Leistungen förmlich durchdrehen.

Dank diesen Leistungen könnte auch die Zukunft für den grossgewachsenen Torhüter plötzlich wieder ganz anders aussehen. Nach seiner Gala werden bereits die englischen Teams Manchester City und Leeds United als Interessenten gehandelt. Der Torhüter selbst sagte nur: «Jeder weiss, wen er anrufen muss, wenn sie jemanden brauchen. Ich denke, das habe ich gezeigt.»

Bevor Nyland aber einen neuen Vertrag unterzeichnet, wartet in den Viertelfinals das grosse Duell mit England. Vor 13 Jahren führte er Norwegens U21 sensationell in die EM-Halbfinals. Vielleicht schreibt der vereinslose Torhüter jetzt auf der grösstmöglichen Bühne das nächste Märchen für sein Land. Ob er dann in England noch erwünscht wäre?

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