
Die Frage war: Wie reagieren die Schweizer auf die Ausfälle von drei ihrer wichtigsten Spieler (Kevin Fiala, Denis Malgin, Andrea Glauser) und auf die ernüchternde Lehrstunde gegen Kanada (1:5)? Die Antwort: Mit der bestmöglichen aller Reaktionen.
Der Sieg nach Verlängerung gegen Tschechien (4:3) offenbart eine Qualität, die über Taktik und Talent weit hinausreicht und in diesem Turnier noch die Differenz machen kann: der Zusammenhalt dieser Gruppe. Wenn Nico Hischier diesen Zusammenhalt nach dem Spiel explizit in Deutsch und in Englisch erwähnt und betont, wenn er sagt, dass jeder auch für die Abwesenden gekämpft habe, dann sind es nicht einfach Worte, die zum Protokoll im Teamsport dazugehören. Dann ist es die Wahrheit über seine Mannschaft. Enger zusammenrücken in einer schwierigen Situation. Exakt so wie es sich Romantiker vorstellen. Seit seinem Amtsantritt im Oktober 2015 hat Patrick Fischer an diesen Werten gearbeitet und so sagt er jetzt: «Ich bin stolz auf meine Spieler.»
Die Methode ist einfach, um die Wirkung des Phänomens «Teamgeist» statistisch zu erfassen: 21 Spieler standen gegen Tschechien im Einsatz. Was macht es aus, wenn jeder 10 Prozent mehr leistet? Rechne! Ein Zeichen, dass in diesem Team alle gleich und Namen nur aufs Dress genähte Buchstaben sind: Als Patrick Fischer am Schluss auf drei Linien verkürzt, bleibt Nino Niederreiter auf der Bank.
Es gibt nicht nur diese starke emotionale Reaktion. Auch die eishockeytechnischen Lehren sind aus der kanadischen Machtdemonstration (dem 1:5) gezogen worden. Gegen Tschechien fliegen die Schweizer nicht mehr zu hoch. Sie vereinfachen ihr Spiel und passen es erfolgreich an die schmäleren Eisfelder an: einfacher, direkter, weniger laufen mit der Scheibe. «KISS» ist die Kürzung dafür in der Hockeysprache: «Keep it Simple, Smart». In der dritten Partie des Turniers sind sie nun definitiv auf den rund vier Meter schmäleren Eisfeldern angekommen. Patrick Fischer sagt, dass die Mannschaft zu ihrem Spiel gefunden habe, sei noch wichtiger als das Resultat.
Obwohl eine Niederlage noch keine unmittelbaren Folgen gehabt hätte (niemand scheidet nach den Gruppenspielen aus) kommt dem Resultat eine ganz besondere Bedeutung zu. Dean Kukans Siegestreffer in der Verlängerung ist das bisher wichtigste Tor: Mit diesem Sieg sichern sich die Schweizer mindestens Rang 6. Das bedeutet, dass im Falle einer Qualifikation für den Viertelfinal dort nicht die USA oder Kanada warten.
Zwei Titanen verdienen ganz besondere Erwähnung, weil sie im starken Kollektiv am meisten Einfluss aufs Spiel hatten. Roman Josi und Timo Meier. Josi ist der Dynamo des Teams, mit der längsten Eiszeit (22:32 Minuten) von allen, mit dem Tor zum 1:1, das die Energie entfacht und die Zuversicht bestärkt. Er steht für die spielerische Klasse, die spielerische Magie. Meier ist wahrlich ein Titan. Seine Wirkung geht weit über die Statistik (Tor zum 2:1, Assist zum 3:2) hinaus. Er zermürbt und frustriert mit seinen Checks die Gegenspieler. So wie er hier auftritt, ist er vielleicht der härteste Stürmer in der Geschichte unseres Hockeys.
Und ja, das Thema Torhüter, immer wiederkehrend, kann nicht fehlen. Wer ist nun die Nummer 1? Leonardo Genoni, der in den Einsätzen gegen Frankreich (4:0) und nun gegen Tschechien 94,92 Prozent der Pucks pariert hat, oder Akira Schmid mit einer Fangquote von 87,18 Prozent, aber eben auch einer starken zweiten Spielhälfte gegen die Kanadier? Patrick Fischer wird in der Torhüterfrage die richtige Antwort finden.
Das sagt Trainer Patrick Fischer
Um es nach dem Sieg gegen die Tschechen zum Abschluss einer dramatischen Vorrunde auf den Punkt zu bringen: Die Schweizer taumelten nach der Niederlage gegen Kanada. Aber sie sind nicht gefallen, wieder aufgestanden. Sie haben drei Spieler verloren (ob Malgin und Glauser zurückkehren, ist offen), aber nicht Mut, Leidenschaft und Leistungsstärke. Die Magie ist zurück, der Weg zu einer Medaille ist weiterhin hoffen.


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