Der junge Mann hinter der Theke vermittelte ein gutes Gefühl. «Guten Tag Sir. Schön, dass Sie auch heute wieder bei uns sind.» Ich muss gestehen, ich war nicht der einzige Sir, über den er sich freute. Vor mir in der Schlange gab es sicher acht andere «Sirs», deren Anwesenheit ihn ebenfalls erhellte.
Der Mann kümmert sich um die Verpflegung im Medienzelt, einen Steinwurf von der Skipiste in Cortina entfernt. Es gebe Brasato mit Polenta, Spaghetti con Polpette, Penne al Pomodoro, Panini mit Prosciutto crudo und Tiramisu. Es klang wie Musik – als hätte Verdi die Menükarte komponiert. Und dann diese Dolomiten im Hintergrund. Als wären sie vom lieben Gott gemeisselt worden. Ein olympischer Traum.
Ich entscheide mich für die Tomaten-Penne und sehe im Augenwinkel, wie eine Mitarbeiterin einen rechteckigen Edelstahlbehälter öffnet, etwas auf einen Plastikteller häuft und diesen über die Theke schiebt. «Parmigiano dazu?»
Wie die Qualität der Pasta war, will ich nicht erzählen. Doch offenbar gibt es in der italienischen Küche eine Bandbreite, die mir nicht bewusst war. Ich entschied mich schliesslich, die Erfahrung dieses Tellers mit einem doppelten Espresso zu überschreiben.
Hinter seiner Theke machte sich der Mann nun an einer riesigen Siebträgermaschine zu schaffen, die vermutlich soviel kostet wie ein Kleinwagen. Das Ding glänzte im Sonnenlicht, es blinkte und dampfte und gluckerte.
Und dann rannen zwei dunkle seidige Fäden aus dem Kolben, abgeschlossen durch eine dicke Crema. Ein perfekter Espresso am Pistenrand. Pure Poesie im Pappbecher, die versöhnt und Hoffnung macht. Wir werden uns wohl auch morgen wieder in diese Schlange stellen. Und womöglich auch wieder Pasta bestellen.
In der Kolumne «In Pista!» blicken unsere Reporter vor Ort hinter die Olympia-Kulissen.


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