
Üblicherweise füllen sich in Basel die Zuschauerränge an den ersten Turniertagen erst am frühen Abend allmählich. Doch dieser Turniermittwoch ist alles andere als üblich: Während Casper Ruud und Nuno Borges um den Einzug ins Viertelfinal kämpfen, ist der Wartebereich vor dem Einlass zum Centre Court bereits prall gefüllt. Alle wollen früh genug auf ihrem Platz sein, bevor die Hauptattraktion der diesjährigen Swiss Indoors ein erstes Mal im Flutlicht erscheint. Auf eigenen Wunsch spielt Djokovic bereits im Nachmittags-Slot und nicht zur Primetime in der Abendsession.
Einen Stock weiter unten im Spielertunnel ist die Stimmung angespannt. In der Mixed Zone wuseln Sicherheitspersonal und Turnierangestellte hin und her. Ugo Humbert erscheint als Erster und absolviert letzte Aufwärmübungen. Plötzlich geht eine Tür auf und Novak Djokovic schreitet mit seinem gewohnt fokussierten Blick Richtung Eingang.
Der grösste Name in Basel seit Roger Federer
Obwohl die Schiebetüre zur Halle noch geschlossen ist, hört man die Reaktion auf die Ankunft des Serben aus der Halle bereits im Spielerbereich. Erste Djokovic-Fans brüllen frenetisch in Richtung der Einlaufzone. Anschliessend wird es ein erstes Mal richtig laut: Djokovic wird vom Hallenspeaker angekündigt, zig serbische Fahnen schwingen durch die Luft, die Sehnsucht des Basler Tennispublikums ist spürbar.

Auch wenn das Turnier über die letzten Jahre immer gut besucht war, liess es seit Roger Federers Dernière 2019 immer etwas vermissen: Einen Spieler der obersten Güteklasse mit Weltformat. Ein Spieler, der alleine mit seiner Ankündigung eine ganze Halle füllt. Ein Spieler wie Djokovic. Das lange Warten scheint ein Ende zu haben.
Kurzer Stimmungsdämpfer im ersten Satz
Der erste Satz verläuft dann aber nicht so, wie es sich der Grossteil des Publikums vorstellt. Bereits im dritten Aufschlagspiel von Djokovic gelingt Hubert ein Break und der Franzose gibt diese Führung bis zum Satzende nicht mehr aus der Hand. «Ich musste hart kämpfen, um meinen Rhythmus zu finden», sagt Djokovic, der sich nach dem Spiel zufrieden über das Weiterkommen zeigt: «Ugo verdient Respekt für seine Leistung. Er hatte einen klaren Gameplan und hat diesen auch stark umgesetzt», so Djokovic

Während der Partie scheint der Serbe jedoch immer wieder genervt, diskutiert mit seiner Entourage in seiner Box. Der Belag beim ersten Auftritt an einem Hallenturnier seit dem Triumph in Athen im November vergangenen Jahres scheint ihm noch etwas Mühe zu bereiten.
Grosses Lob für das Publikum
Doch der 39-Jährige lässt sich davon nicht beirren. Bei jedem Seitenwechsel hallen «Nole, Nole»-Rufe durch die Halle und Djokovic wehrt früh zwei Breakbälle Huberts ab und nimmt der aktuellen Nummer 38 der Welt wenig später selbst das Anspiel ab. «Von diesem Moment an ging es aufwärts», so Djokovic.
Die Unterstützung des Publikums lässt den Rechtshänder schwärmen: «Ich wusste, dass es in der Schweiz eine grosse serbische Community gibt. Ich war dennoch überrascht, wie grossartig mich das Publikum hier empfangen hat. Das hat mir viel Energie gegeben.»
Dass Humbert im zweiten Satz nicht mehr so spritzig wirkt und sich in einem Medical Timeout pflegen lassen muss, kommt Djokovic zusätzlich entgegen. Er bringt den zweiten Satz mit über die Ziellinie und auch im Entscheidungssatz nimmt die aktuelle Nummer zehn der Welt den Fuss nicht mehr vom Gaspedal.
Nach knapp zweieinhalb Stunden schlägt Djokovic zum Sieg auf und besiegt Humbert schliesslich mit 4:6, 6:3, 6:4. «Es freut mich sehr, dass ich gegen deutlich jüngere Spieler immer noch Rückschläge einstecken und zurückkommen kann», sagt Djokovic und schiebt gleich nach: «Ich weiss, dass ich noch viel besser spielen kann, aber ein Sieg ist ein Sieg.»
Viel Zeit zur Erholung bleibt nicht. Bereits am Donnerstagabend trifft Djokovic ab 18 Uhr auf Jan-Lennard Struff. Auch dort dürfte die grosse Mehrheit des Publikums dem Serben wieder die Daumen drücken.


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