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Olympische Spiele

Nadja Kälin macht im Schlussaufstieg den Kläbo: Mit Bronze über 50 km schreibt sie Geschichte

Nach Silber im Teamsprint läuft die Engadinerin Nadja Kälin im 50-km-Lauf zu Rang drei und schafft damit Historisches. Noch nie zuvor hatte eine Schweizer Langläuferin eine Medaille in einem Einzelrennen gewonnen. Im Schlussaufstieg lässt sie Diggins und Co. stehen. Nur die Schwedin Ebba Andersson und die Norwegerin Heidi Weng sind schneller.
Ein historisches Bild: Erstmals in der 74-jährigen Geschichte des olympischen Frauenlanglaufs steht eine Schweizerin auf dem Podest. Nadja Kälin mit der Schwedein Ebba Anderson und der Norwegerin Heidi Weng.
Bild: Freshfocus

Am Ende beugt sich Nadja Kälin im Zielraum hinunter zu Jessica Diggins. Die US-Amerikanerin liegt erschöpft im Schnee – sie konnte das Tempo der Bündnerin nicht mehr mitgehen in der Schlussphase des 50-km-Laufs. Kälin zieht Diggins die Ski ab, hilft ihr aus den Stöcken. Sie lächelt dabei, wirkt ruhig und kontrolliert, und nicht so, als hätte sie gerade 50 km zurückgelegt und dabei in einem Schlussspurt ziemlich souverän die Bronzemedaille geholt.

Es sind verschobene Welten: Hier die 24-jährige Bündnerin, die zwar in den vergangenen Jahren ihr Potenzial angedeutet hatte, deren Form man an diesen Winterspielen aber förmlich explodieren sah. Dort die 34-jährige US-Amerikanerin, eine der Grössen des Langlaufsports, die sich der Schweizerin um fünf Sekunden geschlagen geben muss.

Nadja Kälin überquert die Ziellinie als Dritte.
Bild: MATTHIAS SCHRADER/key

Kälin dominiert die Verfolgergruppe

Kälin dominierte auf den letzten Kilometern des 50ers eine Fünfergruppe, die hinter Ebba Andersson aus Schweden und Heidi Weng aus Norwegen die Bronzemedaille unter sich ausmachte. Kälin wirkte je länger je mehr als stärkste Läuferin des Quintetts, im Schlussaufstieg zog sie auch Diggins und der Norwegerin Kristin Fosnaes davon. «Da dachte ich: Jetzt mache ich es wie Kläbo», sagte sie später gegenüber SRF. Wie es um Kälins Formstand steht, verdeutlicht auch diese Aussage aus der Medienkonferenz: «In der letzten Runde war das Tempo nicht hoch, so konnte ich mich darauf konzentrieren, sauber zu laufen und etwas Energie für den Endspurt zu sparen.» Sie habe bis zum Ende versucht, nicht ans Podest zu denken: «Erst im Schlussaufstieg dachte ich: Okay, jetzt hole ich mir die Medaille.»

Im Schlussanstieg konnte Nadja Kälin das Tempo nochmals verschärfen und ihre Verfolgerinnen abschütteln.
Bild: Vanzetta/NordicFocus/freshfocus
Nadja Kälin an der Siegerehrung in Tesero: «Erst im Schlussaufstieg dachte ich: Okay, jetzt hole ich mir die Medaille.»
Bild: FILIP SINGER/key

Damit hat Kälin Historisches geschafft: Noch nie hat eine Schweizerin in einem Einzelrennen eine olympische Medaille gewinnen können. Ihr in die Karten spielte, dass mit Frida Karlsson und Jonna Sundling zwei Favoritinnen krank auf einen Start hatten verzichten müssen. Und, dass Diggins offensichtlich mit weniger gutem Material laufen musste. Dennoch musste Kälin zuerst die Gunst der Stunde nutzen. Das tat sie souverän - und augenscheinlich ohne grössere Krise während des weit über zweistündigen Laufs.

«In der ersten Runde spüren, wie die Beine sich anfühlen und dann im besten Fall angreifen», so hatte der Schweizer Langlauftrainer Erik Braaten Guidon die mögliche Taktik von Kälin vor dem Rennen formuliert. So geschah es. Kälin lief zunächst kontrolliert, nach der ersten Runde von 7,2 km lag sie auf dem zehnten Rang, schob sich dann aber kontinuierlich nach vorn.

Nordische mit einer überraschenden Traumbilanz

Ohnehin präsentierte sich Kälin im Val di Fiemme von Rennen zu Rennen besser. Im Skiathlon zu Beginn der Spiele wurde sie Vierte, im Teamsprint vom Mittwoch gewann sie zusammen mit Nadine Fähndrich Silber und rechtfertigte damit ihr Aufgebot anstelle von Anja Weber. Und nun folgt also Bronze im 50er, der Königsdisziplin, die an Olympischen Spielen bei den Frauen das erste Mal überhaupt ausgetragen wurde. Die grosse Medaillenzeremonie wird am Abend in Verona anlässlich der Schlussfeier stattfinden - eine Ehre für Kälin.

Ganz grundsätzlich hat die nordische Abteilung von Swiss Ski ein starkes Zeichen gesetzt: Drei Schweizer Medaillen an Winterspielen, die bronzene von Gregor Deschwanden dazugezählt: Mehr gab es noch nie in der olympischen Geschichte, zuletzt holten die Nordischen 2010 in Vancouver drei Medaillen, als Dario Cologna über 15 km Gold gewann und Skispringer Simon Ammann zweimal Olympiasieger wurde.

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