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1,5 Jahre nach tödlichem Sturz: Entscheid im Fall Muriel Furrer

Muriel Furrer lag nach einem Sturz bei der Rad-WM 2024 in Zürich eineinhalb Stunden verletzt im Wald, bevor sie durch Zufall gefunden wurde. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft eine Entscheidung getroffen.
Fotos und Kartonschilder von der WM 2024 stehen im Zimmer von Muriel Furrer.
Bild: Severin Bigler

Der tragische Unfall von Muriel Furrer und seine Umstände haben aufgewühlt. Die Geschichte der jungen Rennfahrerin, die ganz in der Nähe des Unfallorts in Egg im Zürcher Oberland aufwuchs und der Velo-WM in Zürich als lokale Botschafterin ihr Gesicht gab, ging um die Welt.

Viele Fragen sind seither unbeantwortet: Wie kann es sein, dass ihr Sturz während des Juniorinnenrennens unbemerkt blieb und sie anderthalb Stunden schwer verletzt in einem Waldstück oberhalb von Küsnacht ZH liegen blieb, ohne dass jemand Alarm schlug? Wie kann es sein, dass sie nur durch einen Zufall gefunden wurde?

Muriel Furrer starb im September 2024 an den Folgen ihres Sturzes im Junioren-WM-Rennen in Zürich.
Bild: Keystone

Lange und umfangreiche Ermittlungen

Antworten darauf zu finden, ist Aufgabe der Staatsanwaltschaft. Diese hat nun eine Entscheidung getroffen, wie sie in einer Mitteilung vom Montag schreibt: Demnach werden die Untersuchungen eingestellt.

Weder konnte eine Dritteinwirkung beim Sturz noch eine strafrechtlich relevante Pflichtverletzung im Zusammenhang mit der Streckensicherung oder der Nothilfe nach dem Unfall festgestellt werden. Nach dem Unfall hätten Kantonspolizei und Staatsanwaltschaft umfangreiche Ermittlungen zur Klärung des Unfallhergangs aufgenommen. Im Vordergrund stehe ein Rennunfall ohne Hinweise auf ein strafrechtlich relevantes Verhalten oder ein Mitverschulden des Veranstalters, anderer Rennteilnehmerinnen oder von Drittpersonen am Sturz der Radrennfahrerin auszugehen.

Muriel Furrer in der Steigung, der Velocomputer hängt nach vorne, unter dem Sattel ist ein GPS-fähiger Tracker montiert.
Bild: Imago

Furrer lag unsichtbar im Unterholz

Der Unfall ereignete sich um circa 11.04 Uhr ausserhalb des Sichtbereichs von Begleitfahrzeugen, Rennleitung, Zuschauern und Streckenposten. Furrer lag verdeckt im Unterholz und war von der Strasse aus offenbar nicht sichtbar. Am Anlass wurde – wie bei früheren Durchführungen dieser Rad-WM üblich – nicht mit Live-Tracking aller Athletinnen gearbeitet.

Deshalb sei das Fehlen nicht automatisch gemeldet und Furrer erst um 12.26 Uhr entdeckt worden. Die Rettungskette habe funktioniert, die Rettungskräfte seien wenige Minuten nach Auffinden Furrers am Unfallort eingetroffen und hätten die medizinische Erstversorgung sichergestellt.

Die mutmassliche Unfallstelle von Muriel Furrer in der Abfahrt hinunter nach Küsnacht.
Bild: Keystone

Furrers Eltern nahmen sich Anwalt

Vater Reto Furrer sagte im Gespräch mit CH Media im Herbst 2025: «Es darf nicht unter den Tisch gekehrt werden, dass eine Athletin anderthalb Stunden an einer Rad-Weltmeisterschaft, die von professionellen Veranstaltern durchgeführt wurde, so lange nicht auffindbar war.»

Dass der Unfall unbemerkt blieb und «die lange dauernde Bergung wollen wir erklärt haben», sagten die Eltern. Zudem stellten sie infrage, ob das Sicherheitskonzept an der WM ausreichend war. Für die Behörden ist klar: Hinweise auf strafrechtlich relevante Pflichtverletzungen liegen nicht vor.

Die Spitzengruppe passiert die Stelle, an der Muriel Furrer in der Runde davor verunfallt war.
Bild: Video: Youtube

Bereits im Frühling 2025 lag ein erstes medizinisches Gutachten zum Todesfall vor. Was genau darin steht, legten weder Staatsanwaltschaft noch die Familie Furrer offen. Aus Sicht der Eltern bestand klar der Bedarf, den Unfallhergang noch weiter untersuchen zu lassen. «Wir geben uns noch nicht zufrieden mit dem, was aus den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und Polizei bisher herausgekommen ist», sagte Christine Furrer damals.

Christine und Reto Furrer, die Eltern von Muriel Furrer, die während der Velo-WM 2024 in Zürich tödlich verunglückte.
Bild: Severin Bigler

WM-Renndirektor Olivier Senn hatte nach den Weltmeisterschaften gesagt, das Sicherheitskonzept sei gut und die Rennstrecken und deren Sicherung «auf allerhöchstem Niveau» gewesen. Als Direktor der Tour de Suisse hat er im Sommer 2025 ein GPS-Tracking eingeführt, wie es technologisch schon lange möglich gewesen wäre, vom Radweltverband UCI aber bei Weltmeisterschaften nicht gewünscht war. Mit einem solchen wäre Muriel Furrer schneller gefunden und versorgt worden. Ob das ihr Leben gerettet hätte, ist offen. Das ist auch Furrers Eltern bewusst.

Sie sprechen sich generell für mehr Sicherheit im Radsport aus. Dazu gehören neben dem Tracking auch Airbags, die das Risiko von Nacken- und Rückenverletzungen reduzieren, und Entwicklungen an Helmen. «Es wird unglaublich viel getan, um Helme aerodynamischer zu machen, aber viel zu wenig, um sie sicherer zu machen», sagte Reto Furrer damals.

Die Entscheidung, das Verfahren einzustellen, ist bisher nicht endgültig. Ob die Familie von Muriel Furrer diesen anfechten wird, ist noch offen.

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