
Es kostet ihn viel Mühe, aber irgendwie gelingt es Nico Hischier gerade noch, die Tränen zurückzuhalten. «Wir brauchen nicht irgendetwas vorzulügen: das ist der Trostpreis.» Hischier steht auf dem Balkon des Zürcher Volkshaus. Dort findet am Tag nach dem verlorenen WM-Final die kleine Medaillenfeier für das Schweizer Eishockey Nationalteam statt. «Klar, die Erde dreht sich weiter, aber wie schnell ich diese Niederlage verdaue? Ich weiss es wirklich nicht. Das kann ich frühestens in ein paar Wochen sagen.»
Es ist eine komische Stimmung, die in Zürich herrscht. Knapp 1500 Fans sind gekommen. Sie geben alles, um den Spielern noch einmal Trost zu spenden. Immer wieder brandet Jubel auf, als diese auf der Bühne stehen. Wobei «Medaillenfeier» eigentlich das falsche Wort ist für diesen Anlass. Eher ist es eine verkappte SRF-Party. Annette Fetscherin moderiert live, das Publikum bekommt noch einmal ein paar Bilder der WM zu sehen. Dazu stellt Fetscherin den Spielern ein paar Fragen, lässt jene nach der Zukunft von Schlüsselspielern wie Josi, Niederreiter oder Genoni aber aus. Rahmenprogramm? Null.
Während die Fans noch einmal ein bisschen jubeln, Roman Josi ein «Happy Birthday» singen und am Ende im Saal nochmals die «W.Nuss vo Bümpliz» läuft, stehen die Spieler mehrheitlich im Kreis, blicken mit leeren Augen ins Rund. Sie lassen das alles einfach über sich ergehen.
Das sind die schönsten Bilder der Medaillenfeier
Nico Hischier: Darum ist der Schock doppelt so gross
Hischier versuchte in Worte zu fassen, was für viele Schweizer auch knapp 24 Stunden nach Finalbeginn noch unbegreiflich ist. «Wir dachten wirklich: Jetzt ist unsere Zeit. Jeder war überzeugt: Dieses Jahr ist es anders. Und dann ist es wieder nicht anders. Darum ist der Schock auch doppelt so gross.»
Das Rezept zur Verarbeitung der Niederlage? «Beisammen sein. Ein bisschen reden. Wir haben nicht mehr viel gemacht. Aber schlafen konnte ich trotzdem nicht viel», sagt Hischier. Der 27-Jährige, schon seit gut fünf Jahren Captain der New Jersey Devils, dürfte dieses Amt dereinst auch in der Nati übernehmen. Seine Verbundenheit ist jedenfalls riesig. «Natürlich fragt man sich dann auch: Kriege ich noch einmal so eine Chance? Jetzt waren wir dreimal in Serie im Final und es hat nicht geklappt…»
Leonardo Genoni: «Ich bin sicher, die Schweiz wird Weltmeister»
Am meisten bejubeln die Fans im Volkshaus Torhüter Leonardo Genoni. Und dieser findet auf der Bühne die richtigen Worte. «Es fehlte wenig, aber das ist es, was den Sport ausmacht.» Und er sprach im Namen des ganzen Teams ein riesiges Kompliment an die Fans: «So etwas Schönes haben wir noch nie erlebt. Wir Schweizer, die wir doch als so zurückhaltend gelten – das hat mich wirklich sehr berührt.» Und dann sagt Genoni, was alle hören wollen. «Ich bin sicher, irgendwann kommt dieser Chübel in die Schweiz. Da bin ich mir ganz sicher.»
Die nächste Chance kommt schon in einem Jahr. Dann findet die WM in Deutschland statt. Auch wenn die Euphorie von Zürich nicht zu toppen ist. Der Weg nach Mannheim und Düsseldorf ist auch keine Weltreise.




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