notifications
Adelboden

«Wenn ich es wirklich will, funktioniert das Skifahren fast am besten»: Marco Odermatt verrät sein Erfolgsrezept

In Adelboden kann Marco Odermatt am Samstag zum Rekordsieger werden. Doch auch den Superstar treiben die tragischen Ereignisse von Crans-Montana um. Und dann ist da ja noch die Sache mit der roten Startnummer.

Marco Odermatt hat es streng. Ein Interview folgt auf das nächste. Doch der 28-Jährige ist auch in diesem Bereich ein Profi. Den Medien-Marathon vor dem Riesenslalom-Klassiker in Adelboden absolviert er routiniert. Und er nimmt zu den grossen Themen, die ihn aktuell beschäftigen, Stellung.

Der Stenmark-Rekord

Es gibt kaum noch ein Rennen, in dem Marco Odermatt nicht indirekt auch gegen die Geschichtsbücher des Ski-Weltcups (seit 1967) fährt. Gewinnt er am Samstag zum fünften Mal in Serie den Riesenslalom in Adelboden, zieht er mit Ingemar Stenmark gleich. Der Schwede fuhr seine Erfolge im Riesenslalom-Klassiker am Chuenisbärgli zwischen 1979 und 1984 heraus.

Marco Odermatt vor seinem Auftritt in Adelboden.
Bild: ANTHONY ANEX/Keystone

Und was sagt Odermatt selbst zu dieser nächsten Rekordmarke, die er in seiner ohnehin mit Rekorden gespickten Karriere erreichen könnte? Er schmunzelt nur kurz und antwortet dann: «Das ist nun wirklich keine Zahl, die mir viel bedeutet.» Der Seriensieger betonte stets, dass die Rekorde etwas sind, mit dem er sich erst nach seiner Karriere beschäftigen werde.

Aber gibt es gar keine Statistik, die auch seinen Puls höher schlagen lässt? Odermatt zögert. Dann sagt er: «Als ich Pirmin Zurbriggen bei der Anzahl der Weltcupsiege einholte (40; die Red.), war das speziell. Oder auch die Marke von 50 Siegen jetzt zuletzt in Gröden.» In der ewigen Rangliste holte Odermatt damit Alberto Tomba ein. Nur noch Hermann Maier (54 Siege), Marcel Hirscher (67) und Ingemar Stenmark (86) waren noch erfolgreicher.

Sein neues Erfolgsrezept

Mit dem Rennen in Adelboden beginnt für die Skifahrer die wichtigste Zeit des Jahres. In den nächsten Wochen jagt ein Highlight das nächste. Für Odermatt bedeutet das gleichzeitig, dass sehr viel Zusatzaufwand auf ihn zukommen wird. Pressetermine, Siegerehrungen und Massen von Fans - nirgendwo sonst ist er gefragter als in Adelboden, Wengen oder Kitzbühel.

Odermatt ist sich den Rummel gewohnt. Er sagt: «Die Devise ist, so wenig Energie wie möglich zu verlieren, damit gleichzeitig so viele gute Rennen wie möglich herausschauen.» Odermatt ist bei jedem Rennen der Gejagte. Doch dieser Umstand stört ihn nicht. Im Gegenteil. «Ich habe gerade in letzter Zeit gemerkt, dass ich umso besser fahre, je grösser der Druck ist. Wenn ich es wirklich will, funktioniert das Skifahren fast am besten.»

Dass der Hunger nach Erfolg nicht in jedem Rennen gleich gross sein kann, ist verständlich. «Aber hier in Adelboden stellt sich erst gar nicht die Frage danach», sagt Odermatt. Das Streben nach den ganz grossen Siegen ist sein Motor, sein Erfolgsrezept. Im vergangenen Sommer stellte sich Odermatt die Frage, was er überhaupt noch erreichen will. Jetzt kennt er die Antwort.

Die Tragödie von Crans-Montana

Christian Constantin, der umtriebige Präsident des FC Sion, wollte Marco Odermatt am kommenden Mittwoch zu einer Gedenkveranstaltung für die Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana einladen. Geplant ist diese im Rahmen des Heimspiels des FC Sion gegen den FC Zürich, wie der Blick berichtete. Constantin hätte Odermatt per Helikopter eingeflogen.

In Adelboden erteilte Odermatt dem Wunsch Constantins nun eine Absage. «Wir sind dann in Wengen und haben anders zu tun. Wir müssen uns auf uns konzentrieren», sagt er.  Am Lauberhorn ist am kommenden Mittwoch ein Abfahrtstraining geplant. Der Ausflug würde zu viel Energie kosten.

Die Absage bedeutet allerdings nicht, dass Odermatt die Katastrophe kaltlässt. Im Gegenteil: «Ich bin gedanklich sehr viel bei diesen Leuten», sagt er. «Ich bin selbst noch jung. Ich gehe auch gerne mal in den Ausgang, in eine Bar oder einen Club. Mit so einem Unfall rechnet niemand. Es ist extrem tragisch.» Gleichzeitig hält er es für richtig, dass die Rennen in Adelboden stattfinden sollen. «Vielleicht können wir mit unseren Leistungen und mit Erfolgen für ein paar schöne Emotionen sorgen.»

Der Rückstand im Riesenslalom-Weltcup

Es ist eine ungewohnte Situation, dass Marco Odermatt in Adelboden für einmal nicht als Führender in der Weltcupwertung des Riesenslaloms an den Start gehen wird. Zwar trägt er trotzdem eine rote Startnummer. Aber «nur» jene, die ihn als Führenden im Gesamtweltcup auszeichnet. Die für den Riesenslalom trägt in Adelboden der Österreicher Stefan Brennsteiner.

Ist das auch für Odermatt speziell? Der Nidwaldner schüttelt den Kopf. «Der Gejagte bleibe ich ja trotzdem», sagt er. «Und es sind ja nur fünf Punkte. Es ist wichtig, dass man im Kampf um die Kristallkugel dabei ist. Logisch hätte man lieber einen Vorsprung, das ist immer einfacher, als wenn man Punkte aufholen muss. Aber tragisch ist die Situation nicht.»

Die Zwischenstände in den Weltcupwertungen spielen in Odermatts Planung aber durchaus eine Rolle. In der vergangenen Saison tönte er an, dass er sich vorstellen könnte, aufgrund des dichten Programms im Januar und Februar auch einmal ein Rennen auszulassen. Zum Beispiel den Riesenslalom von Schladming. Spielt er erneut mit diesem Gedanken? «Es kann ein Thema werden. Doch wir werden das spontan entscheiden und schauen müssen, wie es mir geht oder wie es in den Wertungen aussieht.»

Ganz einfach werde es ohnehin nicht, zu verzichten. Der Riesenslalom in Schladming am 27. Januar ist die einzige Gelegenheit, vor den Olympischen Spielen noch einmal in dieser Disziplin anzutreten. Und in Crans-Montana findet am 1. Februar die Hauptprobe für die Ski-WM im kommenden Jahr statt. «Das ist das einzige Training auf dieser Strecke», sagt Odermatt. Und die Rennen in Adelboden, Wengen und Kitzbühel sind für ihn auf dem Weg an die Olympischen Spiele im Februar gesetzt. Es wird streng für Odermatt.

Mehr zum Thema:

Mehr zum Thema:

Mehr zum Thema:

Kommentare (0)