Obwohl die Lauberhorn-Abfahrt 2026 wegen der Gefahr durch Windböen erst vom Hundschopf aus gestartet wurde, tat das der Stimmung der knapp 40'000 Fans keinen Abbruch. Was natürlich am Triumph von Marco Odermatt lag. Mit einer von Start bis Ziel fehlerlosen Fahrt hängte er die Konkurrenz um acht Zehntel oder mehr ab, wobei für den Nidwaldner klar ist, wo er das Rennen für sich entschieden hat: «Im Gegensatz zum Super-G am Freitag habe ich heute das Kernen-S perfekt getroffen.»

Nicht behaupten kann das Franjo von Allmen, der die Schlüsselstelle zwar mit dem höchsten Tempo aller Fahrer in Angriff nahm, aber genau deswegen in der Linkskurve zu weit an den Pistenrand geriet und dort auch noch über eine in den Boden verlegte TV-Kamera fuhr. Das kostete viel Tempo - und trotzdem erreichte er das Ziel mit weniger als einer Sekunde Rückstand auf Odermatt. «Ich weiss, wo ich das Rennen verloren habe. Im Kernen-S ist das Motto: Wer nicht riskiert, gewinnt nicht. Dieses Mal ist es nicht ganz aufgegangen. Wahrscheinlich bin ich zu schnell reingefahren.»

Zurück zu Odermatt, der frohlockt: «Heute hat alles gepasst. Kompliment allen Helfern, Kompliment meinem Skihersteller Stöckli. Ich konnte Gas geben und mich bewegen, wo und wie ich wollte. Dabei war ich nicht einmal am Limit.»
Beginnt man die Zeitrechnung bei der Gründung des Ski-Weltcup 1967, ist Odermatt nach seinem vierten Sieg nun alleiniger Lauberhorn-Rekordsieger. Vor Landsmann Beat Feuz und dem Österreicher Franz Klammer. «Es ist unglaublich, wie gut es mir hier in Wengen läuft. Es sind die legendären Rennorte, an denen jeder Athlet ein paar Prozente drauflegt und den Sieg noch mehr will.» Allgemein fahre er aber nicht für Rekorde, sondern im Moment: «In jedem Rennen die bestmögliche Leistung abzurufen, ist das Ziel.»
Zum ersten Mal in seiner neuen Rolle als CEO des Weltverbandes FIS hat Urs Lehmann die Lauberhorn-Rennen verfolgt. Als solcher ist er naturgemäss zur Neutralität verpflichtet, aber als Schweizer und langjähriger Swiss-Ski-Präsident kann er seine Freude über den Odermatt-Sieg und das starke Schweizer Teamresultat (Franjo von Allmen Rang 4, Alexis Monney Rang 5) nicht ganz verbergen: «Das war sackstark. Aber die Österreicher sind nicht weit weg - oder?» Stimmt. Vincent Kriechmayr fährt auf Platz 2, Daniel Hemetsberger auf 8.
Wie erklärt Lehmann die Schweizer Dominanz? «Das kommt nicht über Nacht. Zum einen sind da Naturtalente, zum anderen braucht es auch eine solide Basis mit Fahrern, die regelmässig in die Top 15 fahren. Dank Nachwuchstrainer Franz Heinzer und Männer-Cheftrainer Tom Stauffer, die seit Jahren im Amt sind sowie allen anderen im Staff, die hervorragende Arbeit leisten, kommt das Potenzial der Fahrer vollends zur Geltung.»

Und wie nimmt er die Schweizer Dominanz als FIS-CEO wahr? Ist sie für den Weltverband Fluch oder Segen? «Noch ist es kein Fluch. Und heute kann man die Rivalität zwischen der Schweiz und Österreich noch zelebrieren. Aber wir müssen uns weiterentwickeln, damit das Interesse am Skisport in weiteren Ländern wächst.»

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