Nachdem Kimi Antonelli nervenstark ein weiteres Kapitel Formel-1-Geschichte geschrieben hatte, tätschelte er liebevoll seinen Mercedes und konnte sich vor Gratulanten kaum retten. Nicht einmal ein Loch in den Strassen von Monaco und eine lange Unterbrechung konnten den Überflieger stoppen. Im Alter von 19 Jahren und 286 Tagen ist Antonelli der jüngste Sieger des prestigeträchtigen Rennens im Fürstentum. Mit dem fünften Triumph nacheinander baute er zudem seine Führung in der WM aus.
«Das war ein unglaubliches Wochenende, es ist noch eine lange Saison, wir müssen weiter pushen und so eine Leistung bringen wie hier. Das Team hat eine tolle Arbeit geleistet», sagte der in eine Italien-Flagge gehüllte Antonelli: «Wir hatten so eine unglaubliche Pace. Es ist ein toller Moment.»
Zweiter wurde Rekordweltmeister Lewis Hamilton, der zwar weiter auf seinen ersten Sieg für Ferrari warten muss, aber nun in der WM der erste Verfolger von Antonelli ist. Doch nach sechs von 22 Rennen hat er bereits 66 Punkte Rückstand auf den Mercedes-Piloten, der in dieser frühen Phase der Saison in seiner eigenen Liga fährt.
Viel Hektik mit Rennunterbruch
«Ich muss Kimi und Mercedes gratulieren. Meine alte Familie, sie hat es wieder hinbekommen», sagte Hamilton: «Kimi hat eine unglaubliche Leistung hingelegt, das ganze Wochenende schon. Wir haben uns in den letzten Monaten kontinuierlich verbessert, aber es wird noch harte Arbeit, auf ihre Stufe zu kommen.»
Das grosse Spektakel blieb lange aus – in der Schlussphase ging es mit zwei Safety-Car-Phasen aber hoch her. So schied Lokalmatador Charles Leclerc kurz vor dem Ende auf Platz drei liegend aus, der Ferrari-Pilot fluchte und schimpfte im Boxenfunk. Das Rennen wurde dann mit Roter Flagge unterbrochen, weil die Strecke hinter der Rascasse-Kurve aufgebrochen war. Mit einer Kehrmaschine und Besen versuchten die Marshalls, den porösen Asphalt zu entfernen. Die Fahrer warteten derweil schier endlos lange in der Boxengasse.
Beim dann folgenden stehenden Start blieb Antonelli eiskalt – und er demütigte seinen Teamkollegen George Russell, als er den Engländer gar überrundete. Russell verpasste die Punkte. Nico Hülkenberg zeigte ein ordentliches Rennen – fiel aber am Ende wegen einer Strafe doch noch aus den Top 10 und muss weiter auf seine ersten Punkte für Audi warten.
Nicht nach Wunsch verlief das Jubiläums-Rennen von McLaren: Im 1000. Grand Prix des Teams schied Weltmeister Lando Norris (England) in der 46. von 78 Runden wegen technischer Probleme aus. Der Australier Oscar Piastri fuhr in die Punkte und durfte nach der Zieleinfahrt wegen ausstehender Strafen zunächst noch auf einen Podiumsplatz hoffen.
Antonelli profitierte vom frühen Aus von Max Verstappen. Der von Platz zwei gestartete Ex-Weltmeister kam wegen technischer Probleme überhaupt nicht vom Fleck und stand den Verfolgern somit im Weg. Antonelli nutzte diese Steilvorlage und zog an der Spitze davon.
Als erster Fahrer des Spitzentrios kam Hamilton an die Box – allerdings hielt sich der Engländer dort nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 60 km/h. Hamilton erhielt deshalb eine Fünf-Sekunden-Strafe. Antonelli bekam davon nichts mit, er fuhr sein eigenes Rennen, auch den Boxenstopp meisterte sein Team mühelos.
Spannung kam so nicht auf, bis Lance Stroll (Kanada) in seinem Aston Martin ausschied und das Safety Car auf die Strecke kam. Antonelli verlor dadurch seinen grossen Vorsprung, das Feld rückte wieder ganz eng zusammen. Der Restart gelang dem Italiener, doch das Rennen wurde nur ganz kurz freigegeben, weil Leclerc in die Streckenbegrenzung krachte. Es folgten die zweite Safety-Car-Phase und die lange Unterbrechung mit Roter Flagge.
Kurios verliefen die Boxenstopps der Konkurrenz: Nicht nur Hamilton erhielt eine Zeitstrafe, auch Russell, Stroll, Piastri sowie die Alpine-Piloten Franco Colapinto (Argentinien) und Pierre Gasly (Frankreich) fuhren in der Box zu schnell und wurden sanktioniert.


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