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Halfpipe-Snowboarder

«Ich wollte das Ganze verdrängen»: Jan Scherrer über seinen geplatzten Olympia-Traum

Was für ein Dämpfer für den Toggenburger Halfpipe-Boarder Jan Scherrer. Nach seinem Trainingssturz sagt der  Bronzegewinner von 2022: «Ich habe in den vergangenen Jahren gelernt zu akzeptieren, dass solche Dinge passieren.»
Switzerland Jan Scherrer practices during a snowboard halfpipe training session at the 2026 Winter Olympics, in Livigno, Italy, Sunday, Feb. 8, 2026. (AP Photo/Lindsey Wasson) Jan Scherrer
Bild: AP Photo

Es war der grosse Traum von Jan Scherrer, an diesen Winterspielen noch einmal antreten zu können. Der Halfpipe-Snowboarder aus dem Toggenburg kämpfte sich nach Rückschlägen zurück - und musste am Mittwochabend nur wenige Minuten vor seinem Einsatz in der Qualifikation dennoch Forfait geben.

Es ist eine bittere Geschichte, die der 31-Jährige am Tag danach ausführlich darlegt. Er war im Training guter Dinge, weil die Pipe schneller war als zuvor - und ihm dies die Möglichkeit eröffnen würde, seinen Trick «Jantonic» einzubauen. «Im dritten Trainings-Run stürzte ich», erklärt er und liefert auf Instagram das Video dazu. Der Sturz sieht verhältnismässig harmlos aus. Nach einem «Double-Cork» landet er vermeintlich sicher, verkantet dann aber. Dabei schlägt er auf dem Hinterkopf auf, eine leichte Gehirnerschütterung ist die Folge.

«Ich wollte das Ganze zunächst verdrängen. Fühlte mich aber verwirrt, sprach mit den Coaches.» Der Arzt kontrollierte Scherrer und empfahl ihm, nicht zu starten. Gleichgewicht und die Sicht waren eingeschränkt. «Das fuhr ein, diese Antwort hatte ich nicht erwartet», sagt Scherrer. «Ich ging noch einmal nach oben, wollte es noch einmal versuchen. Beim Weg runter zur Halfpipe wusste ich: Das funktioniert nicht.» Dann kam der emotionale Zusammenbruch.

Später sah der 31-Jährige die Quali von seinem Hotelzimmer aus. Und war beeindruckt vom hohen Niveau.

Jüngstes Kapitel in Scherrers Verletzungsgeschichte

Die Nachricht ist bitter für Scherrer, zumal er sich zuletzt immer wieder zurückkämpfte. Seit seinem Bronze-Gewinn in Peking 2022 machten ihm mehrmals Verletzungen zu schaffen. Bei einem Sturz vor eineinhalb Jahren zog er sich eine komplizierte Rippenverletzung zu, musste auf die Heim-WM 2025 verzichten. Es war offen, ob er je wieder in eine Halfpipe zurückkehren kann. Doch dann fand er den Tritt und qualifizierte sich für Olympia.

Auf die Spiele direkt an der Schweizer Grenze in Livigno freute sich Scherrer besonders: «Mein Umfeld hat nun die Möglichkeit, die Wettkämpfe zu besuchen», sagte er vor wenigen Tagen. Scherrer war bisher nur fern der Heimat an Olympischen Spielen gestartet, 2014 in Sotschi, 2018 in Pyeongchang und vor vier Jahren in Peking. Gerade bei seinem Bronzegewinn 2022 waren sehr wenige Leute zugegen - wegen der Covid-Einschränkungen während der Spiele in Peking.

Die Aussage, die Scherrer vor den Wettkämpfen in einem Olympia-Portrait von Swiss Ski machte, wirkt nachträglich schmerzhaft, aber irgendwie auch versöhnlich: «Ich kann nur noch gewinnen. Alles was jetzt kommt, ist noch Zusatz. Ich habe meine Medaille.» Gestern fügte Scherrer an: «Solche Dinge passieren im Leben, das habe ich den vergangenen Jahren gelernt zu akzeptieren. Es geht weiter.» Er freue sich auf den Weltcup in Japan. «Ich bin noch immer auf der Suche nach dem Ausrufezeichen.»

Final vom Freitag ohne Schweizer Beteiligung

Auch die anderen Schweizer konnten sich nicht für den Final empfehlen. Der 17-jährige Appenzeller Mischa Zürcher wurde 22. Er habe die Leistungen aus den Trainings nicht mit in die Qualifikation nehmen können, sagt er am Tag danach. «Ich fühlte mich bereit, spürte aber den Druck - wer an Olympia startet, will sein Bestes zeigen.» Er nehme die Erfahrung aber mit: «Ich freue mich auf alles, was kommt».

Der 19-jährige Thurgauer Jonas Hasler landete als bester Schweizer auf Rang 16, zeigte sich mit «zwei soliden Runs» zufrieden - und freut sich nun auf seinen Slope-Style-Einsatz. Nur die zwölf Besten qualifizierten sich für die Finals vom Freitagabend.

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