
Nach zwei Schreckmomenten vor laufenden Kameras binnen drei Tagen hat Jamal Musiala selbst die Ursachen seiner plötzlichen Blackouts erklärt - und dabei einen medizinischen Begriff benutzt, den viele Menschen nicht kennen: Absencen.
Von «temporär kurz auftretenden, aber gut behandelbaren Absencen, die auf eine neurologische Dysfunktion» zurückzuführen seien, schrieb Musiala in einem Statement bei Instagram. Ihm gehe es gut, er wolle den Fans «auch die Sorgen nehmen. Es besteht kein darüberhinausgehendes gesundheitliches Risiko.» Was ihm nun bei der Genesung am meisten helfe? «Meiner Passion Fussball zu spielen weiter nachzugehen». Und: «Weiter Siege und Titel zu jagen».
Das französische Wort bedeutet im Deutschen so viel wie «Abwesenheit». Und genau das traf auf den 23 Jahre alten deutschen Nationalspieler zu, der auf dem Platz kurzzeitig weggetreten wirkte. Für einige Sekunden hatte der Profi des FC Bayern München in den Spielen gegen RB Leipzig und gegen den 1. FC Heidenheim jeweils Komplettaussetzer. Musiala wisse, teilte er nun mit, dass dies «scary», also beängstigend, ausgesehen habe. Aber dies sei «aktuell Teil meines Alltags. Ich habe insgesamt ein sehr gutes Gefühl und bin auf einem guten Weg.» Er befinde sich im regelmässigen Austausch mit neurologischen Fachärzten.
Absencen sind eine Form epileptischer Anfälle und treten nach Angaben der amerikanischen Epilepsy Foundation besonders häufig bei Kindern im Alter von 4 bis 14 Jahren auf, können aber auch bei Jugendlichen oder Erwachsenen vorkommen. Gerade bei Kindern werden kurze Absencen, die üblicherweise nur wenige Sekunden dauern, mit Tagträumen und Unaufmerksamkeit verwechselt und von Aussenstehenden gar nicht als Symptom eines gesundheitlichen Problems bemerkt.
Typische und atypische Absencen
Während einer typischen Absence ist die Wahrnehmung und Reaktionsfähigkeit vorübergehend beeinträchtigt. Betroffene reagieren in der Regel nicht oder kaum auf ihre Umgebung und auf Ansprache. Dabei kann es vorkommen, dass die Augen nach oben rollen. Sobald eine typische Absence vorüber ist, kann eine betroffene Person ihre vorherige Tätigkeit schon nach kurzer Zeit wieder fortsetzen - in der Regel bleibt nur eine kurze Erinnerungslücke.
Daneben gibt es sogenannte atypische Absencen, die länger dauern und bei denen Beginn und Ende weniger abrupt sein können. Auch automatische Bewegungen, etwa von Fingern, Händen oder Mund, können auftreten.
Bayern wusste bei Musiala Bescheid
Bayerns Sportvorstand Max Eberl hatte nach dem Heidenheim-Spiel erklärt, dass der Verein über die Probleme bei Musiala «Bescheid wusste und weiss». Bei Instagram schrieben die Münchner: «Wir stehen immer an deiner Seite, Jamal!» Auch viele Stars wie Manuel Neuer, David Alaba, Florian Wirtz, Lothar Matthäus oder Leroy Sané kommentierten das Statement. «Bleib stark», hiess es etwa.

Dabei sollte diese Saison für Zauberfuss Musiala nach seiner schweren Verletzung, die er sich am 5. Juli 2025 bei der Klub-WM zugezogen hatte, und nach durchwachsenen Monaten so etwas wie ein Neuanfang sein. Nach dem WM-Desaster mit der DFB-Elf hatte er sich eine Metallplatte aus dem operierten Fuss entfernen lassen. In der Reha kämpfte er zuletzt um den Anschluss und stieg nach der Asienreise in der vergangenen Woche wieder ins Teamtraining ein - ehe er nun zweimal kollabierte.
Doch Musiala blickte am Dienstagabend schon wieder positiv nach vorne: «Ich bin in bester medizinischer Behandlung und sehr optimistisch.» (dpa/sid)

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