Jetzt ist bekannt, wie der zweite Gruppengegner der Schweiz am 18. Juni an der WM heisst: Es ist nicht der vierfache Weltmeister Italien, sondern Bosnien-Herzegowina, der Kleinstaat vom Balkan. Die Italiener scheiterten in der letzten Playoff-Runde in Zenica im Penaltyschiessen, weil zwei von drei der ihren nicht reüssierten. Pio Esposito schoss über das Tor, Bryan Cristante traf nur die Latte.
Aber was war das schon zuvor für ein Drama: Früh führten die Italiener nach einem groben Fehler von Bosniens Torhüter Nikola Vasilj durch Moise Kean 1:0. Eine Viertelstunde war da gespielt. Und die Italiener hatten, was sie gegen die defensiv starken Bosnier haben wollten: eine frühe Führung.
Doch rasch gaben die «Azzurri» das Zepter aus der Hand, und nachdem Alessandro Bastoni kurz vor der Pause für eine Notbremse eine strenge Rote Karte gesehen hatte, versuchten die Italiener nur noch, das Resultat über die Zeit zu bringen. Klar, sie hatten bei Kontern grosse Chancen für den wohl entscheidenden zweiten Treffer durch Kean und Esposito, aber es war verdient, als die Bosnier elf Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit zum Ausgleich kamen.
Und wer war es, der Bosnien in die Verlängerung rettete und letztlich für ein WM-Duell gegen die Schweiz sorgte? Ein Schweizer! Haris Tabakovic, der in Grenchen aufwuchs und bei YB den Nachwuchs durchlief, drückte den Ball aus wenigen Metern über die Linie. Auch im Penaltyschiessen war er erfolgreich.
Zweifelhafte Entscheide des Schiedsrichters
Aber zurück zu Italien: Die Gäste mögen Schiedsrichter-Pech beklagen. Hätte der Franzose Clément Turpin in der Verlängerung nicht auch einen Bosnier für eine Notbremse vom Platz stellen müssen? Hätte er nicht den bosnischen Treffer wegen eines vorangegangenen Foulspiels von Edin Dzeko annullieren sollen? Die Fragen sind aus italienischer Sicht berechtigt.
Doch um sich in Zenica ein besseres Ende zu verdienen, haben die Italiener zu wenig gut gespielt. Natürlich mussten sie sich fast anderthalb Stunden lang in Unterzahl wehren. Aber sie verweigerten sich dem Spiel zu sehr, waren nie in der Lage, das Geschehen zu beruhigen. Erst in der Verlängerung, als bei den Bosniern die Kräfte schwanden, schafften es die Italiener, wieder etwas Kontrolle zu erlangen.
Zum dritten Mal in Folge verpasst diese grosse Fussball-Nation nun also eine WM-Endrunde. Die letzte Teilnahme liegt zwölf Jahre zurück – 2014 war es, in Brasilien. Da schieden die Italiener in der Vorrunde aus. Danach mussten Verbandspräsident und Nationaltrainer gehen. Das gleiche Schicksal droht nun zumindest dem FIGC-Boss Giuseppe Gravina.
Trainer Gennaro Gattuso dagegen könnte im Amt bleiben. Er ist ja auch erst im vergangenen Sommer für Luciano Spalletti gekommen, unter dem das Qualifikations-Fiasko mit einer 0:3-Startpleite gegen Norwegen eingeleitet wurde. Doch will er überhaupt weitermachen? Gattuso, der Weltmeister von 2006, hatte es sich zum Ziel gemacht, die «Azzurri» zur WM zu führen. Von «der grössten Aufgabe seines Lebens» hatte er letzte Woche vor dem ersten Spiel gegen Nordirland gesprochen. Er hat sie nicht gelöst. Daran wird er nun gemessen werden, wird vor allem er sich selbst messen.
Der Kosovo scheitert knapp an der Türkei
Der Traum des Kosovo von der ersten WM-Teilnahme ist derweil auch vorbei. Das Team von Franco Foda und mit dem Super-League-Spieler Kreshnik Hajrizi von Sion in der Startformation unterlag in Pristina der Türkei 0:1. Das entscheidende Tor für die Gäste erzielte Kerem Akturkoglu kurz nach der Pause. Die Türkei nimmt damit erstmals seit 2002 wieder an einer WM teil. Qualifiziert sind auch Schweden und Tschechien.




Kommentare
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien, die Kommentare werden von uns moderiert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.