Samstag, 30. Mai 2026. Kurz nach 19.30 Uhr ist es amtlich: Kriens-Luzern ist zum ersten Mal in seiner Klubhistorie Schweizer Meister. Josip Peric, der Spielmacher der Kadetten Schaffhausen, legt den Ball 20 Sekunden vor Schluss auf den Boden, die restliche Spielzeit läuft ohne weitere Aktion aus. Es ist eine schöne Geste der Ehrung und des Respekts für die Luzerner, die mit 39:33 uneinholbar führen. Kurz darauf liegen sich alle Blauweissen in den Armen. Die Best-of-5-Serie gegen den Titelverteidiger endet mit einem glatten 3:0, bereits die ersten beiden Spiele gingen an den HCKL (37:33; 41:36).
«Schwiezer Meischter», schallt es von der Gästetribüne, die mit über 300 Fans ausgezeichnet bestückt ist. Erst zum zweiten Mal und erstmals seit dem Triumph von Borba Luzern im Jahr 1993 feiert die Innerschweiz im Männer-Handball einen Meister. Bei der Pokalübergabe spritzt der Sekt, Konfetti und goldene Schnipsel wirbeln durch die Luft. Die BBC-Arena, wo es in der Regel nichts zu holen gibt, ist fest in Krienser Hand. «Es ist eine Erlösung. Alles, was ich mir mit dieser Mannschaft erhofft, erwünscht und erträumt habe, traf ein», schwärmt Trainer Thomas Zimmermann.
Der Übergangstrainer wird zum Meistertrainer
«Zimmi, Zimmi»-Rufe quittieren den Moment, in dem er den Pokal den eigenen Anhängern entgegenstreckt. Seiner Equipe gelang ein unfassbarer Steigerungslauf, am Samstag gewannen sie zum 18. Mal in Serie. Noch im Februar ertönten vereinzelte «Zimmi-Raus»-Forderungen aus dem Publikum, Geldgeber forderten den Rausschmiss des Übergangstrainers. Der herzliche Mensch mit der rauen Schale trotzte aber allen Unkenrufen, und tat das, was er am besten kann. Malochen. «Wir haben viel Arbeit und Energie reingesteckt. Der Zusammenhalt in diesem Team ist unglaublich.»
Der letzte Schritt zum grossen Titel war aber wie erwartet der schwierigste. «Wir wollen sicher nicht zuschauen, wie Kriens-Luzern in unserer Halle den Titel holt», gab sich Kadettens Kreisläufer Lucas Meister vor der Partie kämpferisch. Und genau so trat sein Team auch auf. Zwar erspielten sich die Krienser schon in der ersten Halbzeit Vorteile, führten zuweilen mit drei Toren. Mangelhafte Effizienz im 7-gegen-6-Angriff, eine Abwehr mit ungenügendem Zugriff und Torhüter, die nicht ins Spiel fanden, sorgten aber dafür, dass Schaffhausen bis zur Pause wieder den Anschluss fand (20:21).
Krienser rauschen entfesselt dem Titel entgegen
Nach dem Seitenwechsel schien es sogar, als würden die Orangen das Comeback in diesen Playoff-Final schaffen. Angeführt von Nationalspieler Luka Maros, der sein Team wie einst der legendäre Andy Schmid auf seine Schultern lud, führte der Gastgeber nach etwas mehr als 40 Minuten mit 25:23. Nun wurde es hektisch, zäh, Temperaturen und Luftfeuchtigkeit wurden auch in der Sporthalle hochsommerlich. Bis zur 54. Minute und dem Skore von 32:32 war es ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Dann, endlich aus Sicht des HC Kriens-Luzern, drehte Goalie Kévin Bonnefoi auf.
Seine Paraden ebneten das, was die Ausnahmekönner Luca Sigrist und Marin Sipic im Angriff in Tore ummünzten. In den letzten Minuten legten die Krienser sämtliche Fesseln ab, überrollten den paralysiert wirkenden Kontrahenten und strebten euphorisiert der Premiere entgegen. Ein 3:0-Finalsieg gegen Schaffhausen, den Dominator der letzten 20 Jahre, gab es erst einmal; 2021 gelang dies Pfadi Winterthur. «Das ist ein Bilderbuch-Abschluss für mich», schwärmte Sigrist. «Mit dem letzten Spiel Schweizer Meister zu werden, ist einfach perfekt.»
Mehrere Spieler verabschieden sich als Champions
Der Spielmacher wird im Sommer nach Melsungen in die Bundesliga wechseln. Ebenfalls mit einem Paukenschlag verlassen Bonnefoi (Tremblay) und Milos Orbovic (offen) den Klub. Oder Radojica Cepic (Györ), der in Abwehr und Angriff ein schier unmenschliches Programm abgespult hat. Auch On Langenick und Gino Delchiappo, zwei langjährige Teammitglieder, verabschieden sich als Champions, die beiden Luzerner beenden ihre Karriere. Und Thomas Zimmermann? Tritt zurück ins zweite Glied und möchte mit dem neuen Chef Andy Schmid dafür sorgen, dass Kriens-Luzern an der Spitze bleibt. Und nicht wieder 33 Jahre auf den nächsten Innerschweizer Meistertitel warten muss.

BBC-Arena. – 2578 Zuschauer. – SR Brunner/Salah. – Strafen: 5-mal 2 Minuten gegen Schaffhausen, 3-mal 2 Minuten gegen Kriens-Luzern. – Schaffhausen: Bergmann (1 Parade)/Car (10 Paraden; 2 Tore); Lier (1), Maros (14), Peric (2), Martinovic, Rikhardsson (6/4), Meister (4), Markovic, Pietrasik (2); Küttel (1), Reznicky, Saueressig (1), Prince, Hrachovec. – Kriens-Luzern: Bonnefoi (8 Paraden)/Scheidiger (2); Aellen (3), Müller (4), Sigrist (8/2), Cepic (6), Langenick (3), Sipic (11), Bader (1); Orbovic (3), Delchiappo. – Bemerkungen: Schaffhausen komplett. Kriens-Luzern ohne Milosavljevic, Schelker, Schlumpf, Wolfisberg und Idrizi (alle verletzt). Scheidiger pariert Penalty von Rikhardsson (21./14:16). Sigrist wirft Penalty an die Latte (42./25:23). Bonnefoi pariert Penalty von Rikhardsson (57./32:35)



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