notifications
Eishockey

Verkehrte Welt im Playoff-Final: Im vierten Spiel gewinnt zum vierten Mal das Auswärtsteam

Goalie Sandro Aeschlimann wird zum Herr über den Zufall. Der HC Davos gewinnt in Fribourg mit 1:0 und gleicht die Serie zum 2:2 aus.

Gottéron verliert auch das zweite Finalheimspiel. Der HC Davos gewinnt in Fribourg 1:0 und der Final steht 2:2. Erneut ist der Torhüter der Held. HCD-Goalie Sandro Aeschlimann hält in Fribourg alle Pucks. Zum bisher letzten Mal ist das vor gut einem Jahr Kevin Pasche im zweiten Halbfinalspiel gelungen. Lausanne siegte 1:0 bei ausgeglichenem Spiel (27:26 Torschüsse). Das gestrige «zu null» von Sandro Aeschlimann ist wesentlich höher zu bewerten.

Diese zweite Heimniederlage führt zur Frage: Kann Gottéron einfach nicht Meister werden? Natürlich ist noch nichts entschieden. Der Final steht 2:2. Aber um Meister zu werden, muss Gottéron ein drittes Spiel in Davos gewinnen.

Die Frage ist ja schon, warum Davos und Gottéron auf eigenem Eis in diesem Final nicht gewinnen können. Der Zufall mag eine Rolle spielen. Davos stand im ersten (2:3) und dritten Spiel (2:3 n.V) einem Sieg im eigenen Eis wesentlich näher als Gottéron in der zweiten (1:3) und nun in der vierten Partie (0:1). Zwei Faktoren sind Gottéron vor allem gestern zum Verhängnis geworden. Erstens HCD-Goalie Sandro Aeschlimann, der als «Herr über den Zufall» alle Pucks parierte. So sehr es vor seinem Kasten zeitweise drunter und drüber ging und dem Zufall durch abprallende, verspringende und tanzende Pucks dem Zufall Tür und Tor offenstand, so überlegen Gottéron war (36:19 Torschüsse) – der Mann im HCD-Kasten meisterte alle Situationen. Auch in der vierten Partie gewinnt das Team mit dem besseren Torhüter.

Zweitens spürt Gottéron den immensen Erwartungsdruck. Eine Stadt vibriert. Obwohl diese Vibrationen nicht messbar sind: Ein so hoher Erwartungsdruck ist im Teamsport selten. Für die Spieler ist es nahezu unmöglich, Konzentration zu bewahren und die Balance zwischen Lockerheit und Biss zu finden. Im Eishockey gehorcht das Spiel keiner Brechstange. Während der Kopf noch «jetzt!» schreit, hat das Spiel längst geantwortet: «zu spät.»

Matchwinner Sandro Aeschlimann (links) nach dem 1:0-Auswärtssieg mit seinem HCD in Fribourg.
Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Die Nordamerikaner haben für Gottérons Problem eine schöne Umschreibung: Die Spieler pressen das Wasser aus den Stöcken. Oder auf den Punkt gebracht: Gottéron hat zu viel Biss. Was sich gut daran zeigt, dass selbst Marcus Wallmark und Julien Sprunger kein Zaubertrick gelungen sind: Ihre Treffer am Mittwoch in Davos oben zum 2:2 und in der Verlängerung zum 3:2 waren das Produkt von Lockerheit. Sie lupften den Puck ins Tor. Der Stock als Zauberstab. Jetzt waren ihre Stöcke nur noch Werkzeuge. Es hilft nichts, dass Gottérons Coach Roger Rönnberg Reto Berra durch einen sechsten Feldspieler ersetzt (2:22 vor Schluss) und dann sechs Stürmer aufs Eis schickt. Sandro Aeschlimann lässt sich nicht mehr bezwingen.

Mehr zum Thema:

Mehr zum Thema:

Kommentare (0)