
Als der Moderator vor dem House of Switzerland Gregor Deschwanden würdigt, ist es vielleicht bezeichnend, dass es den einen oder anderen Versprecher gibt. Mit dem Namen des Schweizer Skispringers aus Horw am Luzerner Stadtrand ist der Ansager jedenfalls noch nicht sonderlich vertraut. Immer wieder wird «Gregor» zu «Georg». Und als er dann wirklich mal «Gregor» sagt, folgt umgehend die Verschlimmbesserung.
Gregor Deschwanden kam schier aus dem Nichts zu olympischem Ruhm. Am Montagabend flog er zweimal federleicht von der Normalschanze in Predazzo ab, zweimal Schanzenrekord. Er sprang zu einer Olympia-Bronzemedaille, die ihm die wenigsten nach dieser durchzogenen Saison zugetraut hatten.
Der Erfolg wurde noch am selben Abend ausgiebig gefeiert: «Wir haben in Predazzo eine Bar in Beschlag genommen», erzählt Deschwanden. «Für mich persönlich ist das der lang ersehnte Durchbruch bei einem Grossereignis. Olympia ist der wichtigste Event im Skispringen. Daran werde ich mich auch nach der Karriere gerne zurückerinnern.»
Am Dienstag folgte die zweite Tranche der Feierlichkeiten. Deschwanden und sein Team nahmen eine zweieinhalbstündige Autofahrt auf sich, von Pedrazzo nach Cortina, um sich im House of Switzerland empfangen zu lassen. «Das ist mir heute eigentlich ziemlich egal, wenn ich etwas müde sein werde», sagt er.

Die 14-stündige Autofahrt des Servicemannes
Deschwanden vergass in der Euphorie nicht, sein Team einzubeziehen. «Wenn ein solcher Erfolg passiert, ist es wichtig, dass man dies als Team feiert. Denn es gab in diesem Winter noch nicht soviel zu feiern für uns. Klar ist es am Ende meine eigene Medaille. Aber es braucht jeden für diesen Erfolg.»
Einen speziellen Anteil am Erfolg hat sein Servicemann Björn Schneider. Der Deutsche fuhr vor dem Wettkampf zurück nach Deutschland, um für Deschwanden ein Paar Ski zu holen, das eigentlich zu Beginn der Saison ausgemustert wurde. Nun versprach man sich ausgerechnet von diesem Paar den Erfolg. Schneider nahm also eine 14-stündige Autofahrt auf sich, um die Latten nach Italien zu bringen. «Am Schluss war es die richtige Entscheidung, ich bin mega froh, dass er das für mich gemacht hat», sagt Deschwanden.
Trotz vielversprechendem Material war Deschwanden nicht wirklich vorbereitet auf den Erfolg. Die offiziellen Kleider für die Medaillenzeremonie hatte er am Montag gar nicht eingepackt. «Ich habe mir nach dem ersten Durchgang gedacht: ‹Super, jetzt bist du Vierter und hast die Kleider gar nicht dabei.› Ich habe sie aber nicht bewusst daheim gelassen, um mir keinen Druck zu machen. Ich habe sie schlicht vergessen.»

Die Medaille werde ihm viel Motivation für die kommenden Aufgaben geben, erzählt er. Und sie hat auch ganz konkrete physische Folgen. Denn vor Olympia ging Deschwanden eine Wette ein, sich im Falle einer Medaille ein Tattoo stechen zu lassen. «Den Termin habe ich noch nicht gemacht. Aber ich denke, dass ich das einlösen werde. Ich bin mir noch nicht sicher, was ich tätowieren lasse. Die Olympischen Ringe eher nicht. Ich denke da eher an eine Pizza, oder an Pasta.»
Der Erfolgshunger ist jedenfalls ungestillt. Und der nächste Wettbewerb folgt schon bald. Am Samstag findet das Springen auf der Grossschanze statt. «Die Chancen sind da», sagt er. Und die Kleider für eine allfällige Zeremonie werde er beim nächsten Mal dabei haben.
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