
Tadej Pogacar ist der Mann der Stunde, der alles und jeden in den Schatten stellt, auch Jonas Vingegaard. Dabei hat sein dänischer Dauerrivale bei der Tour de France einen imposanten Saisonstart mit Siegen bei mehrtägigen Etappenrennen hinter sich. Erst gewann er Paris-Nizza, danach auch noch die Katalonien-Rundfahrt, wo er jeweils zwei Teilstücke für sich entschied.
In Abwesenheit von Pogacar kann der 29-jährige Däne in den nächsten drei Wochen etwas schaffen, das dem Slowenen bisher verwehrt geblieben ist: Entscheidet Vingegaard den Giro d'Italia für sich, hat er mit der Tour de France (2022 und 2023) und der Vuelta im vergangenen Jahr alle drei grossen Rundfahrten (Grand Tours) mindestens einmal gewinnen können. Nur sieben Fahrern ist das in der Geschichte des Radsports gelungen.

Schwaches Feld an Herausforderern
Vingegaards Konkurrenz ist überschauber. Neben Pogacar fehlen auch Fahrer wie der Tour-de-France-Dritter Florian Lipowitz, sein Teamkollege Remco Evenepoel, der rekonvaleszente Joao Almeida, Richard Carapaz oder der Vorjahressieger Simon Yates, der inzwischen zurückgetreten ist.
Mit dessen Zwillingsbruder Adam (7) und dem Australier Ben O'Connor (9) stehen in Bulgarien nur zwei weitere Fahrer aus den Top Ten sder aktuell besten Gesamtklassementsfahrer am Start. Der letztjährige Zweite, der Mexikaner Isaac Del Toro, bestreitet im Sommer erstmals die Tour de France. Der 22-Jährige ist dort als Helfer von Tadej Pogacar vorgesehen.

Vingegaard wie Pogacar und Pantani?
Viele Beobachter sehen in Vingegaards Teilnahme beim Giro d'Italia eine Art Kapitulation vor dem Slowenen, der die Tour de France in den beiden vergangenen Jahren klar gewonnen hatte. Weil zwischen Ende des Giro am 31. Mai in Rom und Start der Grande Boucle am 7. Juli in Barcelona nur fünf Wochen liegen, gilt es als unmöglich, in beiden Rennen zu brillieren.
Tatsächlich war das zuletzt Marco Pantani 1998 gelungen, ehe Pogacar es ihm vor zwei Jahren gleichtat. Allerdings befand sich der Slowene damals in einer vergleichbaren Situation wie Vingegaard. Er hatte in den beiden Jahren davor bei der Frankreich-Rundfahrt zwei Mal das Nachsehen gegen seinen Rivalen gehabt, suchte nach neuen Herausforderungen - und fand diese beim Giro d'Italia. Ein Effekt, auf den nun auch Vingegaard hofft.
Denn sein grösstes Saisonziel bleibt der dritte Sieg bei der Tour de France.


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