Fussball WM 2026

Nach wildem Hin und Her: Der nächste Gegner der Schweizer Nati ist Algerien mit Trainer Vladimir Petkovic

Am Freitagmorgen kommt es im WM-Sechzehntelfinal zum Wiedersehen mit dem Vorgänger von Murat Yakin.

Lange sah es nach Iran aus, doch am letzten Spieltag der Gruppenphase gewann Kroatien gegen Ghana, schlug Kongo Usbekistan und trennten sich Österreich sowie Algerien unentschieden. Was heisst: Die Schweizer Nati trifft im WM-Sechzehntelfinal auf Algerien.

Doch was war das denn? Bis zur 93. Minute stand es zwischen Algerien und Österreich 2:2. Dann trafen die Nordafrikaner, Österreich war zu diesem Zeitpunkt aus dem Turnier ausgeschieden. Ein letzter Angriff - und tatsächlich: Sasa Kalajdzic drückt den Ball mit dem Kopf über die Linie. 3:3. Schlusspfiff.

Der nächste Schweizer WM-Gegner wird ausgerechnet vom ehemaligen Nati-Coach Vladimir Petkovic trainiert.
Bild: MOHAMED MESSARA

Was für ein Hin und Her. Nicht nur für unsere Nachbarn. Auch im Natihotel in San Diego dürfte es hoch zu und hergegangen sein. Iran, Algerien, Iran - und auf den letzten Drücker doch wieder Algerien.

Damit nicht genug: Trainer bei den Nordafrikanern ist ein in der Schweiz bestens Bekannter: Vladimir Petkovic. Der Tessiner trainierte von 2014 bis 2021 die Schweizer Nationalmannschaft, ehe er nach dem Viertelfinal-Out an der EM 2021 gegen Spanien ein Angebot aus Bordeaux annahm. Seither wird die Nati von seinem Nachfolger Murat Yakin gecoacht.

Petkovic hinterliess der Fussball-Schweiz ein grosses Erbe: Unter ihm wurde die Nati nicht nur zum Stammgast an Endrunden, sondern qualifizierte sich jedes Mal für die K.o.-Phase. 2016 an der EM in Frankreich (Achtelfinal-Out gegen Polen), 2018 an der WM in Russland (Achtelfinal-Out gegen Schweden), ehe er 2021 an der EM die Nati zum bis heute grössten Erfolg der Geschichte führte: Nach 1:3-Rückstand eliminierten die Schweizer im Penaltyschiessen den amtierenden Weltmeister Frankreich.

Der Abend für die Ewigkeit in Bukarest löste eine neue Dimension der Fussballeuphorie in der Schweiz aus und ist für immer mit dem Namen Vladimir Petkovic verbunden. Unvergessen die Szene nach Yann Sommers gehaltenem Penalty gegen Superstar Kylian Mbappé, als der blondierte Captain Granit Xhaka zu Petkovic eilte und ihm die Worte zurief: «We made it!» Wir haben es geschafft!

Petkovics Abgang wenige Tage danach erwischte den Verband auf dem falschen Fuss. Die Nachfolger-Wahl fiel auf Murat Yakin, der Petkovics Erbe auf hohem Niveau weiterführte. Auch unter Yakin qualifizierte sich die Nati für jedes Turnier, mit der Viertelfinal-Qualifikation an der EM 2024 als vorläufiger Höhepunkt.

Für Petkovic indes lief es in Bordeaux nicht wie gewünscht. Finanziell ging es in der Weinstadt drunter und drüber - und als Petkovic keine Resultate liefern konnte, wurde er schon gut ein halbes Jahr nach Amtsantritt im Februar 2022 entlassen. Nach zwei Jahren Pause fand er mit dem Amt des algerischen Nationaltrainers wieder einen Job. Der Start misslang, was dem 62-Jährigen fast die nächste Entlassung bescherte. Doch dann gelang mit dem Viertelfinaleinzug am Afrikacup und dem Lösen des WM-Tickets die Wende.

In der Gruppe J setzte es zum Auftakt eine 0:3-Pleite gegen Argentinien, alle Tore erzielte Lionel Messi. Danach hielten Petkovic und sein Team dank dem knappen 2:1 gegen Jordanien die Chancen auf die K.o.-Phase am Leben, ehe nach dem 3:3-Krimi gegen Österreich der grösste Erfolg der Geschichte neben dem WM-Achtelfinal 2014 (Out gegen Deutschland) feststand.

Algerien und der Schweiz trafen erst einmal aufeinander - und zwar auf freundschaftlicher Basis im Jahr 1986. Die Nati gewann in Genf dank einem Doppelpack von Heinz Hermann 2:0. Für Algerien stand Rabah Madjer auf dem Platz, der bis heute beste und erfolgreichste Fussballer des Landes. Unter anderem gewann Madjer die Champions League mit Porto.

Stützen im heutigen Team von Vladimir Petkovic sind Ramy Bensebaini (Dortmund), Rayan Ait-Nouri (ManCity), Ibrahim Maza (Leverkusen), Riyad Mahrez (Al Ahli, ehemals ManCity) und Nabil Bentaleb (Lille). Schweizer Fussballfans ist auch Linksverteidiger Haouen Hadjam von YB bekannt.

In der Fifa-Weltrangliste belegt Algerien Rang 29, die Schweiz Rang 19. Das, die langjährige Turniererfahrung im Kader und die individuelle Qualität machen die Nati auf Papier zum Favoriten. Algerien ist eine Hürde, die übersprungen werden muss, wollen Xhaka, Yakin und Co. das selbsternannte Ziel der besten Schweizer WM aller Zeiten erreichen. Unterschätzt werden sollte das Petkovic-Team aber auf keinen Fall.

In einem allfälligen Achtelfinal, der ebenfalls in Vancouver stattfinden würde, träfe die Nati auf den Sieger des Duells Kolumbien vs. Ghana.

Doch zuerst voller Fokus auf den Sechzehntelfinal: Schweiz gegen Algerien. Yakin gegen Petkovic. Dieses Duell am Freitagmorgen (5 Uhr Schweizer Zeit) hat es in sich!

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