Fifa-Präsident

Gianni Infantino muss weg – die Einsicht der Fussball-Schweiz kommt sehr spät

Der Schweizerische Fussballverband entzieht Gianni Infantino die Unterstützung. Der Entscheid könnte Signalwirkung haben, auch wenn er früher nötig gewesen wäre. Unser Kommentar.

Es ist eine schallende Ohrfeige für Gianni Infantino. Am Mittwoch um 17 Uhr erklärt der Schweizerische Fussballverband: Die Unterstützung für eine weitere Amtszeit des Fifa-Präsidenten Infantino wird zurückgezogen. Der Grund dafür? «Eine umfassende Neubeurteilung der Entwicklungen der vergangenen Monate.» Es ist eine Kehrtwende nach langen Wochen des Zögerns.

Nein, der SFV ist weder der wichtigste noch der einflussreichste Verband der Fussballwelt. Und doch könnte die Nachricht Wirkung entfalten: Wenn der Fifa-Präsident nicht einmal mehr von seinem Heimatland unterstützt wird – von wem denn dann?

Nun sollte man sich nicht der Illusion hergeben, alle Fussball-Länder dieser Welt würden so denken. Es wird auch weiterhin Verbände geben, die Infantinos aus dem Fussball herausgequetschtes Geld mit offenen Händen nehmen. Umso wichtiger ist das Schweizer Zeichen.

Es bleibt nur eine Frage: Warum nur hat der SFV so lange gebraucht, um sich zu diesem Entscheid durchzuringen? Die Haltung «wir beobachten mal...» erinnerte manch einen an die Corona-Bürokraten von Bund und Kantönen. Man hätte sich ein ähnlich entschlossenes Handeln gewünscht wie einst, als Russland den Angriffskrieg gegen die Ukraine startete und der SFV sofort erklärte, unter keinen Umständen mehr gegen ein russisches Team zu spielen.

Dafür, wie das System Infantino den Fussball vergiftet, gibt es seit vielen Jahren genügend Indizien. Klub-WM hier. WM-Aufstockung da. Verbrüderung mit Schurkenstaaten. In diesem WM-Sommer aber ist Infantino für den Fussball untragbar geworden. Aus zwei Gründen: Nach einem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump liess Infantino vor dem WM-Achtelfinal USA-Belgien die rote Karte gegen US-Stürmer Folarin Balogun streichen. Eine nie gesehene und unerhörte Einflussnahme der Politik auf den Fussball. Schon damit überschritt Infantino eine rote Linie. Kurz nach der WM wurden dann Pläne des Fifa-Präsidenten publik, wie er einen Teil der künftigen WM-Rechte an ein privates Konsortium verkaufen wollte – zufälligerweise war der Bruder von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner daran beteiligt.

Dafür kommt die Einsicht zu spät. Bereits Anfang August gab der europäische Fussballverband Uefa den unwiderruflichen Bruch mit Infantino bekannt. Als erster europäischer Verband entzog Wales Infantino das Vertrauen. Von den europäischen Schwergewichten folgten England, Deutschland, Frankreich und Italien.

Dass die Fussballwelt am 18. März 2027 von Infantino erlöst wird, wenn im marokkanischen Rabat der Fifa-Präsident gewählt wird, ist trotzdem alles andere als sicher. Bis zum 18. November haben Infantinos Gegner noch Zeit, sich auf einen Gegenkandidaten zu verständigen. Es wäre wünschenswert, diesbezüglich auch vom SFV bedeutendere Voten zu vernehmen als: Wir beobachten.

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