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Offene Fragen vor der WM: Wie weiter mit dem Iran? Gerät Fifa-Präsident Infantino unter Druck?

Heute beginnt in Vancouver der 76. Fifa-Kongress. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten.
Wie wird die WM? Fifa-Präsident Gianni Infantino
Bild: Dolores Ochoa

Wenn Gianni Infantino am Donnerstag die Entscheider des Weltfussballs um sich versammelt, wird der Fifa-Chef aller Wahrscheinlichkeit nach sein XXL-Prestigeprojekt anpreisen. In Vancouver darf sich der Schweizer für Rekordeinnahmen feiern lassen, für die aus seiner Sicht «grösste und inklusivste» WM der Geschichte. Doch während das Turnier in den USA, Mexiko und Kanada vor dem 76. Fifa-Kongress (ab Donnerstag 18.30 Uhr) seine Schatten vorauswirft, schwelen im Hintergrund offene Fragen - zu Donald Trump, dem Iran, den Kosten für Fans sowie Infantinos Zukunft.

Welche Rolle spielt die WM im Sommer?

Eine alles überragende. Wie gewohnt beinhaltet die offizielle Agenda wenig Brisanz. Vor allem der Nahost-Krieg sowie die Fragezeichen hinter Irans WM-Teilnahme bleiben allgegenwärtig.

Reist das iranische Team trotz des Krieges in die USA?

Der Iran werde «auf jeden Fall» dabei sein, sagte Infantino zuletzt. Die Mannschaft habe sich sportlich qualifiziert und werde ihre Spiele wie geplant in den USA austragen. Teheran hatte zwischenzeitlich sogar einen Boykott ins Spiel gebracht und gefordert, seine Spiele in Mexiko auszutragen. US-Aussenminister Marco Rubio distanzierte sich zudem von einem Vorschlag, wonach Italien den WM-Platz Irans einnehmen könnte.

Wie steht Trump zu Irans Teilnahme?

Der US-Präsident veränderte seine Position mehrmals. Zuletzt sagte Andrew Giuliani, Leiter der Task Force des Weissen Hauses für die WM, dass Trump das iranische Team eingeladen habe. Also alles in bester Ordnung? Mitnichten. Trumps aggressive Politik sowie die Eskalation bei Einsätzen der US-Einwanderungsbehörde ICE mit Todesopfern verstärken dazu die allgemeinen Sicherheitsbedenken.

Welche Rolle spielt Trump bei der WM?

Der US-Präsident dürfte das Turnier als Showbühne nutzen - ungeachtet der jüngsten Warnungen zivilgesellschaftlicher Gruppen an Fans, Spieler, Journalisten sowie andere Reisende vor möglichen «ernsthaften Menschenrechtsverletzungen» in den USA. Angeblich soll die Fifa-Führung kürzlich erörtert haben, ob Infantino Trump um ein Aussetzen der ICE-Einsätze im WM-Umfeld bitten könnte. Infantino, der Trump mit einem «Friedenspreis» ausgezeichnet hat, pflegt schliesslich eine enge Beziehung zum US-Präsidenten. Diese brachte ihm eine Beschwerde der Organisation Fair Square bei der Fifa-Ethikkommission ein, die vom norwegischen Verband unterstützt wird.

Welche Probleme gibt es noch?

Die enormen Kosten, die auf WM-Reisende zukommen, sorgen seit Wochen für Gesprächsstoff. Verbraucherschützer und Fans in Europa legten wegen des Ticketverkaufs der Fifa gar eine Beschwerde bei der EU-Kommission ein. Brisant: Neben dem regulären Verkauf bietet die Fifa eine Plattform an, auf der erworbene Karten weiterverkauft werden können. Der Verkäufer legt den Preis fest, die Fifa profitiert doppelt: Sie kassiert 15 Prozent Gebühr - sowohl vom Verkäufer als auch vom Käufer. Für über zwei Millionen US-Dollar wurden dort jüngst Finaltickets angeboten. Dazu kommen der Wucher bei den Parkplätzen sowie Unsummen für Bus und Bahn. In New Jersey liefert sich die Fifa einen verbalen Schlagabtausch mit der Politik zur Frage, wer die Kosten für den Transport der Fans übernehmen sollte.

Was ist mit den WM-Prämien?

Auch die waren nochmal grosses Diskussionsthema. Viele Nationen fürchteten angesichts der hohen Kosten für Reisen, Organisation und Steuern insbesondere in den USA sogar finanzielle Verluste, hätten erst ab einer Qualifikation fürs Halbfinale schwarze Zahlen geschrieben. Deshalb wurden sie bei der Fifa mit einer Beschwerde vorstellig. Diese stimmte einer Erhöhung der Teilnahmegebühr und der Prämien prinzipiell zu, das Council soll dies noch diese Woche absegnen.

Muss Infantino beim Kongress mit Gegenwind rechnen?

Nein. Aus den Mitgliedsverbänden ist keine Kritik zu vernehmen. Eine anklagende Rede, wie sie die norwegische Verbandschefin Lise Klaveness beim Kongress vor der WM 2022 in Katar gehalten hatte, ist nicht zu erwarten. Infantino, der noch bis 2027 im Amt ist, feierte jüngst sein zehnjähriges Jubiläum als Fifa-Boss. Der Kongress wäre der perfekte Rahmen, um eine erneute Kandidatur anzukündigen. Gegenkandidaten sind nicht in Sicht. Als erster Verband sprach sich die südamerikanische Conmebol für eine weitere Amtszeit des Schweizers bis 2031 aus.

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