Der Entscheid fällt nicht auf dem Rasen in Thun, sondern mit Blick auf die Bildschirme. Während in der Ostschweiz noch gespielt wird, verfolgen Spieler, Staff und Fans gebannt die Partie zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Sion. Die Ausgangslage war klar: Nur ein Sieg hätte die Hoffnung der St. Galler im Rennen gehalten – aber mit dem 0:3 steht um 15.53 Uhr der Berner Meister fest.

Die Feierlaune im Stadion dreht beim Abpfiff erst richtig auf. Fans springen auf, rufen laut ihre Emotionen raus und halten sich in den Armen. Erste Anhänger stehen bereits auf dem Rasen und mischen sich unter die Feiernden. Im Fanblock wird gehüpft, Fahnen gehen hoch und die Kurve bebt.
Der Regen? Interessiert niemanden. Die Fans singen weiter, klatschen springen und singen. «Schwiizer Meister, Schwiizer Meister» hallt es durch das Stadion, während bereits die ersten Champagnerduschen verteilt werden.
«Jetzt geniessen wir einfach»
Die Mannschaft erlebt den Titelgewinn ebenfalls gemeinsam im VIP-Bereich des Stadions. Als der Entscheid feststeht, gibt es kein Halten mehr: Auch die Spieler springen sich in die Arme und feiern ausgelassen. Trainer Mauro Lustrinelli wird von seinen Spielern umringt und ist mitten im Jubel. Ein Team, das die Liga über Monate dominierte, bekommt in diesem Moment die verdiente Belohnung – 128 Jahre nach der Vereinsgründung.
«Es ist unglaublich. Ich hatte den ganzen Tag ein gutes Gefühl, aber spätestens beim 0:2 wusste ich, dass es gut kommen wird», sagt Thun-Verteidiger, Jan Bamert, gegenüber blue. Für viele Spieler im Team ist es der erste Meistertitel und das gerade einmal ein Jahr und ein Tag nach dem Aufstieg. Sein Teamkollege Michael Heule bringt das Gefühl vom Meistertitel auf den Punkt: «Jetzt geniessen wir einfach.»
Seitenhieb an die «Grossen»
Kurz darauf zeigen sich die neuen Meister ihren Fans. Die Spieler kommen auf die Tribüne und lassen sich von der Euphorie tragen. Immer wieder schallt es aus der Kurve: «Lustrinelli, Lustrinelli».

Mitten in der Party greift Präsident Andres Gerber zum Mikrofon. Er bedankt sich bei den Fans und kann sich einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen: «Stell dir vor, es ist nicht YB, nicht Basel, nicht Zürich - sondern es ist unser FC Thun.»
Dann verlagert sich die Feier nach draussen. Die Fans strömen aus dem Stadion und der Marsch in Richtung Rathausplatz beginnt - dorthin, wo vor einem Jahr der Aufstieg in die Super League gefeiert wurde. Die Mannschaft erreicht kurz vor 19 Uhr mit dem Bus – der bereits für die Meister frisch lackiert wurde – auf dem vollen Rathausplatz. Es wird eine lange Nacht, denn die Stadtregierung hat bereits im Voraus die Freinacht bewilligt.

Sportlich ist dieser Titel die Krönung einer aussergewöhnlichen Saison. Seit dem achten Spieltag stand Thun ununterbrochen an der Tabellenspitze, zwischenzeitlich sogar mit zehn Siegen in Folge. So konnte ihn trotz einigen Niederlagen im Schlussspurt niemand mehr einholen. Als erster Aufsteiger seit den 1950er-Jahren holt sich Thun den Titel.

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