Im Juni 1999 braucht der FC Luzern innert weniger Tage vier Millionen Franken. «Bis am Dienstag müssten die vier Millionen überwiesen sein, sonst gibt es die Lizenz nicht. Dann wird der FC Luzern liquidiert», erinnert sich der damalige Journalist Marco von Ah.
Funktionäre und Unterstützer telefonieren Tag und Nacht. Leute aus dem Umfeld werden noch um drei Uhr morgens angerufen. Das Geld kommt zusammen, der FCL erhält die Lizenz. Wieder einmal ist er gerettet. Trainer Andy Egli feiert zusammen mit den Fans. Wieder gerettet – aber nicht saniert.
Die Krise kündigt sich lange an. Sportlich sorgt der FCL noch für grosse Momente: 1997 rettet er sich unter Kudi Müller vor dem Abstieg und verliert den Cupfinal gegen Sion erst im Penaltyschiessen. Wirtschaftlich bleibt der Verein am Anschlag.
Im Zentrum steht Präsident Romano Simioni. Unter ihm wird Luzern 1989 Meister und 1992 Cupsieger. Doch der Fussball verändert sich. Die Summen steigen, Verträge werden komplexer, Geldgeber verlangen Auskunft. «Da war Transparenz wirklich ein Fremdwort», sagt von Ah. Im Februar 1998 endet Simionis Präsidentschaft nach 23 Jahren. Nachfolger Albert Koller will den FCL modernisieren und verpflichtet bekannte Spieler wie Kubilay Türkyilmaz. Doch der Klub gibt mehr aus als er einnimmt.
Der vermeintliche Retter ist ein Hochstapler
Im April 1999 verspricht der deutsche Unternehmer Paul Morlock 5,5 Millionen Franken. Luzern könne zum «1. FC Kaiserslautern der Zentralschweiz» werden, sagt er. Die Zeitung verkündet die Rettung. Drei Tage später ist klar: Morlock ist ein Hochstapler. Wenige Wochen später beginnt die nächtliche Rettungsaktion.
Im Juli 1999 soll eine neue AG den Profibetrieb «ohne Altlasten» führen. Doch im Herbst 2000 bestehen Forderungen von rund 2,5 Millionen Franken. In zwei Jahren kommen 37 neue Spieler nach Luzern. Die sportliche Qualität ist vorhanden, die Finanzierung nicht.
2001 zieht sich Koller zurück. Sein Nachfolger Jules Häfliger übernimmt einen Klub mit einer buchhalterischen Überschuldung von rund 1,2 Millionen Franken. Anfang Dezember erklärt er, der FCL sei am Ende. Er könne kein Geld mehr auftreiben. Am 17. Dezember 2001 deponiert die FC Luzern AG die Bilanz. Konkurs.
Der Verein FC Luzern besteht juristisch weiter und übernimmt den Spielbetrieb – ist aber ebenfalls verschuldet. Anfang 2002 bewilligt das Gericht eine Nachlassstundung. Entscheidend ist die 900'000-Franken-Forderung der Gruppe Arnold. Ohne ihre Zustimmung droht das Aus. Aber wieder überlebt der FCL: Die Gruppe akzeptiert eine Nachlassdividende von acht Prozent. Aus 900'000 Franken werden 72'000. Danach wird es absurd: Sportlich steigt das Team ab. Weil Lausanne, Lugano und Sion keine Lizenz für die NLA erhalten, schafft ausgerechnet der klamme FC Luzern am grünen Tisch den Ligaerhalt.
Im Oktober 2002 übernimmt Pedro Pfister den Verein. Weil das Geld für einen zweiten etablierten Torhüter fehlt, rückt der 19-jährige David Zibung ins Profikader. «Ich wurde damals nur Profi, weil der FCL kein Geld hatte.»
«Nome Lozärn» erzählt in zehn Folgen die Geschichte des FC Luzern. Neue Folgen erscheinen mittwochs; mit Abo sind sie eine Woche früher verfügbar.





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