Fussball

Jetzt ist offiziell klar: Embolo hätte für seine Schwalbe nicht Gelb-Rot sehen dürfen

Breel Embolos Gelb-Rote Karte im WM-Viertelfinal gegen Argentinien hätte nach den geltenden VAR-Regeln nie ausgesprochen werden dürfen. Die späte Klarstellung sorgt für neue Diskussionen.
Breel Embolo wird des Feldes verwiesen.
Bild: EPA

Es war aus Schweizer Sicht der grösste Skandal an der vergangenen Fussballweltmeisterschaft. Die Schweiz hatte im WM-Viertelfinal gegen Argentinien gerade ausgeglichen und war gut im Spiel, da flog Breel Embolo mit Gelb-Rot vom Platz. Der Schweizer Stürmer leistete sich an der Seitenlinie eine Schwalbe, auf die Schiedsrichter Joao Pinheiro zunächst hereinfiel.

Doch dann meldete sich der VAR zu Wort. Unter Berufung auf die Regel «mistaken identity» – also Verwechslung eines Spielers – nahm Pinheiro die gelbe Karte gegen Argentiniens Leandro Paredes zurück und zeigte stattdessen Embolo Gelb für eine Schwalbe. Weil es die zweite Verwarnung für den Schweizer war, flog dieser vom Platz. In Unterzahl verlor die Nati schliesslich nach Verlängerung mit 1:3.

Die Szene im Video:

Video: SRF

In der Folge entbrannte in der Fussballwelt, aber natürlich besonders in der Schweiz, eine Diskussion, ob diese Regel tatsächlich korrekt angewendet wurde. Und wer könnte das besser wissen als das International Football Association Board (Ifab) – das Gremium, das über die Regeln des Fussballs entscheidet?

Und wie «The Athletic» berichtet, gibt das Ifab einige Wochen nach dem Ende der WM zu: Die zweite gelbe Karte gegen Embolo hätte so nicht gezeigt werden dürfen. «Eine gelbe Karte, die keine zweite Verwarnung darstellt, darf nur überprüft werden, um herauszufinden, ob tatsächlich der korrekte Spieler das Vergehen begangen hat. Das Vergehen selbst kann nicht überprüft oder angepasst werden», heisst es in der Erklärung.

Das bedeutet konkret: Der VAR hätte im Fall Embolo aus zwei Gründen nicht eingreifen dürfen. Die (wenn auch fälschliche) Verwarnung gegen Paredes war seine erste Gelbe Karte in diesem Spiel und deshalb nur überprüfbar, wenn eine Identitätsverwechslung vorgelegen hätte. Eine Identitätsverwechslung wäre es aber nur, wenn das gleiche Vergehen vorliegt: in diesem Fall ein Foul von einem anderen argentinischen Spieler und nicht eine Schwalbe, wofür Embolo dann bestraft wurde.

Embolo flog gegen Paredes zu leicht.
Bild: AP

Das Ifab bestätigt zwar, dass diese Anwendung der Regel mit der nachträglichen Bestrafung von Schwalben positiv aufgenommen worden sei. Deshalb prüft es, diese Regel entsprechend auszuweiten, dass dies künftig auch tatsächlich möglich ist. Doch die Fussball-Regelhüter stellen unmissverständlich klar, dass die Mistaken-Identity-Regel bis zu einer entsprechenden Anpassung des VAR-Protokolls nicht so angewendet werden darf.

Für Embolo, die Nati und Schweizer Fussballfans ist das ein schwacher Trost. Bis zum ungerechtfertigten Platzverweis hatte die Schweiz im Viertelfinal deutlich an Oberwasser gewonnen. Wer weiss, was zu elft möglich gewesen wäre. (abu, watson.ch)

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