
Zehn Tage sind vergangen, seit der Schweizer WM-Traum im Viertelfinal gegen Argentinien (1:3 nach Verlängerung) geplatzt ist. Im Mittelpunkt des Geschehens damals: Stürmer Breel Embolo, der in der 72. Minute mit einer gelb-roten Karte des Feldes verwiesen worden war. Vorausgegangen war der zweiten Verwarnung eine Schwalbe des Schweizers, die João Pinheiro erst nach Intervention des Videoschiedsrichters als solche erkannt hatte.
Der Entscheid löste bei den Schweizer Spielern und auch bei Trainer Murat Yakin heftige Proteste aus. Embolo hatte den Rasen in Kansas City unter Tränen verlassen und schwieg seither zur möglicherweise entscheidenden Szene. Auch beim offiziellen Empfang in der Schweiz äusserte er sich nicht.
Am Montagabend wendete er sich mit einer Botschaft über die sozialen Medien an die Öffentlichkeit. Er habe einige Zeit gebraucht, um diese Niederlage zu verarbeiten. «Es gibt immer noch keine Worte, um die Enttäuschung zu beschreiben, die ich empfinde», schreibt der Stürmer. Er hoffe von ganzem Herzen, dass er die Fans während der Weltmeisterschaft stolz gemacht habe. «Wir haben alles für dieses Trikot, für unser Land und für euch alle gegeben», wendete sich der 29-Jährige an die Öffentlichkeit.
Zudem bedankte er sich bei den Betreuern, Teamkollegen, den Familien und «der ganzen Nation für die Unterstüztung und die unglaubliche Liebe», die das Nationalteam während des Turniers erfahren habe. Die Niederlage schmerze, «aber sie wird uns nicht definieren.» Die Schweiz verdiene grossartige Momente. «Wir werden stärker zurückkommen.»

Auf Kritik am Schiedsrichter verzichtete Embolo, ebenso gab er keine Erklärung dazu ab, weshalb er sich zur Schwalbe hatte hinreissen lassen. Embolo ist der erste Spieler seit dem Ghanaer Asamoah Gyan 2006 in Deutschland, der wegen einer Schwalbe bei einer Weltmeisterschaft mit Gelb-Rot vom Platz fliegt. Allerdings gab es damals noch keinen VAR.
Selbstkritik, Einsicht oder gar Reue lässt Embolo vermissen. Mit keinem Wort geht er darauf ein, dass er sich, obwohl bereits mit Gelb verwarnt, in der Nähe der Seitenlinie und auf Höhe des Mittelkreises hat fallen lassen.

Hartes Einsteigen der Argentinier
Wie hart an der Grenze zum Erlaubten und teilweise darüber hinaus die Argentinier bei dieser WM gespielt haben, ist unbestritten. Das zeigte auch der Final, den die Südamerikaner nach der Verlängerung mit 0:1 gegen Spanien verloren, nachdem Mittelfeldspieler Enzo Fernandez wegen eines Foulspiels in der 93. Minute mit der gelb-roten Karte bestraft worden war.
Wiederholt mit seiner Spielweise aufgefallen war auch Leandro Paredes, der nach dem Schlusspfiff auf den Spanier Eric Garcia losgegangen, diesen geschubst und am Hals gepackt hatte, ehe er Gavi zu Boden stiess und dafür die rote Karte sah. Paredes war es auch, der die erste gelbe Karte gegen Embolo und die zweite nach der Schwalbe provoziert hatte.

Gelb für Schwalbe alternativlos
Das alles sind mögliche Erklärungen, weshalb Embolo sich hat fallen lassen, doch sie entschuldigen nichts. Begangen hat die Schwalbe Breel Embolo. Sie mit Gelb zu bestrafen, war richtig und dass die Sanktion erst nach Konsultation des Videoschiedsrichters erfolgte, nicht entscheidend.
Öffentlich entschuldigen muss sich Breel Embolo dafür nicht, höchstens bei seinen Teamkollegen. Dennoch verpasste er eine Gelegenheit, einen Fehler einzugestehen, Einsicht zu zeigen und damit Verwantwortung für sein Handeln zu übernehmen. Schaden würde es ihm nicht, im Gegenteil.

Probleme bei Anreise zur WM
Embolo lässt damit wieder einmal eine Gelegenheit aus. 2018 hatte er im Ausgang in Basel mehrfach Drohungen ausgesprochen («Ich vernichte euch. Ich mache dich fertig.», und «Dich lasse ich auch verprügeln, du Hurensohn»), für die er später rechtskräftig verurteilt worden war und die auch zum Trubel rund um seine Einreise in die USA zur WM führten.
Bei der Verhandlung vor dem Basler Strafgericht im Sommer 2023 liess er die Justiz wissen, was er von ihr hält, indem er in den sozialen Medien die Songzeile «Only God can judge me» («nur Gott kann über mich urteilen») verbreitete. Zuvor war der Fussballer schon vorbestraft gewesen, weil er im Alter von 18 Jahren ohne Führerschein am Steuer eines Autos gesessen war.

Und 2021, während seiner Zeit in der Bundesliga, hatte er an einer illegalen Coronaparty teilgenommen. Als die Polizei aufkreuzte, floh er übers Dach und versteckte sich in einer Badewanne. Zuerst stritt Breel Embolo zwar alles ab. Als er später eine Busse erhielt, akzeptierte er diese jedoch.
Nicht die Fehler prägen das Bild des beliebten Nati-Stürmers – sondern der Umgang damit. Die Schwalbe war ein Fehler. Ihn einzugestehen, wäre ein Zeichen von Grösse gewesen. Breel Embolo lässt die Chance ungenutzt.




Kommentare
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für was haben sie eigentlich den pressesprecher adrian arnold??bei den siegesfeiern war er doch auch überall im bild.