Tennis

Wie einst Martina Hingis: Australier Nick Kyrgios positiv auf Kokain gestetet

Tennisspieler Nick Kyrgios wurde im Juni in Mallorca positiv auf Kokain getestet und wird provisorisch gesperrt. Der Australier kündigte an, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen.
Wird provisorisch gesperrt: Nick Kyrgios.
Bild: EPA / Tolga Akmen

Wie die International Tennis Integrity Agency am Mittwoch mitteilt, wurde Nick Kyrgios im Juni während des Rasenturniers in Mallorca positiv auf die Substanz Benzoylecgonine getestet. Dabei handelt es sich um ein Metabolit von Kokain. Der Australier ist deshalb provisorisch gesperrt worden.

«Ich habe einen grossen Fehler begangen und übernehme dafür die volle Verantwortung», schreibt Kyrgios in einer Stellungnahme. «Es tut mir leid für meine Fans, meine Familie, Sponsoren und alle, die mir nahe stehen.» Er suche nicht nach Entschuldigungen, aber es gebe Erklärungen dafür.

Die letzten Jahre hätten ihn mitgenommen, «sowohl physisch wie auch mental», erklärt der 31-Jährige. «Mich damit abzufinden, dass sich meine Karriere dem Ende zuneigt, war schwieriger, als ich es mir vorgestellt hatte.» Kyrgios kokettierte immer, er habe das Tennis nicht ausgesucht, sondern das Tennis ihn. «Mich von etwas zu lösen, das mein ganzes Leben ausgemacht hat, ist eines der schwierigsten Dinge, mit denen ich je konfrontiert war. Manchmal habe ich mich hilflos und alleine gefühlt.»

Martina Hingis erklärte 2007 nach einer positiven Dopingprobe ihren Rücktritt – und bestritt den Konsum.
Bild: Keystone / Walter Bieri

Wie Martina Hingis und Mats Wilander

Kokainfälle gab es im Spitzentennis schon mehrfach. Martina Hingis wurde 2007 in Wimbledon positiv auf ein Kokain-Abbauprodukt getestet und für zwei Jahre gesperrt, obwohl sie den Konsum stets bestritt. Richard Gasquet lieferte 2009 ebenfalls eine positive Probe ab; der Franzose erklärte diese mit einem Kuss mit einer Frau in einem Nachtclub. Der Internationale Sportgerichtshof CAS akzeptierte diese Erklärung aufgrund der geringen nachgewiesenen Menge und sprach ihn von Schuld und Fahrlässigkeit frei.

Bereits 1995 waren der frühere Weltranglistenerste Mats Wilander und Karel Novacek bei den French Open positiv auf Kokain getestet und später für drei Monate gesperrt worden. Der Schwede Björn Borg wurde zwar nie positiv getestet, sprach aber nach seiner Karriere öffentlich über seinen exzessiven Kokain- und Drogenkonsum sowie über zwei Überdosen.

2022 erreicht Kyrgios den Wimbledon-Final, wo er Novak Djokovic unterlag.
Bild: AP / Kirsty Wigglesworth

Seit vier Jahren dauernd verletzt

Seit 2023 wurde der Wimbledon-Finalist von 2022 immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen. Nach einer Knieoperation Anfang 2023 erlitt der Australier eine schwere Verletzung am rechten Handgelenk, die ebenfalls operiert werden musste und ihn fast die gesamte Saison 2024 kostete. Auch nach seinem Comeback 2025 machten ihm das Handgelenk sowie zwischenzeitlich eine Bauchmuskelverletzung zu schaffen.

In den letzten vier Jahren bestritt kam er bei acht Turnieren er auf zehn Spiele. Der letzte Sieg gelang der früheren Nummer 13 der Welt Anfang Juni beim Rasenturnier in Stuttgart. In Mallorca trat er dank einer Wilcard an und verlor in der ersten Runde gegen seine Landsmann Adam Walton.

Kyrgios kündigte an, sich vorerst aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Er kann gegen die Sperre Rekurs einlegen, was er allerdings bis jetzt nicht gemacht habe, wie die International Tennis Integrity Agency (ITIA), die für Doping- und Ethikvergehen im Tennis zuständig ist, mitteilt.

2023 stand Kyrgios wegen häuslicher Gewalt vor Gericht.
Bild: EPA / Mick Tsikas

Kyrgios' langes Sündenregister

Kyrgios sorgte in seiner Karriere immer wieder für negative Schlagzeilen. Besonders in Erinnerung blieb ein Vorfall 2015 in Montreal, als er Stan Wawrinka während eines Matches mit einer anzüglichen Bemerkung über dessen damalige Partnerin Donna Vekic provozierte. 2016 wurde er nach einem lustlosen Auftritt in Shanghai von der ATP gesperrt, 2019 erhielt er nach mehreren Verstössen in Cincinnati eine Busse von 113'000 Dollar.

Auch abseits des Tennisplatzes geriet er mit dem Gesetz in Konflikt: 2023 bekannte er sich vor einem Gericht in Canberra schuldig, seine damalige Freundin bei einem Streit im Jahr 2021 zu Boden gestossen zu haben. Das Gericht wertete den Vorfall als geringfügigen tätlichen Angriff und sah von einer formellen Verurteilung ab.

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