Eisockey

Russlands Rückkehr auf die WM-Bühne provoziert Chaos

Nach einem Urteil des höchsten Sportgerichts darf Russland erstmals seit 2022 wieder an der Weltmeisterschaft teilnehmen. Nun erwägt Gastgeber Deutschland die Rückgabe der WM 2027. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu diesem brisanten Politikum.

Warum spielen Russland und Weissrussland seit 2022 nicht mehr bei den WM-Turnieren?

Der internationale Eishockeyverband (IIHF) hat Russland und Weissrussland nach dem Beginn des Angriffskrieges gegen die Ukraine im Februar 2022 von allen IIHF-Wettbewerben ausgeschlossen. Der Entscheid ist mit Sicherheitsbedenken begründet worden.

Warum ist die Rückkehr bereits für die WM im Mai 2027 in Deutschland ein Thema?

Russland hat vor dem höchsten internationalen Sportgericht (CAS) gegen den Ausschluss geklagt und gewonnen. Gemäss CAS-Urteil vom 29. Oktober muss Russland wieder zu den Titelturnieren zugelassen werden. Die konkrete Umsetzung des Urteils muss die IIHF regeln.

Warum ist der Ausschluss von Russland aufgehoben worden?

Das zentrale IIHF-Argument – Sicherheitsbedenken, wenn die Russen dabei sind – sah das CAS als Voraussetzung für die Aufrechterhaltung des Ausschlusses als nicht mehr ausreichend belegt. Die Russen hatten wohl die besseren Anwälte.

Bedeutet dieses CAS-Urteil auch automatisch die Rückkehr von Weissrussland?

Nein. Das CAS-Urteil betrifft nur Russland. Aber wenn Russland zurückkehrt, wird die Wiedereingliederung von Weissrussland ein Thema. Zumal Weissrussland bereits teilweise (U 18-WM Männer, Frauen-WM) wieder dabei ist.

Warum ist die Rückkehr der Russen ein Problem?

Gegen eine WM-Teilnahme von Russland gibt es auf politischer und wirtschaftlicher Ebene starken Widerstand. Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) lehnt eine Rückkehr von Russland weiterhin ab. Der finnische Verband hat angekündigt, so lange der Krieg dauert, nicht gegen Russland anzutreten. Ein Sponsor des schwedischen Verbandes hat mit Ausstieg gedroht. Auch in Tschechien oder Lettland gibt es Widerstand. Lettische Nationalmannschaften dürfen weder gegen russische noch weissrussische Nationalteams antreten. Auch dann nicht, wenn diese unter neutraler Flagge auftreten.

Ist es möglich, dass die WM 2027 trotz CAS-Urteil ohne die Russen gespielt wird?

Ja. Die IIHF hat zwar ausdrücklich erklärt, das Urteil zu akzeptieren. Aber die Umsetzung ist mit so vielen Schwierigkeiten verbunden, dass eine Kompromisslösung denkbar ist. Etwa eine Rückkehr erst ab 2028.

Ist es denkbar, dass Deutschland die WM 2027 zurückgibt?

Ja. Der mit der Organisation betraute DEB hat am 2. November offiziell erklärt, dass er sich ernsthaft mit einer Rückgabe der WM befassen müsse. Wegen zusätzlicher Sicherheitskosten, wirtschaftlichen Risiken und politischen Fragen wie etwa der Ausstellung der Visa für die russischen Spieler und Betreuer.

Gibt es ein anderes Land, das die WM 2027 so kurzfristig übernehmen könnte?

Wahrscheinlich nur Kasachstan. Eine offizielle Stellungnahme dazu gibt es nicht.

Könnte die Schweiz die WM von Deutschland übernehmen`

Nein, das ist ausgeschlossen. Das wird – inoffiziell – auch so bestätigt.

Welche Folgen hätte eine Rückkehr der Russen für die Schweiz?

Die Schweiz spielt an der WM in der Gruppe A in Mannheim gegen Schweden, Finnland, Deutschland, Österreich, Lettland, Slowenien und die Ukraine. Die Gruppen werden aufgrund der aktuellen Weltrangliste zusammengestellt. Russland wird in diesem Ranking aktuell nicht geführt (wäre aber nach Punkten vor der Schweiz die Nummer 1), die Ukraine steht auf Position 19. Russland müsste ins 16er Feld integriert, die Gruppeneinteilung und der Spielplan angepasst werden. Kehrt Russland zurück, kann voraussichtlich der in der Weltrangliste schlechter klassierte der beiden Aufsteiger Kasachstan und die Ukraine nicht aufsteigen – und das wäre ausgerechnet die Ukraine, die das sportliche Opfer der Rückkehr Russlands würde.

Welche Position nimmt der Schweizerische Eishockeyverband in der Russland-Frage ein?

Wie die offizielle Stellungnahme zeigt eine neutrale: «Swiss Ice Hockey hat den Entscheid des Internationalen Sportgerichtshofs CAS zur Wiederzulassung russischer Nationalteams zu den internationalen Wettbewerben zur Kenntnis genommen. Die weiteren Schritte zur Umsetzung des Urteils liegen nun in der Zuständigkeit der IIHF. Als einer von 16 teilnehmenden Verbänden an der Weltmeisterschaft wird Swiss Ice Hockey die weiteren Entwicklungen aufmerksam verfolgen und die Entscheidungen der IIHF abwarten.» Ohnehin gebieten die Verbands-Satzungen politische Neutralität.

Ist Russland generell vom internationalen Sport ausgeschlossen?

Bei weitem nicht. Die Rückkehr in den internationalen Sport ist weit fortgeschritten. Über die Zulassung von Sportlerinnen und Sportlern aus Russland entscheiden die einzelnen Sportverbände. In mehreren Disziplinen sind russische Athletinnen und Athleten inzwischen wieder zugelassen, teilweise sogar unter russischer Flagge und mit nationalen Symbolen. Unter anderem im Gewichtheben, Tischtennis, Volleyball, Beachvolleyball, Handball und Bogenschiessen. In anderen Sportarten ist eine Teilnahme nur unter neutralem Status möglich. Dazu gehören beispielsweise Ski alpin und nordisch sowie Eiskunstlauf. Weiterhin ausgeschlossen ist Russland in der Leichtathletik und im internationalen Fussball.

Welche Lösung ist die wahrscheinlichste?

Nach wie vor gibt es drei Optionen: Deutschland führt die WM mit Russland durch. Ein Kompromiss (Rückkehr erst ab 2028). Eine Verlegung der WM in ein anderes Land als Notszenario.

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