Fussball-WM

Härtetests für drei Mitfavoriten

In den Sechzehntelfinals am Montag sowie in der Nacht auf Dienstag stehen mit Brasilien, Deutschland und den Niederlanden drei Mitfavoriten im Einsatz. Bei den Deutschen gibt es gewisse Zweifel.

«Eine Leistung, die wenig Hoffnung macht», schrieb die «Süddeutsche Zeitung» nach der 1:2-Niederlage gegen Ecuador im letzten Vorrundenspiel. Zwar war dieses insofern bedeutungslos, als die Deutschen schon zuvor als Sieger der Gruppe E feststanden. Dennoch schürt der schwache Auftritt Zweifel. Zudem endeten auch die letzten beiden Weltmeisterschaften mit Enttäuschungen. 2018 und 2022 scheiterte die DFB-Auswahl gar bereits in der Gruppenphase.

Deutschland verlor im letzten Gruppenspiel gegen Ecuador.
Bild: Pamela Smith

Die Niederlage ändert jedoch nichts daran, dass Deutschland gegen Paraguay als klarer Favorit antritt. Dass das Team jedoch nicht vor Selbstvertrauen strotzt, unterstreicht die Antwort von Sportdirektor Rudi Völler auf die Frage, ob man sich gegen das nächste Mentalitäts-Team aus Südamerika Sorgen machen müsse: «Ich glaube nicht, oder ich hoffe nicht.»

In die Pflicht nahm der Weltmeister von 1990 seine späteren Nachfolger in der Offensive: Kai Havertz und im Besonderen Jamal Musiala und Florian Wirtz, die Zauberer in der Mannschaft. «Um die ganz grossen Ziele zu erreichen, müssen diese Spieler liefern. Sie wissen auch, dass noch Luft nach oben ist.» Weiter fordert Völler weniger Ballverluste im Mittelfeld. Diese Schwachstelle hätten die Gegner erkannt. Und mit Paraguay wartet ein Team, das sich genau darauf ausrichten wird.

Ruhe statt Zauber

Brasilien, das auf Japan trifft, steigerte sich nach dem 1:1 zum Auftakt gegen Marokko und bezwang sowohl Haiti als auch Schottland mit 3:0, ohne jedoch wirklich zu brillieren. «Wir spielen als ein Team», hielt Trainer Carlo Ancelotti fest. Eine Erkenntnis, die angesichts der überschaubaren Anzahl an absoluten Topstars im Aufgebot des Rekordweltmeisters nicht unwichtig ist.

Der fünfte und letzte WM-Titel der Seleção liegt 24 Jahre zurück. Seither schaute nur noch ein Halbfinal-Einzug (2014) heraus, viermal scheiterte der Rekordweltmeister in den Viertelfinals. Nun soll mit Ancelotti einer der erfolgreichsten Trainer seines Faches die Wende bringen. Der 67-jährige Italiener ist der erste ausländische Trainer Brasiliens an einer WM. Er bringt die seltene Mischung aus Ruhe, Anpassungsfähigkeit und Menschenverständnis auf absolutem Topniveau mit.

Der brasilianische Trainer Carlo Ancelotti.
Bild: Cristobal Herrera-Ulashkevic

Für Ancelotti ist es nicht die erste WM-Erfahrung: 1994 war er bei den Italienern im Trainerteam des legendären Arrigo Sacchi. Die Azzurri erreichten damals den Final, der gegen Brasilien im Penaltyschiessen verloren ging. Das Turnier fand ebenfalls in den USA statt und brachte Brasilien den ersten WM-Titel nach 24 Jahren. Und wie Ancelotti war auch der damalige brasilianische Trainer Carlos Alberto Parreira eher für Arbeit und Organisation als für spielerischen Zauber bekannt. Ein gutes Omen also?

Ein Duell auf Augenhöhe

Die Niederlande bekommen es in der ersten K.o.-Runde mit Marokko zu tun. Die Nordafrikaner belegen in der FIFA-Weltrangliste den 7. Platz und liegen damit einen Rang vor den Niederländern. Es ist also auf dem Papier das hochklassigste Duell in den Sechzehntelfinals, und es scheint offen zu sein. Beide Teams blieben in der Vorrunde ungeschlagen und holten sieben Punkte. Die Niederländer unterstrichen insbesondere beim 5:1-Sieg gegen Schweden ihre Ambitionen, nach drei verlorenen WM-Finals erstmals den Pokal in die Höhe zu stemmen.

Allerdings haben auch die Marokkaner hohe Ambitionen, nachdem sie vor vier Jahren den 3. WM-Platz belegt hatten. Zudem gewannen sie in diesem Jahr den Afrika-Cup, wobei ihnen der Titel nach der 0:1-Finalniederlage nach Verlängerung gegen Senegal nachträglich zugesprochen wurde, da der Gegner zeitweise den Platz verlassen und damit gegen die Regeln verstossen hatte. Wie gross das Selbstvertrauen der Marokkaner ist, verdeutlicht eine Aussage von Trainer Mohamed Ouahbi: «Wir verfügen heute über die besten Voraussetzungen, die nötig sind, um die beste Nation zu werden. Und wir glauben daran, es schaffen zu können.» (sda)

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