Die Slalomspezialisten haben es in Wengen nicht leicht. Die grosse Party findet am Samstag statt. Die Abfahrt begeistert die Massen. Am Sonntag, wenn der Slalom an der Reihe ist, herrscht Kehrausstimmung. Viele Fans sind bereits wieder zu Hause. Der Rausch der Abfahrtsparty wirkt nach.
Katerstimmung? Zumindest bei einem Athleten aus dem Slalomteam passt das Verdikt zur sportlichen Situation. Daniel Yule kommt einfach nicht auf Touren. Seine Resultate in dieser Saison: 22., 11., 21., 26., ausgeschieden, 26. Er sagt: «Ich bin nicht Sportler geworden, um um 25. Plätze zu kämpfen.»
Doch genau das ist derzeit seine Realität. Es ist noch gar nicht lange her, da war Yule im Slalom ganz oben: Sieben Weltcupsiege feierte er zwischen 2018 und 2024, zehn weitere Podestplätze kommen dazu. Auch in Wengen war er schon einmal Zweiter. 2022 fehlten ihm 22 Hundertstel zum Sieg.
Schon die vergangene Saison verlief enttäuschend. Besser als auf Rang sechs war Yule nie klassiert. Also entschied er sich, etwas zu verändern. Er verliess seinen Skiausrüster Fischer nach 19 gemeinsamen Jahren und wechselte zu Atomic. Er sagt: «Ich wollte mir nicht nach der Karriere die Frage stellen, was wäre möglich gewesen, wenn ich gewechselt hätte.»
Der Wille allein reicht nicht aus
Bisher ist sehr wenig möglich geworden. Yule tut sich schwer mit der Umstellung. Schwerer als vermutet. Er sagt: «Für einen ungeduldigen Menschen wie mich ist das keine einfache Situation. Zu Beginn dieser Saison versuchte ich, es zu erzwingen. Das funktionierte überhaupt nicht.»
Yule gestand sich ein, dass ihn der Wille allein dieses Mal nicht zum Ziel führen wird. Dabei beruht vieles in seiner Karriere auf der Fähigkeit, mit mentaler Stärke auf skitechnische Schwächen zu reagieren. Im Interview mit dieser Zeitung erklärte er es so: «Ich bin kein guter Skifahrer. Aber ich bin ein guter Rennfahrer. Als ich jung war, sah es nicht schön aus, wie ich gefahren bin. Trotzdem habe ich es im Rennen geschafft, schnell zu sein.»
Jetzt zittert er sogar um Olympia
Das gelingt ihm derzeit nicht. Der 32-Jährige zeigt zwar vereinzelt starke Abschnitte, schnelle Schwünge, auf denen er aufbauen will, wie er immer wieder betont. Aber mit jedem Rennen, das verstreicht, klingt das etwas mehr nach einer Durchhalteparole. Denn die Zahlen lügen nicht: Yule hat noch nicht einmal die Selektionskriterien für die Olympischen Spiele erfüllt. Gefordert sind zwei Resultate in den Top 15 oder eines in den Top 7.
Löst sich der Knoten in Wengen? Yule sagt: «Der Schlüssel ist Geduld.» Nur läuft ihm langsam die Zeit davon. Nach Wengen stehen noch die Slaloms in Kitzbühel (25. Januar) und Schladming (28. Januar) auf dem Programm. Dann folgen die Spiele. Eine zweite Disziplin, um sich zu empfehlen oder wenigstens, um etwas Vertrauen zu sammeln, hat er nicht. Das sei Fluch und Segen zugleich. Segen, «weil mir so mehr Zeit bleibt für das Training», sagt Yule. Fluch, weil mehr Raum bleibt, um sich mit Zweifeln zu quälen.



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