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Schweizer Cup

Weil der Klub keine Fans hat: Cupfinalist Lausanne-Ouchy verschenkt Finaltickets

Während die Fans des FC St. Gallen bereits in den Startlöchern stehen, um sich ein Ticket für den Cupfinal zu ergattern, hat der Lausanner Quartierverein Schwierigkeiten, sein Kontingent auszuschöpfen. Und setzt darum auf eine ungewöhnliche Strategie.
Ein bekanntes Bild: Leere Plätze auf der Pontaise in Lausanne.
Bild: Salvatore di Nolfi

Der diesjährige Cupfinal ist wieder einmal geprägt von Gegensätzen. Auf der einen Seite der Super-Ligist FC St. Gallen mit seiner dritten Finalteilnahme in fünf Jahren. Ein Verein, der auf die Unterstützung einer ganzen Stadt, nein, einer ganzen Region zählen kann. Die Heimspiele im Kybunpark sind regelmässig ausverkauft. Das zeigen auch die Zahlen: Die Ostschweizer weisen nach dem FC Basel und den Berner Young Boys den dritthöchsten Zuschauerschnitt der Super League auf.

Auf der anderen Seite der Challenge-Ligist Stade Lausanne-Ouchy. Der Quartierverein aus Lausanne weiss sportlich durchaus zu überzeugen, gelang doch 2023 sogar der Aufstieg in die Super League. Normalerweise ist das 4000 Zuschauer fassende Centre Sportif de Vidy die Heimstätte der Waadtländer, allerdings tragen sie seit der Saison 2023/24 aus Lizenzgründen ihre Heimspiele im Stade Olympique de la Pontaise aus.

Das grössere Stadion und der sportliche Erfolg hatten allerdings keinen Zuwachs an Zuschauern zur Folge. Im Gegenteil: Wo 2023/24 in der Super League noch durchschnittlich 2'500 Zuschauer ins Stadion pilgerten, weisen die Westschweizer in dieser Saison einen Schnitt von gerade mal 637 Zuschauern auf. Das grösste Stadion in der Challenge League lockt die drittwenigsten Zuschauer an, nur die Heimspiele von Nyon und Bellinzona wollen noch weniger sehen.

In Lausanne wird grossmütig verteilt, in St. Gallen rigoros getaktet

Nun setzen die Verantwortlichen von Stade Lausanne-Ouchy auf eine ungewöhnliche Strategie, um das Ticket-Kontingent für den Cupfinal auszuschöpfen. Der Challenge-Ligist verteilt einen grossen Teil seiner Tickets kostenlos an jugendliche Fans. Den Waadtländern stehen für den Final am 24. Mai in Berner Wankdorf gegen den FC St. Gallen gemäss der eigenen Medienmitteilung 12'500 Tickets zur Verfügung. Diese Zahl bildet einen krassen Kontrast zum Liga-Alltag.

Mit dieser Aktion will der Klub gezielt Kinder und Jugendliche ins Stadion bringen und so für eine stimmungsvolle Atmosphäre sorgen. Gleichzeitig eröffnete er einer neuen Generation den Zugang zu einem der wichtigsten Spiele im Schweizer Fussball. Die Tickets können gratis verteilt werden, da ein Sponsor den Betrag von 40 Franken übernimmt, den der Schweizerische Fussballverband verlangt.

Ganz anders sieht es beim Finalgegner der Waadtländer aus. Die fussballverrückte Region rund um den FC St. Gallen würde sich wohl am liebsten schon heute vor dem Berner Wankdorf versammeln und darauf warten, dass die Stadiontüren geöffnet werden.

Eine ganze Region ist nach dem Einzug in den Cupfinal im Ausnahmezustand, die Vorfreude auf das Duell gegen Stade-Lausanne-Ouchy sei überall spürbar, sagte St. Gallen-Kapitän Lukas Görtler in einem Interview: «Die Gemeinde Tübach hat mich auf Linkedin kontaktiert und gefragt, ob ich Tickets organisieren könne.»

Generell wird ein riesiger Ansturm auf die Tickets erwartet. Im Gegensatz zu der grosszügigen Verteilaktion des Finalgegners ist bei den St. Gallern der Ticketverkauf strengstens getaktet: Am 9. Mai werden im Kybunpark an insgesamt 24 Kassen Tickets verkauft. Zum Kauf berechtigt sind ausschliesslich Saisonkarteninhaberinnen und -inhaber, zusätzlich darf pro Saisonabo nur ein Ticket gekauft werden.

Jene, welche an diesem Tag verhindert sind, können ihre Tickets vom 11. Mai bis 13. Mai direkt bei der Geschäftsstelle des FCSG erwerben. Dies gilt ebenfalls nur für Inhaberinnen und Inhaber einer Saisonkarte. Wenn nach diesen Terminen noch Tickets übrig sein sollten, gehen diese in den freien Verkauf, allerdings gilt auch hier eine Sonderregelung: Nur, wer ein Ticket für das Viertelfinalspiel gegen den FC Basel erworben hatte, besitzt ein Kaufrecht für ein Finalticket.

Somit herrschen für die beiden Fanlager jeweils ganz andere Voraussetzungen. Was die Frage aufwirft, was die St. Galler Fans davon abhält, Tickets über das Kontingent von Stade Lausanne-Ouchy zu organisieren und die Tribünen des Wankdorfs dennoch in ein grünes Meer zu verwandeln.

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