
Zehn Minuten lang währte die Hoffnung. Nur zehn Minuten. Dann war die Schweizer Abwehr ein erstes Mal ausgespielt. Mathys Tel konnte problemlos zum 1:0 für Frankreich einschieben. Und musste die Schweiz bereits befürchten, dass dieser Abend in einer Blamage enden könnte. Zudem war sie ab da auf Schützenhilfe angewiesen.
Denn die Ausgangslage vor diesem finalen Gruppenspiel war klar: Nur mit einem Sieg hätte die Schweizer U21 aus eigener Kraft noch den Sprung an die EM 2027 schaffen können. Diesen benötigten die Schweizer ausgerechnet gegen Tabellenführer Frankreich.
Dass es überhaupt zu diesem Showdown für die Schweizer kam, hat viel mit dem vergangenen Dienstag zu tun. Dort kassierten die Schweizer in Island eine blamable 1:5‑Klatsche – und setzten sich damit unnötig selbst unter Druck. So ermöglichten sie den Isländern, mit einem Sieg gegen die Färöer vorbeizuziehen. Zwei Punkte Rückstand hatte Island vor Anpfiff auf die Schweiz.
Als ein «Alles-oder-Nichts-Spiel» bezeichnete Coach Alex Frei die Partie im Vorfeld. Der Rekordtorschütze der Schweizer A-Nationalmannschaft hatte das Team Anfang des Jahres übernommen. Doch davon, dass für die Schweiz alles auf dem Spiel stand, war an diesem Abend in Orléans wenig zu spüren. Von maximalem Willen ebenso wenig.
Die Schweizer wirkten insbesondere in der Startphase nicht auf der Höhe, waren nicht eng genug am Gegner und zu inkonsequent. So konnte Noé Lebreton nur vier Minuten nach der Führung für Frankreich bereits auf 2:0 stellen. In der 40. Minute fiel das vorentscheidende 3:0.
Frankreich wechselt ordentlich durch
Dieser dritte Treffer war sinnbildlich für den fehlenden Fokus der Schweizer. Keeper Silas Huber brachte Leandro Schödler mit einem ungenauen Zuspiel in Bedrängnis. Dieser konnte den Ball vor dem heranrauschenden Tel nicht kontrollieren – und der Tottenham-Akteur erzielte seinen zweiten persönlichen Treffer.
Dass der Unterschied zwischen den beiden Teams derart gross sein würde, war nicht unbedingt zu erwarten. Im Hinspiel trennten sich Frankreich und die Schweiz 1:1. Ausserdem waren die Gastgeber bereits vor dem finalen Gruppenspiel gegen die Schweizer für das Turnier in Albanien und Serbien qualifiziert und wechselten grosszügig durch.
Gleich zehn neue Akteure standen im Vergleich zum letzten Spiel auf dem Feld, bekanntere Namen wie Ethan Mbappé waren gar nicht mehr auf dem Matchblatt. Der kleine Bruder von Kylian musste verletzungsbedingt das Camp verlassen, auch andere Spieler mussten frühzeitig abreisen.
Dennoch konnte die Schweiz Frankreich nie wirklich gefährlich werden. Zwar erzielte Liam Chipperfield in der 53. Minute den Schweizer Ehrentreffer. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Franzosen jedoch bereits auf 4:0 gestellt. Mathys Tel erhöhte später auf 5:1 und erzielte damit einen Hattrick. Am Ende gewann Frankreich mit 7:1. Von den Schweizern gab es bei sämtlichen Treffern kaum Gegenwehr. Die Abwehr wirkte über 90 Minuten desolat. In den letzten 180 Minuten kassierte die Schweiz gar zwölf (!) Gegentreffer.
Island profitiert und zieht vorbei
Weil die Isländer ihrerseits auf den Färöern früh einen Doppelschlag erzielten und am Ende mit 2:0 gewinnen konnten, zogen sie an Freis Team vorbei auf Rang zwei. Die Schweiz rutschte auf Platz drei ab und verpasst damit die zweite EM-Endrunde in Serie. Mindestens den zweiten Platz hinter Frankreich hätte sich die Schweiz sichern müssen, um zumindest in den Playoffs noch den Sprung an die EM schaffen zu können.
Doch diese Chance verspielten die U21-Kicker der Schweiz nicht erst an diesem Dienstagabend in Frankreich. Auch wenn dieser finale Quali-Auftritt in allen Belangen ungenügend und erschreckend schwach war. Und deutlich machte, dass die Schweiz so an einer Endrunde nichts zu suchen gehabt hätte.
Orléans. - SR Kovacs (ROU).
Tore: 10. Mathys Tel 1:0, 14. Lebreton 2:0, 40. Tel 3:0, 51. Tabibou 4:0, 53. Chipperfield 4:1, 59. Tel 5:1, 65. Ngoura 6:1, 90+1. Danois 7:1.
Schweiz: Huber; Srdanovic (60. Ruiz), Ogbus (73. Freimann), Nyakossi, Rissi; Tsawa, Schödler; Streit (46. Junior Zé), Chipperfield, Krasniqi (46. Besio); Vogt (46. Bajrami).


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